Landesweit bekannt

Mit dem Porsche auf den Acker!

Mit dem Porsche auf dem Acker – das passiert einem richtigen Fahrer dieser Marke nur, wenn er ganz großes Pech hat. Außer in Ahrensfelde! Dort macht man sich einen Spaß daraus, den schönen Porsche über Feld, Wald und Wiesen zu „quälen.“
Allerdings ist dieser Porsche ziemlich schwach auf der Brust. Mit gerade mal 14 PS würde er keinen der Sportwagen-Fans begeistern. Dennoch handelt es sich mit dem in den 1960er Jahren gebauten Porsche um einen echten Vertreter der Edel-Automarke. „Damals haben die zusammen mit Allgaier Traktoren gebaut“, schmunzelt Manfred Gramkow. Der mittlerweile 63-jährige Landmaschinenschlosser machte seine Leidenschaft zum Beruf und sammelt Trekker wie andere Briefmarken. Ein ganzes Arsenal fahrtüchtiger Oldtimer steht mittlerweile auf dem Hof des Ahrensfelder Hobby Landwirts. Und in den diversen Schuppen des großflächigen Areals am Dorfeingang warten noch so viele „Rostlauben“ darauf, wieder echtes Leben eingehaucht zu bekommen. Bei verschiedenen Dorffesten und auf der landesweiten Landwirtschaftsausstellung „BraLa“ in Paaren/Glien ist die schwere Flotte aus Ahrensfelde nicht mehr wegzudenken und macht unterm liebevoll polierten Blech für den Ort stillschweigend Werbung.
Trekker-Fan Manfred Gramkow kam auf Umwegen zur Liebe zu den metallenen Arbeitstieren. „Am Anfang war eine EMW aus Eisenach“, erinnert er sich zurück.Da die Arbeit auf dem väterlichen Hof bei Grevesmühle in Mecklenburg beschwerlich war, kam Gramkow auf die Idee, dafür einen Trekker zu organisieren. „Zu kaufen gab es so etwas für privat in der DDR nicht“, begründet er, warum er damals die Schrottplätze im Norden unsicher machte. So fanden ein alter Deutz-Motor und ein ausgedientes Getriebe zu einem Traktor zusammen, der mit seinem Einzylinder-Motor immerhin zehn PS erzeugte.
„Leider konnte ich diese Maschine und einen weiteren Eigenbau nicht mitnehmen, als ich 1975 nach Ahrensfelde zog“, bedauert der Trekker-Fan noch heute, dass ausgerechnet die beiden „Gramkow“ in seiner Sammlung fehlen. „Damals war es schlicht unmöglich, das Transportproblem zu lösen!“
Also kam Manfred Gramkow mit Familie aber ohne Trekker an den Berliner Rand, um die dortige LPG mit seinen Fähigkeiten zu beglücken. Bis zur Wende hieß es mal hier, mal dort zu reparieren, doch mit dem Umschwung konnte Gramkow so richtig loslegen. In alten Scheunen, auf ehemaligen LPGs, auf Schrottplätzen, überall standen sie, die Prachtstücke.
Heute kann der Ahrensfelder fast die ganze Traktor-Geschichte, die mit dem Bulldog von 1928 ihren Anfang nahm, nachvollziehen. Ältestes Modell ist ein Traktor des Erfinders Robert Stock, den es ebenfalls von Mecklenburg nach Berlin verschlagen hatte. Der Gründer der DeTeWe betrieb in Marienfelde am Südrand von Berlin zusätzlich eine Maschinenfabrik und hatte sich in Mehrow verliebt, wo er ein Landgut kaufte. War es das ländliche Umfeld? Jedenfalls begann Stock plötzlich Traktoren zu bauen.
Eines der Prachtstücke, „ein Stock von 1936“ fand den Weg zurück in die Wahlheimat seines Erbauers und ist nun ein Prunkstück bei Manfred Gramkow. Weitere Sammelstücke dokumentieren die Traktoren-Entwicklung in der DDR. Leider kann Manfred Gramkow seine Sammlung nunmehr nicht mehr ausweiten, „dazu fehlt mir der Platz“. Jetzt hofft er darauf, dass sich vielleicht ein Museum für seine historischen Traktoren interessiert. Was schade wäre, denn schließlich sind die Ahrensfelder stolz auf ihre Trekker-Sammlung. Aber vielleicht führen die Enkel das Hobby weiter?
Infos Tel. 030/9309680