Stand September 2010
Road-Movie aus Blumberg
Wenn wir das Fernsehgerät anschalten, wenn wir ins Kino gehen, dann sehen wir – Bilder. Die Flut der Bilder nimmt explosionsartig zu, viele sind Erlebnisse, die auf uns in Bruchteilen von Sekunden einströmen, die wir ebenso schnell wieder vergessen.
Dieser Flut der nichtssagenden Bilder möchte sich ein Blumberger entgegenstemmen. Clemens Kemper liebt den Kinofilm „seit ich 14 Jahre alt bin“. Er hat es mit viel Ausdauer geschafft, beruflich in die Welt von Film und Fernsehen vorzudringen.
Bilder für Horst Schlämmer
Nach seinem Zivildienst schaffte er es ins Team der „Johannes B. Kerner Show“. Weitere Station war die Regieassistenz beim ZDF-Krimi „Unter anderen Umständen“. Kemper war als „Kranoperator“ für die bewegte Kamera in „Extra 3“ zuständig. Er sorgte beim Kinofilm „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ 2009 für attraktive Bilder.
Aus diesen Erfahrungen zog der Hamburger den Schluss, dass der Kameramann mit seinen Bildern einen Film keinesfalls weniger prägt als der Regisseur: „Die Kamera übersetzt das, was sich Drehbuch und Regie vorstellen, in Bilder. Leider ist das kaum jemandem bewusst, der ins Kino geht. Auf dem Abspann kommt die Kamera unter ‚ferner liefen‘, das ist sehr schade.“
Blick in die Kamera
Dennoch war sich der heute 24-Jährige sicher, dass sein Glück und Geschick hinter der Kamera liegt. Er wechselte von Hamburg nach Berlin, um bei einem Film-technik-Verleih jedes Rädchen und Schräubchen der gewaltigen Kameras kennenzulernen, die für Hollywood-Produktionen eingesetzt werden. Bei Deutschlands größtem und renommiertesten Kopierwerk Geyer erfuhr er, wie aus Rohfilmen Material wird, wie es dann im Kino oder Fernsehen zu sehen ist.
„Mein Traum war immer,
einen eigenen Film zu drehen und zwar nicht auf Video, sondern auf 35-Millimeter-Film, wie er fürs Kino verwendet wird.“
Star aus Liebe
Opas betagter Ford Mustang und seine neue Freundin Nadine Bütow brachten nun zusammen, was bisher auseinander lag. Das „Filmprojekt Blumberg“ wurde ein Road-Movie im Zeitraffer. Nur sechs Minuten gönnte sich das Team, um eine spannende und faszinierend fotografierte Autojagd in Bild und Ton zu gießen. Star war die hübsche Management-Assistentin Nadine Bütow, die ohne jegliche Schauspielerfahrung und –ausbildung so natürlich vor der Kamera agierte, dass das Team aus Clemens Kemper und Studenten der „Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf“ es schaffte, binnen von zwei Tagen im Freien den Streifen abzudrehen. „Wir arbeiteten im Mai und kämpften beispielsweise mit dem Problem, dass sich die Lichtverhältnisse häufig änderten. Mal war Sonne, dann wieder war der Himmel bedeckt. Das durfte man im Film aber nicht sehen, dort sollte ja alles kontinuierlich aussehen“, so Kemper.
Polanskis Überbleibsel
Möglich gemacht hatte die Produktion indirekt Hollywood-Starregisseur Roman Polanski. Er hatte bei Kodak für seinen jüngsten Film „The Ghost Writer“ spezielles besonders hochempfindliches Material bestellt. Da teilweise in Berlin gedreht wurde, lagen hier noch etliche Rollen und warteten auf Verwertung.“ Kemper und seine Freunde bekamen die teuren Negative zum Freundschaftspreis und lernten, damit umzugehen: „Im Gegensatz zu Videoaufnahmen muss man sich hier bewusst sein, dass jede Minute Film mehrere hundert Euro kostet. Das führt zu einer ganz anderen Arbeitsweise. Die Schauspieler wissen, dass sie nicht verpatzen dürfen, weil man nicht einfach mal wiederholen kann.“
Nun hoffen Kemper und seine Freundin Nadine Bütow, dass Blumbergs erstes Road-Movie „At the Lights“ das Fachpublikum ebenso überzeugt wie sein Kurzfilm-Erstling, der Tanzfilm „Equality“, der in die offizielle Auswahl des Internationalen Kurzfilm-Festivals von München kam.
Wer nicht zu den Auserwählten von hochkarätigen Filmfestivals gehört, kann im Fernsehen die Bildkunst von Clemens Kemper genießen: Momentan arbeitet er als Video-Operator für die beliebte RTL-Arzt-Serie „Doctor’s Diary“.
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