ARCHIV: Diese Eintrag ist aus dem Jahre 2012. Die Daten, Inhalte und Fotos sind möglicherweise veraltet und stimmen nicht mehr.
Adeliger will sich durchboxen
Mütter sind bekannterweise um ihren Sohn besorgt, ganz besonders, wenn sie nur ein Kind haben. Ganz anders in Ahrensfelde: Ausgerechnet eine Krankenschwester sorgt dafür, dass ihr „Kleiner“ mächtig was auf die Mütze bekommt!
Die attraktive Jacqueline von Chrzanowski verweist auf den alten polnischen Adel, dem sie entstammt. Die Wohnung strahlt den Charme eines Schlosses aus. Sie ist geschmackvoll ausgestattet mit Stilmöbeln und Antiquitäten. Das iPhone und iPad zeigen, dass sich Adel und Moderne gut vertragen können.
Baronin liebt das Klavier
und harte Männer  
Frau Baronin hat noch mehr als den guten Geschmack aus der Zeit ihrer Ahnen herübergerettet. Dazu gehört ein ausgeprägtes musisches Gespür. Besonders gerne sitzt sie am Klavier, am liebsten mit ihrem einzigen Sohn, Baron Domenic von Chrzanowski.
Der ist allerdings für weit weniger sensible Auftritte bekannt: Der Blaublüter aus Ahrensfelde gehört zu den Hoffnungen des deutschen Profi-Boxens. In den Ring geschickt wird er – von seiner Mutter! Und das, obwohl sie als gelernte Krankenschwester wohl eher daran Interesse haben sollte, dass Menschen gesund werden, anstatt sich blaue Flecken und Veilchen einzuhandeln. Denn im harten Boxsport sind Blessuren selbst bei einem erfahrenen Kämpfer wie Domenic von Chrzanowski unvermeidlich. Er hat in zehn Profi-Kämpfen sechsmal seine Gegner mit K.O. besiegt und bereits einen Titel als Deutscher Meister im Mittelgewicht. Außerdem ist er Juniorenweltmeister der WBU.  
Zusehen wie der Sohn malträtiert wird
„Weil das so ist, bin ich bei jedem Kampf viel aufgeregter als mein Sohn. Es ist für eine Mutter schwer, zu sehen, wie ihr Sohn Schläge einstecken muss“, gibt sie unumwunden zu. Dennoch ist die attraktive Baronin immer dabei, spektakuläre Auftritte im Ring für ihren Sohn zu organisieren, denn sie ist seine Managerin. „Ich musste mich hart durchbeißen, um anerkannt zu werden, denn Boxsport ist nun mal immer noch weitgehend Männerdomäne“, blickt sie zurück. Offenbar hat Adelsspross Domenic von Chrzanowski den Kämpfergeist im blauen Blut.
Fußball, Eishockey, Boxen
Er hat als Kind im Vorschulalter mit Fußball angefangen. Mit vier Jahren war er bei den Bambinis der Berliner Eisbären. Zum Jahrhundertwechsel wurde er für den Boxsport entdeckt. Er schaffte es, fünfmal Berliner Meister zu werden. „Mit 18 Jahren habe ich den amtierenden Jugendweltmeister geschlagen“, erinnert sich der freundliche Baron, dem man, wenn man es nicht weiß, niemals die Affinität zu so einem harten Sport zutrauen würde, zurück.
Eigener Boxstall
Nach Differenzen mit dem Management gründete Mutter Jacqueline von Chrzanowski kurzerhand einen eigenen „Boxstall“, um von Ahrensfelde aus ihrem Sohn den Lebenstraum zu ermöglichen. Der 22-Jährige hat sich nämlich nicht weniger vorgenommen, „als in allen vier großen Box-Weltverbänden den Welt-meistertitel zu holen“!
Eine Frau im skandalumwitterten Boxbetrieb? „Am Anfang hatte ich es sehr schwer, überhaupt ernst genommen zu werden. Mittlerweile kennt man mich“, gibt sich die Baronin selbstsicher. Dabei verschweigt sie nicht, dass es hinter den Kulissen oft ebenso wie im Ring hart zugeht und Schiebungen zur Tagesordnung gehören: „Ich erinnere mich an einen Kampf, wo sich herausstellte, dass mein Sohn im Ring einen ganz anderen Gegner hatte, als vereinbart war. Der Schwindel flog erst am Ende auf. Seitdem bestehe ich auf einer Ausweiskontrolle, bevor der Kampf losgeht!“
Ehrliches Kräftemessen
Box-As Domenic von Chrzanowski weiß, warum er seinen Sport so sehr liebt: „Es ist ein Kampf Mann gegen Mann, ein ehrliches Kräftemessen, so wie man das von früher kennt, aber ohne Waffen, nur mit den Fäusten. Heute gibt es das ja nicht mehr. Dabei geht es um Mut, Reaktionsvermögen, Geschick und Durchhaltekraft. Vor einem Kampf bin ich durchaus nervös, schlafe schlecht, bin unter Anspannung. Im Ring ist das erst ein komisches Gefühl, wenn man die vielen Leute um einen herum sieht. Wenn der Kampf losgeht, ist der Ring für mich wie eine Wand. Ich sehe nur noch den Gegner, den Trainer, meine Mutter, wenn sie da ist. Ein Kampf kann sogar verbinden. Mit einigen meiner Gegner bin ich, seit wir im Ring standen, befreundet.“
Abnehmen im Akkord
Die Vorbereitungen für einen Kampf sind immens: „Um fit zu sein und auf mein Kampfgewicht von 76,2 Kilogramm zu kommen, gibt es zweimal am Tag härtestes Training.
Dadurch kann ich etwa 2000 Kilokalorien verlieren. Ich esse in dieser Zeit kaum Fett und Kohlenhydrate, dafür viel Eiweiß. Einen wichtigen Effekt fürs Abnehmen hat konsequentes Schwitzen in der Sauna. Das entzieht dem Körper Flüssigkeit und sorgt für schnelle Gewichtsreduktion. Normalerweise kann ich pro Woche ein Kilo loswerden“, gibt der Baron Tipps, die er nicht unbedingt jeder schönheitsbewussten Frau empfehlen möchte.
Weiches Herz in harter Schale
Doch ebenso wie das zarte Geschlecht hat Ahrensfeldes Kämpfer so seine schwachen Seiten: „Nach dem Kampf überkommt mich oft eine regelrechte Fress-Sucht. Ich liebe genau das Essen, was ungesund ist: Fast-Food, Döner, Pizza. Wenn ich selbst koche, mache ich Bouletten!“
Dass der harte Sportler ein weiches Herz hat, zeigt sich bei Kämpfen wie sie zuletzt in der Türkei geplant waren. Dort wollte er gegen Misa Nicolic aus Serbien in acht Runden antreten. Doch der Kampf wurde mehrmals verschoben. Das war eine harte Zeit, denn ihn plagte immer mehr das Heimweh.
Die täglichen Video-Telefonkonferenzen übers Internet mit Mutter Jaqueline von Chrzanowski waren da eher ein schwacher Trost. Sie litt ebenfalls stark unter der
Situation, musste sie ja die Trennung von gleich zwei Männern verkraften. Neben ihrem Sohn ging ihr dessen Trainer Steven Küchler ab.
Boxer-Familie
Denn der 36-Jährige ehemalige Boxer aus Schmölln ist ihr Lebensgefährte. Er war 2000 bei Olympia in Sydney in der deutschen Mannschaft, wurde immerhin Fünfter. Vorher hatte er 1996, 1998 und 1999 die deutsche Meisterschaft gewonnen. 1995 und 1998 gewann er die Militärweltmeisterschaft. Steven Küchler galt als fast unbesiegbar, hatte von 261 Amateurkämpfen 234 gewonnen.
Das Internet ist für die Box-Familie aus Ahrensfelde aus einem weiteren Grund zur Bereicherung geworden.
Denn übers Netz entspann sich das zarte Netz der Liebe zur gleichaltrigen Annika Zug. „Die wusste erst nichts über meinen Beruf, hat sich nun aber damit angefreundet, dass ich manchmal etwas ramponiert aussehe“, schmunzelt er. Jedenfalls war er mehr als froh, dass ihm seine Freundin, obwohl die beiden gerade erst zwei Monate liiert waren, sein Arbeits-Asyl in der Türkei, „wo kaum jemand deutsch oder englisch spricht“, versüßt hat.
Mittlerweile ist  Domenic von Chrzanowski wieder bestens in Ahrensfelde angekommen, ohne Schrammen. „Ich habe fünf Wochen hart trainiert, dann wurde der Kampf letztendlich vom Veranstalter abgesagt“, ärgert er sich.
Der nächste Titel-Kampf ist für den 13. Oktober 2012 in der Stadthalle Velten angesetzt.
Infos:
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