Stand: November 2008
 
Klein-Hollywood im Barnim:
Großes Kino kommt aus Ahrensfelde
Gutes Kino kommt – aus Ahrensfelde! Dort gibt es sogar ein richtiges Kino, im Obergeschoss eines Wohnhauses.
Der Film „Control“ war 2008 monatelang in der Presse. Große Zeitungen wie die „Welt“ lobten den ungewöhnlichen Streifen mit Jungstar Sam Riley und Alexandra Maria Lara über die tragische Geschichte der englischen Kultband „Joy Divison“. Die „Welt am Sonntag“ hatte den Film auf ihrer Titelseite und brachte im Innenteil eine dreiseitige Reportage.

Bester Film des Jahres!
Für den ungewöhnlichen Schwarz-Weiß-Film des Rock-Star-Fotografen Anton Corbijn, der Regie führte, gingen 150 000 Menschen ins Kino. „Er wurde von vielen Kritikern als ‚Wichtigster Film des Jahres 2008’ bezeichnet“, so der Ahrensfelder Stephan Selms. Mittlerweile ist „Control“ als DVD fürs Heimkino zu haben, für alle, die ihn im Kino versäumten.
Entdecker des Kultstreifens waren der Ahrensfelder
Stephan Selms und sein Partner Steffen Gerlach. Sie machen mit ihrer Filmfirma „Capelight“ aus Ahrensfelde so etwas wie ein „Klein-Hollywood“. Capelight hat sich darauf spezialisiert, „anspruchsvolle Filme“ populär zu
machen. Selms und Gerlach sind deshalb regelmäßige
Besucher der Filmfestspiele in Cannes und der Berlinale. Sie sind in Hollywood gern gesehene Besucher.

Entdecker von Sofia Coppola
Der erst 28-jährige ursprüngliche Bankkaufmann und der frühere Werbekaufmann haben „die richtige Nase“ für „Filme mit Potenzial“ und treten als Filmrechte-Händler in die Fußstapfen von Größen wie dem früheren Film-Magnaten Leo Kirch, der mit
seinem Fundus an Spielfilmen das Privat-Fernsehen in Deutschland erst möglich machte und „Premiere“ gründete.
Der Ahrensfelder gehörte zu den Entdeckern von Sofia Coppola, der Tochter des Erfolgsregisseurs Francis Ford Coppola, der mit „Der Pate“
einen Welterfolg feiern konnte. Die Capelight-Chefs sahen ihren Debütfilm „The Virgin Suicides“ und machten ihn dem deutschen Publikum
zugänglich. „Wenn wir einen Film übernehmen, müssen wir uns natürlich zuerst um die Synchronisierung kümmern“, so Stephan Selms. Der Streifen erhielt viele internationale Auszeichnungen.
Sofia Coppolas nächster Film „Lost in Translation“ wurde ein vielfach ausgezeichneter Welterfolg.

Fernsehspannung aus Ahrensfelde
In nur vier Jahren konnten sich die Filmfreaks aus
Ahrensfelde in einem sehrschwierigen Markt etablieren. Sie haben die Rechte an mittlerweile 60 Filmen.
Darunter sind europäische Produktionen wie von
Claude Chabrol, man findet  die „BMX-Bande“ mit der damals noch unbekannten Nicole Kidman, die mittlerweile Oscar-Preisträgerin ist oder herausragende US-Streifen wie „The Tesseract“.
Viele sehen die Capelight-Filme ganz einfach im Fernsehen. Die ARD und ihre dritten Programme sind „Stammkunden“ bei der Ahrensfelder Firma, aber die Konkurrenz der Öffentlichen wie der Sender „Vox“ greifen ebenfalls auf den Fundus aus dem Barnim zurück.
So sind die Filme „Bartholomäusnacht“ und „Penelope“ gerade auf unterschiedlichen Kanälen im  TV zu sehen. „Penelope hatte im Kino 60 000 Zuschauer, obwohl gerade die Fußball EM war“, so Stephan Selms.

Kino im Oberstübchen
Wenn die großen Filmstudios wie „Sony Pictures“ und „Senator“ liebevoll editierte DVD-Boxen in den Handel bringen, dann ist das oft den Barnimer Cineasten zu verdanken.
„Wir erledigen die komplette Abwicklung inklusive Synchronisierung, Covergestaltung und Abwicklung im Auftrag für die Majors“, schildert Selms, welch guten Ruf sein Unternehmen mittlerweile in der heiß umkämpften millionenschweren Film-Branche hat. Die Ahrensfelder setzen auf Qualitätsfilme, „die aber
unterhaltsam sein müssen.“ Geprüft werden kann im privaten Kino im Dachgeschoss des Wohnhauses nicht weit vom alten Rathaus entfernt. Man darf auf den nächsten Filmhit „entdeckt“ aus Ahrensfelde gespannt sein, der ohne das Fingerspitzengefühl der
Barnimer Cineasten vielleicht ganz zu Unrecht gar nicht auf den Markt käme!

Infos:  
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