Blanke Busen auf dem Friedhof

Blanke Busen mitten auf dem Friedhof – und das mit offizieller Duldung! Das gibt es so wohl nur in Ahrensfelde!Schauplatz dieses ungewöhnlichen Treibens ist der Ostfriedhof. Und der hat eine lange Tradition. Lenné-Schüler und Gartenarchitekt Louis Meyer und Architekt Gustav Werner legten vor knapp hundert Jahren das Areal im Auftrag der Synode Berlin an. Gedacht war die Beerdigungsfläche ursprünglich für zwölf Berliner evangelische Kirchengemeinden in den Arbeiterbezirken Wedding, Friedrichshain und Kreuzberg. Die Friedhöfe sollten nicht mehr unmittelbar in Wohngebieten sein, um den Gemeindemitgliedern eine würdige Begräbnisstätte fernab vom Lärm der Großstadt zu schaffen. Seit der ersten Beisetzung am 4. Juli 1908 bis zur Anerkennung als Denkmal im Herbst 2001 hat der Friedhof eine wechselvolle und vor allem ungewöhnliche Geschichte erlebt. Zuerst hatte man einen ziemlichen Aufwand getrieben: Die Stadtsynode investierte in eigene Wasservesorgung, Gärtnerei, Eingangs- und Nebengebäude sowie in zwei Trauerhallen. Eine davon, ein Holzbau, brannte infolge eines Kurzschlusses ab. Die daraufhin errichtete massive Hauptkapelle, ein neobarocker Putzbau mit Schieferdächern und Turm, ist gerade restauriert worden. Als Mitte der 20er Jahre aus verschiedenen Gründen die Beerdigungszahlen von ursprünglich gut tausend auf weniger als 200 Verstorbene sanken, wurde aus der ungenutzten Fläche ein parkähnliches Areal. Heute sieht sogar die offizielle Friedhofssatzung zwei verschiedene Bereiche vor: Der eine ist die unmittelbare Begräbnisfläche, der andere steht auch den Naherholungssuchenden zum Joggen, Radwandern, Liegen oder Reiten zur Verfügung. Seit 1991 ist der 59-jährige Joachim Vetters auf dem Ostfriedhof in Ahrensfelde Friedhofsverwalter und damit zuständig für das 145 Hektar große Gelände. 85 Prozent seines Arbeitsaufwandes bedeuten Geländepflege. 70 Baumarten und mehr als 20 Wacholdersorten zählt er auf. Und achtet mit strengen Augen darauf, dass die vielen Ausflügler, die sich hier erholen wollen, sich dafür nicht den falschen Teil des Friedhofs aussuchen. So kann er Sonnenanbeter, wie Gott sie schuf, zwischen den Gräbern nicht dulden. Oder Skiläufer und Reiter im Friedhofsbereich, die selbst bei Trauerfeiern mit dabei sein wollen. Als diese und andere Vorkommnisse Anfang der 90er über Hand nahmen, entschloss sich die Evangelische Gemeinde in Berlin-Brandenburg, das Gelände einzuzäunen. Carmen Krickau