Stand Dezember 2009
Verräterische Glocke
Die Feuerwehr aus Eiche rief, und alle kamen: Freunde, Kameraden, der Bürgermeister und Lokalpolitiker. Sie lobten und sie feierten – allerdings das falsche Jubiläum!
„Wir begingen 2009 unseren 75. Geburtstag. Allerdings ist die Feuerwehr in Eiche wohl wesentlich älter. Es gab sie bereits vor 125 Jahren“, schmunzelt Wehrführer Bernd Grunow.
Die neuen Erkenntnisse, die die verschmitzten Brandlöscher nicht an die große Glocke hängten, verdanken sie ausgerechnet einer kleinen Glocke.
„Eine frühere Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung hatte sie bei sich aufbewahrt, weil sie keiner haben wollte. Als wir unser Jubiläum vorbereiteten, brachte sie uns das Prunkstück“, so Grunow.
„Gesprächige“ Glocke
Orts-Chronist Hans Meusel musste das Alter der Glocke gar nicht schätzen. Denn zur original-erhaltenen Feuerwehrglocke gab es praktischerweise gleich noch den Kassenbuch-Eintrag über den Kauf mit dem exakten Datum dazu. „Wir wussten ja, dass unser Gründungsdatum etwas wacklig war. Wir hatten einfach das älteste Feuerwehrbild aus dem Ort als Beleg für die Gründung genommen, weil alle anderen Unterlagen abhanden gekommen waren. Das Bild stammte von 1934. Also nahmen wir dieses Jahr als Entstehungsdatum an“, so Bernd Grunow.  „Leider tauchten die neuen Erkenntnisse gerade dann auf, als wir mitten in den Festvorbereitungen waren. Hätten wir diese abblasen sollen, wo soviel Arbeit dahinter stand?“
Feuerwehr-Familie
Bernd Grunow entstammt einer alt-eingesessenen Eicher Familie. Sein Vater Eitelheinz Grunow gehört zu den Veteranen, die den modernen Brandschutz in Eiche maßgeblich geprägt haben. „Er ist 1953 in die Feuerwehr eingetreten. Es war gar keine Frage, dass ich ebenfalls mitmache“, erinnert sich der 52-jährige Wehrführer. Sein Sohn Falko Grunow ist ebenfalls mit Feuereifer dabei und kümmert sich um die 20 Mitglieder starke Jugendwehr.
Aber es gibt auch „schwarze Schafe“ in der Familie, die der rote Feuerwehrwagen weniger faszinierte. So wurde 1875 ausgerechnet ein Bauer namens Grunow mit einer Strafe von drei Talern belegt, weil er einen Brand versäumt hatte. „Alle Ortsansässigen waren damals verpflichtet, dem Feuer zu Leibe zu rücken. Wer nicht erschien, musste Strafe zahlen“, so Chronist Meusel.
Frauenmangel
Heute haben es die Bürger einfacher, es gibt ja die Freiwillige Feuerwehr. Die besteht in Eiche aus 24 Aktiven. Darunter ist die 23-jährige Pferdewirtin Stephanie Klopsteg als einzige vollausgebildete Frau. Sie trieb wohl eher das Feuer der Liebe denn die Sehnsucht nach feuchten Einsätzen zu den Kameraden, ist sie doch mit Falko Grunow liiert. Sie bekommt Unterstützung von Beatrice Netzeband. Die 37-Jährige ist aber noch Anwärterin.
Mit zwei Tanklöschfahrzeugen und einem Mannschaftswagen ist die Eicher Feuerwehr gut ausgestattet. Sie absolviert mit ihren IFA W50-Gefährten aus DDR-Produktion pro Jahr zwischen 25 und 40 Einsätze. „Die Fahrzeuge sind zwar nicht mehr die jüngsten, dafür ist deren Technik überschaubar“, so Bernd Grunow, der seine Kenntnisse als gelernter Autoschlosser hier bestens einbringen kann.
50 Jahre älter
Wird nun also gleich nach dem 75. Gründungsjubiläum der 125. Geburtstag gefeiert? „Da warten wir lieber noch ein wenig ab. Schließlich wissen wir immer noch nicht, wann die Gründung wirklich war. Wir wissen ja nur, dass es die Truppe vor 125 Jahren schon gab. Das heißt ja nicht, dass sie gerade da gegründet wurde“, gibt sich Feuerwehr-Chef Grunow erst mal vorsichtig zurückhaltend.
Jedenfalls hat die Truppe gute Chancen, in die Annalen einzugehen, denn wer altert schon so schnell wie die Eicher, die von einem Tag auf den anderen gleich 50 Jahre dazubekamen – durch die länge einer unscheinbaren Glocke!
Infos:
Tel. 0177/4937404
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