Stand August 2012
Musikalische Erleuchtung
Als Kind war er so sauer auf den „Drill mit der Musik“, dass er in der Wut seine Geige traktierte. Dass er heute zu den anerkannten Vertretern der neuen Musik zählt, verdankt der Ahrensfelder ganz entschieden seiner Erfahrung, dass man selbst als „Bettelstudent“ mit ungewöhnlicher Musik ganz gut durchs Leben kommt.
Simon Jakob Drees aus Ahrensfelde fesselt sein Publikum, indem er überrascht. Er ist vielfach anerkannter Improvisationskünstler, weiß selbst nicht im voraus, was und wie er spielen wird. Er tritt im Deutschen Theater, in der Berliner Heilig Kreuz Kirche, auf Festivals und in angesagten Galerien bei Vernissagen gefragter Künstler auf. Er kann auf Konzerte in Russland und Asien zurückblicken. Zugute kommt ihm, dass er seine Instrumente bequem mitnehmen kann. Dies sind die Geige und seine eigene Stimme. „Damit produziere ich Geräusche, Klänge, Rhythmen“, sagt er von sich selbst. Er fühlt sich Künstlern wie John Cage nahe, doch seine Musik ist völlig anders, weniger synthetisch, viel urtümlicher. Denn Drees ist es wichtig, mit dem Publikum zu kommunizieren: „Mein Ziel ist die Begegnung mit dem Zuhörer. Dazu stelle ich meine Fähigkeiten zur Verfügung.“  
Spezialist für Obertongesang  
Dazu gehört die Kunst des Obertongesangs. Das Besondere dabei ist, dass dabei ein  mehrstimmiger Gesang von nur einer Person erzeugt wird.  Die Ursprünge liegen in Asien. Im Westen ist Obertongesang erst seit kurzer Zeit bekannt ist. Er wird von nur wenigen Künstlern wie Simon Jakob Drees beherrscht.  
Gitarre mit der Hof-Clique
Der heutige Avantgarde-Künstler hat sich seine Musik schwer erarbeitet. „Ich war in einer Clique, die sich im Hof traf. Wir fanden es toll, mit der Gitarre herum zu klampfen. Deshalb wollte ich Gitarre lernen. Damals habe ich meine Liebe zur Musik entdeckt!“
Die Eltern, beide Psychiater und den schönen Künsten zugetan, träumten von einer klassischen Musikausbildung an der Geige. „Mit sechs Jahren hatte ich aber einfach andere Interessen. Ich wollte viel lieber Volleyball spielen als mit der öden Geige zu üben, obwohl ich darin ziemlich gut war. Ich war so wütend auf das Instrument, dass ich es zerschlagen wollte.“
Studium ohne Abitur
Schließlich fand sich mit den Eltern ein Kompromiss: „Sie versprachen mir, dass ich nach dem Grundstudium an dem Instrument selbst entscheiden darf, ob ich aufhöre.“
Nach der zehnten Klasse entschied sich Drees zu einer Tischlerlehre und wurde aufgrund seiner hohen Begabung zum Violinstudium an die Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin entsandt.
Er wohnte mit seiner ersten Ehefrau Simone Prawe und dem gerade erst geborenen Sohn Jakob in Stendal und pendelte mit dem Zug, um einmal in der Woche zum Unterricht in die Hauptstadt zu kommen. „Als Fernstudent brauchte man kein Abitur!“
„Bettelstudent“ in Afrika
Doch fast wäre wieder alles schief gegangen, aufgrund der inneren Widersprüche, die ihn regelmäßig ins Zweifeln kommen ließen. „Ich stand mir während des Studiums sehr oft selbst im Weg, verpasste Chancen, weil ich mit mir nicht im Reinen war“, erinnert er sich zurück.
Schließlich kam der Entschluss, das Studium kurz vor dem Abschluss abzubrechen. „Das war gerade zu Wendezeiten, ich wollte die Welt kennenlernen.“ Er stellte sich an die Straße, trampte, schaffte es über Paris bis in die marokkanische Metropole Casablanca. Sein Geld verdiente er sich als Straßenmusiker. „Da erfuhr ich plötzlich, dass ich mit der Geige meinen Lebensunterhalt bestreiten kann! Durch diese Erfahrung wollte ich nun doch das Studium abschließen.“
Keine Lust auf Regeln
Dennoch war für ihn immer klar, dass er kein Leben in einem Orchester mit festen Regeln wollte, dass er nicht mit Musik von anderen Komponisten auftreten wollte, sondern sich mit seiner Geige und seiner Stimme selbst ausdrücken will. Bereits 1989 hatte er ein Improvisationsorchester gegründet, ein Jahr später einen Chor, mit dem ihm ein erster Durchbruch gelang. Der deutsche Musikrat fand die Künstler so überzeugend, dass er sie auf Russland-Tournee sandte.
Reisender Musiker
Die eigentliche Inspiration, die ihn zu der eigenwilligen Musik führte, wie wir sie heute kennen, erlebte er 1994 während einer halbjährigen Tour durch Asien. „Ich verstand mich als reisender Musiker mit Geige und Stimme, der den Austausch suchte. Angeregt durch das Hören einer turkmenischen CD zogen mich zunächst die Länder im Umkreis des Kaspischen Meeres an. In Indien, China und Tuwa entdeckte ich ebenfalls viele Parallelen.“ Weitere Inspirationen kamen aus der Jiddischen Musik.
Heilende Töne
Bei seinem Eindringen in die Welt hinter der Musik entdeckte Simon Jakob Drees, dass Töne im Menschen zu einer wichtigen Heilwirkung führen können. Er machte eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie und landete damit unversehens wieder im Elternhaus, wo Vater und Mutter ebenfalls ihr Berufsleben der menschlichen Psyche gewidmet hatten.
Damit hat Ahrensfelde einen herausragenden Musiker, der seine oft ungewöhnlichen Töne neben „gewöhnlichen“ Zuhörern gerne Menschen mit Gesundheitsproblemen zur Verfügung stellt und darauf hinweist, dass gerade Asthmatiker durch Atemtechniken wie sie beim Gesang geübt werden, ihr Problem erfolgreich bekämpfen können.
Wer ihn hören möchte, kann sich über die Klangbeispiele im Internet einen guten Vorab-Eindruck verschaffen und wird sich wundern, dass experimentelle Musik viel eingängiger sein kann als man sich das gemeinhin vorstellt. Live-Konzerte vor größerem Publikum sind leider selten, „dazu fehlen mir einfach die Management-Fähigkeiten“, räumt Simon Jakob Drees selbstkritisch ein. „Dabei würde ich mit meiner Musik gerne ein größeres Publikum erreichen!“
Simon Jakob Drees ist mit der Ahrensfelder Musikerin Gesine Conrad verheiratet. Tochter Paula Towadei
Conrad ist mittlerweile elf Jahre alt und tritt in die musikalischen Spuren der Eltern.
Infos:
www.simonjakobdrees.de 
Tel. 0 30/42 02 62 27
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