Stand Dezember 2009
Blues im Kopf, Trabi im Oberstübchen
Trabi, Resopaltisch, Stahlrohrmöbel und als Krönung das Holzfenster aus der längst geschlossenen Schule Elisenau: Im Obergeschoss von Gut Blumberg macht sich die sonderbarste Mischung aus Museum und Ostalgie, aus Volkshochschule und abgefahrener Rock-Musik, aus Gemälde-Galerie, Kunst-Werkstatt  und Technik-Ausstellung breit, die die Region kennt.
Selbst für Berliner Verhältnisse ist ungewöhnlich, was der Grundschullehrer Jann-Peter Müller aus Hamburg im entlegensten Teil des Ahrenfelders Ortsteils Blumberg veranstaltet. Es ist so außergewöhnlich, dass selbst dem Multi-Talent aus der Hansestadt die passenden Worte dafür fehlen: „Wir nennen es erst mal ‚Kunst- und Kulturzentrum‘,  bis uns was besseres einfällt.“
Dabei, so zeigt ein Rundgang, mangelt es dem 62-Jährigen selten an Einfallsreichtum. Er hat seinen Teil des gemieteten Dach-Geschosses in dem Ziegelgebäude weitgehend selbst ausgebaut.
Multi-Künstler
Es entstand ein Atelier „fürs Malen, Papier herstellen, für Kunst aller Art.“
Ausgegliedert ist ein weiterer Raum fürs Töpfern. Daneben gibt es äußerst überraschende Ecken. Wer würde beispielsweise einen waschechten Trabi im Oberstübchen des Guts erwarten? Das Gefährt steht beileibe nicht alleine da, es ist umrahmt von scheinbar wahllos gestapelten Motorrädern, „alle aus DDR-Produktion.“ Jann-Peter Müller zeigt, dass stimmt, was er sagt: „Ich bin verliebt in den Osten!“
Dazu gekommen ist es kurz vor der Wende. Der Hamburger wollte nicht glauben, dass die DDR-Bürger sich in der Hansestadt nur das Begrüßungsgeld abholten, um endlich mal richtig einkaufen zu gehen. „Meine Frau und ich gingen auf die Schlange zu. Wir hatten Kuchen und Kaffee im Korb und boten an, die Stadt zu zeigen.“
Stadtführung mal anders
Tatsächlich zeigte eine Familie aus dem Mecklenburgischen Güstrow Interesse.
„Daraus entstand eine echte Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen.“ Ein Ergebnis dieser Liebe zum Osten ist, dass Blumberg nun einen neuen Bürger mit viel Elan bekam. Denn unter den Freunden im Norden der damaligen DDR fand der Lehrer aus dem Norden der damaligen BRD eine ganz reizende Fachkollegin aus Blumberg.
Bei aller Liebe hielt es den Neu-Blumberger aber nicht lange ausschließlich im neuen Heim. Er schockierte seine Freundin ziemlich schnell mit der neu-entbrannten Liebe für alles, was nach mittlerweile aufgelöster DDR roch. Aus einem Trabi wurden bald ein knappes Dutzend. Es begannen sich Motorräder und Möbelstücke, alte Türen und Fenster, Glas und Porzellan zu stapeln. „Außerdem sammel ich noch Musikinstrumente“, strahlt Jann-Peter Müller. Sein „altes“ Hobby, das Töpfern, konnte er ebenfalls nicht sein lassen: „Ich hatte mir eine Werkstatt zuhause auf vier Quadratmetern eingerichtet.“
Gut rettete Haussegen
Wie eine Erlösung muss es da für den Haussegen gewesen sein, als sich Müller ins alte Blumberger Gut verliebte. „Ich habe alles selbst ausgebaut, nun fehlt mir nur noch die Heizung“, freut sich der unruhige Vor-Ruheständler.
Von seiner Energie, Erfahrung und Kreativität soll nun jeder profitieren können. Man kann in den Räumen die Zeichnungen, Töpferarbeiten und einen Teil der gesammelten Gegenstände ansehen. Jann-Peter Müller lädt jeden, der Lust hat, zu unterschiedlichsten, allerdings kostenpflichtigen Kursen ein: So soll man dort töpfern lernen, selbst Papier schöpfen und wie in der guten alten Zeit bedrucken können. Müller weiß, wie man einfache oder komplizierte Puppen macht und hat „ein offenes Ohr für alles was mit Kreativität zu tun hat.“
Rock und Theater
Außerdem soll das Alte Gut immer öfters zu Veranstaltungen einladen. Die Familie Müller kann einen guten Teil davon selbst aus eigener Kraft bestreiten. Hausherr Müller steht „als 68-er“ auf Rock und Blues, spielt Gitarre, hat langjährige Banderfahrung und singt. „Meine beiden Söhnen sind Schauspieler und können sicher ebenfalls für Auftritte gewonnen werden.“ Natürlich sind „externe“ Künstler, „am liebsten aus der Region“, ebenfalls hochwillkommen.
Blumberg ist mit Müller dabei, zum Kulturtreff der Großgemeinde Ahrensfelde zu werden. Denn obwohl hier nur etwa 2500 Einwohner von insgesamt über 13 000 Bewohnern der Gesamtgemeinde leben, gibt es gleich mehrere private Initiativen für Kunst und Kultur. Neben Jann-Peter Müller und seinem neuen Verein „Kulturforum Barnimer Feldmark“ kümmert sich der „Blumberger Kulturverein von Canitz“ seit über zehn Jahren darum, dass im Ortsteil was los ist.
Infos:
Tel. 01 72/4 32 48 24
www.kulturforum-barnimer-feldmark.de
Tel. 03 33 94/2 59
www.kulturverein-blumberg.de 
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