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Wie attraktiv und wichtig für die
Menschen ist der verwilderte Gutspark in
Mehrow mit seinen Weihern und dem
alten Baumbestand?

Darüber wird seit mittlerweile 20 Jahren
diskutiert. Nicht mal die
Gemeindevertretung ist sich da einig. So
wollte der Verein „Mehrow 21“ den
früheren Gutspark mit einem
Umweltlehrpfad, der an der Lake und dem
alten Baumbestand entlang führt,
aufwerten. Dafür stand ein Sponsor bereit.
„Während der zuständige Bau- und
Umweltausschuss grünes Licht gab, lehnte
die Gemeindevertretung knapp ab“, ist
Vereinsvorsitzender Thomas Wüpper
enttäuscht.  

Natur am Herzen      

Dem aus dem Schwarzwald stammenden
Wirtschaftsjournalisten ist Naturschutz
ein echtes Herzensanliegen. Schon zu
Jugendzeiten hatte er die Behörden
aufgerüttelt, als in seinem Heimatdorf ein
idyllischer Bachlauf zugebaut werden
sollte. Der heute 53-Jährige zog vor 22
Jahren nach Mehrow. Er ist für mehrere
renommierte süddeutsche Tageszeitungen
als Korrespondent für Ostdeutschland
tätig. „Ich wollte bewusst in Brandenburg
leben, unter den Menschen, über die ich
berichte“, beschreibt er seine Motivation.
In Mehrow stieß er auf die Möglichkeit, in
dem zu Eigentumswohnungen
umgebauten ehemaligen LPG-Gebäude
einen neuen Mittelpunkt zu finden.  

Kröte mit Knoblauch-Duft

Wüpper war von der Natur
begeistert. Er wohnte nun auf Sichtweite
zu einem Teich, in dem der
„Amphibienfreak“ seltene Tiere wie etwa
die „Knoblauchkröte“ ausmachte. Die
sprüht bei Gefahr ein Sekret aus, das nach
Knoblauch duftet. Außerdem entdeckte er
die ebenfalls auf der Roten Liste stehenden
Kammmolche sowie Fledermäuse und
seltene Vögel.    

Hungrige Fische

So machte er schon Mitte der 1990-er
Jahre als Vorstandsmitglied beim damals
ersten Mehrower Umweltverein „Barnimer
Feldmark e.V.“ mit. Damals war
angestrebt, die ökologisch wertvollen
Weiherketten im Mehrower Umland unter
Naturschutz zu stellen. Wie wichtig das
gewesen wäre, zeigen die Beobachtungen
von Thomas Wüpper: „Mehrere der
seltenen Amphibienarten sind inzwischen
hier verschwunden.“ Als Gründe nennt er
hohe Schadstoffeinträge in manche
Gewässer und den teils intensiven
Fischbesatz fürs Angeln, der Laich,
Kaulquappen und Larven von Amphibien
massiv dezimiert habe.

Grünes Herz in Gefahr?

„Mehrow 21“ setzt sich satzungsgemäß
besonders für den Erhalt und die
Erweiterung des Gutsparks ein, wie es
2004 von der Gemeindevertretung im
Rahmen des damaligen, öffentlich
geförderten Dorfentwicklungsplans
einstimmig beschlossen wurde. „Eine
weitere Bebauung sollte nicht erfolgen“,
freute sich Wüpper mit anderen
Naturschützern. Umso größer war der
Schock über den Flächennutzungsplan,
den die Gemeinde 2010 aufstellte. „Da
wurden nun die Festlegungen von 2004
über den Haufen geworfen und Teile des
Parks zur Bebauung freigegeben.“ Ob der
Auslöser wirtschaftliche Interessen waren?

Neue Wege

Die Mitglieder von „Mehrow 21“ hoffen,
dass mit dem weiterhin geplanten Weg am
Weiher noch mehr Bürger als bisher sehen
könnten, welches wichtige Kleinod sich im
Herzen des Ortsteils befindet. Dass die
Vereins-Aktivisten, zu denen Ehefrau Jutta
Wüpper ebenso wie der neue
Gemeindevertreter Dr. Wolfgang Unger
gehören, mit ihrem Engagement für die
Umwelt richtig liegen, bewies eine
Untersuchung der Eberswalder
„Hochschule für nachhaltige
Entwicklung“. Die Studenten führten den
Gemeindevertreter in einer gut 100 Seiten
dicken Ausarbeitung vor Augen, dass es
notwendig ist, die Weiherketten unter
Naturschutz zu stellen und dies die
Attraktivität der Region erhöhen würde.
„Damit entstünde im besten Fall ein
geschützter grüner Gürtel, der von
Ahrensfelde bis nach Altlandsberg ginge.
In der Nachbargemeinde stehen die
wertvollen Weiherketten schon seit Jahren
unter Naturschutz“, sagt Thomas Wüpper.  

Telefon-Pionier

Gerne würden die Mehrower Aktivisten
den Gutspark noch mehr aufwerten,
schließlich weist er auf eine wichtige
Station des technischen Fortschritts hin.
Ihn hatte um die Jahrhundertwende der
findige Tüftler Robert Stock anlegen
lassen, der die Deutschen Telefonwerke,
kurz „DeTeWe“, in Berlin gründete und
später einen motorbetriebenen Ackerpflug
erfunden hatte. „Daran könnte man
anknüpfen, um unseren Ort überregional
bekannt zu machen“, schlägt der
Journalist vor. Was Telefon-Pionier
Robert Stock wohl dazu sagen würde, dass
vor den Toren seines Mehrow die moderne
Kommunikationstechnik viele Jahre lang
stehen geblieben ist? „Nun hoffen wir auf
das Frühjahr 2015, dann soll es bei
uns endlich flächendeckend schnelles
Internet geben“, so Thomas Wüpper.
Schließlich geht grünes Engagement heute
nur noch im Verbund mit moderner
Kommunikation!

Infos:
www.mehrow21.de
http://mehrow21.blogspot.de
Tel. 01 70/8 01 80 26

Der lange Weg um den Weiher

Stand Oktober 2014

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