In Ahrensfelde eingeflogen–und nun?

Frühstücken in Grünen – ein Traum ist für die Bialeks wahrgeworden.
Faszinierend ist der Sonnenuntergang von Bialeks Terrasse.

Das Amt Ahrensfelde, direkt vor den Toren Berlins gelegen, wächst und wächst: Gute Infrastruktur, bezahlbare Grundstückspreise, die S-Bahn in vielen Amtsgemeinden vor der Nase.Da überlegt es sich gerade für junge Familien, den Schritt zum Eigenheim zu wagen. Doch wie sieht es dann später aus? Bereut man, dass man der Hauptstadt untreu geworden ist?Das wollte Reporterin Carmen Krickau wissen und stieß auf die Familie von Martina und Andreas Bialek, beides Angestellte in der Planungsabteilung der Berliner Wasserbetriebe. „Wegziehen aus Berlin? Für uns war das lange Zeit kein Thema. Wir wohnten am Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg. Dort hatten wir alles, was wir brauchten: Einkaufsmöglichkeiten, Schwimmhalle mit Sauna, S-Bahn, Straßenbahn und Bus in unmittelbarer Nähe. Die Schule für Sohn Marcus über die Straße, zum Joggen ging’s auf den Mont Klamott!“ Doch da war das Grundstück in Ahrensfelde, das Martina Bialek von ihrem Vater vererbt bekam. Und dann ging alles sehr schnell. Im März 1996 zogen die drei in ihre eigenen vier Wände. Und heute wollen sie nicht wieder weg. Am wenigstens Andreas Bialek. Denn auch in Ahrensfelde fahren Bus und Bahn vor der Haustür ab. Einkaufsmöglichkeiten gibt es genügend, beim Joggen durch den waldreichen Teil vermisst er nicht mal mehr den Mont Klamott. Und in die Sauna geht er gleich mit Badelatschen: einfach eine Treppe tiefer in den Keller. Wenn er weiter überlegt, stellt der 46jährige Merseburger zudem fest, „einen gemütlichen Party-Raum hatte die Wohnung in Berlin-Lichtenberg auch nicht!“ Den wiederum schätzen vor allem die Kumpels von Sohn Marcus, 19, der gerade seinen Zivildienst ableistet. „So viel Besuch wie jetzt in Ahrensfelde hatte ich in Berlin nie! Da wirkt sich die schnelle Verbindung mit der Regionalbahn aus.“ Dass die Bahn an der Strecke herumstreichen will, kann er überhaupt nicht verstehen. Denn obwohl er seit einem Jahr den Führerschein und ein Auto hat, nutzt Marcus den Zug sehr häufig. Martina Bialek, die „ihre Männer“ zum Leben auf dem Dorf überredet hat, fühlt sich pudelwohl. Einmal, weil das Haus an der Kirschenallee für sie ein Haus zum Leben ist. Mit viel Grün, viel los ringsum und trotzdem entspannender Ruhe. Jeden Tag wohlfühlen wie im Urlaub. Vor allem im Sommer, wenn sich das Familienleben am Wochenende fast ausschließlich auf der Terrasse abspielt. „Langweilig wird es nie. Die vielen Vereine und Feste im Dorf, das ist klasse. Und wenn das nicht ausreicht, dann ist es nur ein Katzensprung bis Berlin ins Kino oder so“. Martina, Andreas und Marcus Bialek, seit sechs Jahren Ahrensfelder und rundum glücklich – das klingt nach einem Leben wie aus dem Kitsch-Roman. Erst nach langem Grübeln fällt doch noch etwas Negatives ein: Die Behördengänge sind länger. Na wenn das das einzige Problem ist, dann sind die Bialeks echt zu beneiden.