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Zu laut für die Vollkomfortwohnung im Plattenbau! Dieses Problem bescherte Ahrensfelde einen
ungewöhnlichen Musiker, Arrangeur und Komponisten, der auf weltweite Auftritte, unter anderem
mit dem Kult-Kabarett  „Distel“ zurückblicken kann.
„Ich habe 100 Bohrer verschlissen und tagelang versucht, mit meiner Mini-Bohrmaschine in den harten
Stahlbeton Dübel anzubringen. Als ich endlich dachte, unsere Wohnung in Marzahn wäre schalldicht und
meine Frau zum Prüfen vor die Wohnungstür schickte, stellte die fest, dass es genauso laut wie vorher
durch den Wohnblock dröhnte!“
Nobsi wusste Rat
Abhilfe wusste Nachbar und Kartenspiel-Freund Nobsi: „Der hatte in Eiche ein Grundstück und gab mir den
Tipp, dort mal beim Bürgermeister anzufragen. Ich hatte eine Digitaluhr für zwei Westmark als
Begrüßungsgeschenk mit, da klappte es ganz schnell“, schmunzelt Petko Datschew noch heute, wenn er
zurückdenkt, wie er zu Grundstück und Eigenheim kam. Mittlerweile lebt er zusammen mit Ehefrau Petra
Datschew fast 35 Jahre im Ort. Er liebt seinen Garten so sehr, dass er ihn von 1991 an für mehrere Jahre
fürs breite Publikum öffnete und jeden, der es wollte, in sein Gartencafé einlud: „Mir war klar, dass im Zuge
der Wende das Geld für Kultur fehlen würde“, begründet er den damaligen Schritt.
Am Sonnenstrand entdeckt
Damit knüpfte der aus dem sonnigen Bulgarien stammende vielfältige Musiker an den Beginn seiner
Karriere an: „Nach Abschluss des Konservatoriums in meiner Heimatstadt Plowdiw schloss ich mich einer
Band an. Unsere Spezialität waren Freiluft-Konzerte für Touristen am Sonnenstrand vom Schwarzen Meer.“
Das beweist, dass die strenge Erziehung zur klassischen Musik, auf die das Konservatorium damals
ausgerichtet war, wenig gefruchtet hat: „Wir hatten nur dort ein Klavier. Mich faszinierte damals mehr die
gerade in Mode kommende Musik der Beatles und anderer Bands, die bei uns verboten waren. Also übte
ich das heimlich in der Schule, wurde mehrmals erwischt und disziplinarisch belangt“, erinnert sich Petko
Datschew.
Riesen-Akkordeon in der Kita
Dabei begann seine musikalische Karriere noch viel früher, nämlich im Kindergarten: „Meine Eltern waren
keine Künstler, wollten aber, dass ich mich musikalisch entwickle. Also bekam ich im Kindergartenalter ein
riesiges Akkordeon mit 120 Bässen. Wenn ich es spielte, sah man von mir kaum etwas, nur die Fingerchen
und etwas vom Kopf, so groß war das Instrument im Vergleich zu mir.“
Verbotene Beat-Rhythmen
Dennoch fiel die elterliche Initiative auf fruchtbaren Boden. Es ging ab ins Musikgymnasium: „Der Lehrer
nahm mich kritisch in Augenschein, wie meine Konstitution ist und entschied, dass für mich Flöte passen
wurde. Klavier war zusätzliches Pflichtinstrument. Zudem spiele ich Saxofon und komme mittlerweile sogar
mit dem Dudelsack zurecht. Das Musikgymnasium bewahrte mich immerhin vor so schrecklichen Fächern
wie Mathematik und Physik.“ Die Auftritte am Sonnenstrand fanden insbesondere bei den vielen Touristen
aus der DDR Applaus. So kam es, dass Petko Datschew von einer Musikerin aus Neuruppin angeworben
wurde.
An der Seite von „Solo Sunny“
In Potsdam verliebte er sich in Sanije Torka. Sie war in DDR-Kinderheimen aufgewachsen, wurde Sängerin
und Schauspielerin, galt durch ihre selbstbewusste und eigenständige Lebensweise vielen als Vorbild.
Dadurch war sie in der Künstlerszene Ostdeutschlands beliebt. Ihre Geschichte wurde im DEFA-Kult Film
„Solo Sunny“ von Konrad Wolf verarbeitet, der 1980 erschien. 2009 brachte der MDR den Dokumentarfilm
„Solo für Sanije – Die wahre Geschichte der Solo Sunny“ von Alexandra Czok heraus. „Durch
Sanije Torka lernte ich viele DDR-Künstler wie etwa Wolf Biermann kennen, mit dem sie nach mir eine
Zeitlang zusammen war“, so  Petko Datschew.
Liebe ohne Geld
Beim montäglichen Musiker-Treffen in der „Großen Melodie“ gegenüber vom Friedrichstadtpalast konnte
der charmante Künstler gleich zwei Weichenstellungen für sich erreichen. Er verliebte sich in eine hübsche
Blondine, die ihm wegen ihrer Attraktivität aufgefallen war und konnte sie heiraten, „obwohl sie für mich
nach dem ersten Tanz die Zeche übernehmen musste, weil ich kein Geld mit hatte.“ Und er fiel bei einer
Jam-Session so virtuos auf, dass ihn die renommierte „Horst Krüger Band“ engagierte, in der unterem
anderen Tamara Danz Sängerin war. Sie war später die Stimme der Kult-Band „Silly“.
Von Lakomy abgeworben
Dieses Engagement sollte Petko Datschew eng mit der DDR-Musikszene verbinden. Erst mal geriet
Datschews neue musikalische Heimat in eine existenzielle Krise. „Schuld hatte Reinhard Lakomy, der uns
fast alle Band-Musiker abgeworben hatte“, gibt Datschew Einblick hinter die Kulissen. Lakomy war der
ostdeutsche Hit-Macher. Er gehört nach den Puhdys zu den erfolgreichsten DDR-Künstlern. Sein Kinder-
Musical „Der Traumzauberbaum“ war selbst nach der Wende sehr beliebt.
Mit Schäferhund auf Musiker-Suche
„Wir fuhren mit dem klapprigen Wartburg von Horst Krüger und zwei stinkenden Schäferhunden quer durch
die DDR, um neue Musiker zu finden“, blickt  Petko Datschew zurück. Und sie wurden fündig! So begann
Bernd Römer 1973 seine Karriere als Profimusiker in der „Horst Krüger Band“. 1976 kam er zu „Karat“, mit
denen er immer noch auftritt! Die nächste Band war die „College Formation“, wo der spätere „City“-Sänger
Toni Krahl seine ersten Sporen verdiente. 1976 konnte Petko Datschew mit seiner ersten eigenen Band
„Neue Generation“ eine Langspielplatte veröffentlichen. „Leider zerstritt sich die Gruppe anschließend, ich
forderte einfach zuviel.“
Diva mit Sombrero
Schließlich wurde Barbara Kellerbauer, die Chanson-Diva der DDR, auf ihn aufmerksam und engagierte
ihn. „Morgens um 7.30 Uhr klingelte es und eine Frau mit einem Riesen-Sombrero stand vor der Tür. Ich
kannte sie damals noch gar nicht“, weiß Petko Datschew noch heute, wie es zu einem wichtigen
Meilenstein in seinem Leben kam. Mit ihr ging es auf Tourneen in die ganze Welt.
Neustart mit „Distel“
Die aus dem sächsischen Freiberg stammende Künstlerin war als 16-Jährige vom legendären Showmaster
Heinz Quermann entdeckt worden. Sie hatte mit „Lieder, Land und Leute“ ihre eigene Sendung im DDR-
Fernsehen und wurde 2003 Präsidentin vom „Kulturbund“. Nach der Wende entdeckte das Ostberliner Kult-
Kabarett „Distel“ den kurzzeitigen Musik-Gastronomen aus Not. Schließlich war man Nachbar, denn
„Distel“-Mitglied Gert Kießling wohnt ja nur einen Steinwurf entfernt. Für „Distel“-Schauspielerin Evelyn
Heidenreich war Datschew später Studiomusiker bei Fernsehauftritten. Nach seinem Ausscheiden aus der
„Distel“ war er mit den „Drei Grazien“ aktiv. Madeleine Lierck-Wien, ebenfalls aus der „Distel“ bekannt, ist
hier die Schauspielerin, Eva-Maria Pieckert „die Sängerin“ und Angela Reinhardt, bekannt als
Primaballerina aus dem Berliner Metropoltheater, die Tänzerin. Mit Madeleine Lierck-Wien und ihrem Sohn
Fabian Oscar Wien, die beide in der ARD-Serie „Rote Rosen“ zu sehen sind, erarbeitete er ein „Erich
Kästner Programm“, denn „bei Kästner spielt die Mutter-Sohn-Beziehung eine große Rolle.“ Übrigens
kennen den Ahrensfelder mittlerweile sogar die Fans ausgefallener Popmusik. Er hatte sich erneut mit
Horst Krüger zusammengefunden, um als Vorgruppe für die sächsischen „Randfichten“ mit ihrem
„Holzmich’l“-Hit rockiges Flair in deren Konzerte zu bringen. „Unser größter Auftritt war auf dem
Sachsenring, wo wir die Erfahrung machten, dass die Sachsen auf einfache Rockmusik zum Mitwippen
stehen und wenig mit Zwischentönen, wie sie Popmusik bietet, anfangen können.“
Infos:
Tel. 01 76/78 99 43 51
www.petko-datschew.de 
Stand Oktober 2015
Zu laut für die Vollkomfort-Wohnung!
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