Saat des Wissens verdrängte Blumen

Wo die Kohlköpfe in die Sonne strahlten, sollten schon bald ganz andere Köpfe rauchen: Blumbergs Schulhaus verdrängte 1900 Blumen und Gemüse.Denn es verdankt seine Existenz der Großzügigkeit von Graf von Arnim, der damals auf weitere Ernten verzichtete, damit die Saat des Wissens in den kleinen Blumberger ab 1900 dauerhaft aufgehen kann.Soviel Tradition will gepflegt werden und so hat man nun in der modernen Grundschule am alten Platz einen Raum für Erinnerungen an damals ausgeräumt. Das Schulmuseum kann deshalb meist nur während der Schulzeit besichtigt werden, steht aber der Öffentlichkeit zur Verfügung. Und dient den Schülern als Ansporn Geschichte und Geschichten auf die Spur zu kommen.„Ganz früher stand auf dem Platz die Dorfräucherei, das haben Schüler der fünften Klasse herausgefunden“, so Sigrid Giese. Die Vize-Chefin der Grundschule wird wegen ihres Engagements für das historische Zimmer im Ort gerne als „Museumsfee“ gehänselt. Jedenfalls kommt das Museum an. Etwa, wenn es um die Frage geht, wie sich so eine Schuluniform von anno dunnemal heute so tragen liesse. Brauner Leinenstoff mit kleinen weißen Punkten und einer sehr sparsam gehaltenen Spitze am Kragen, so trugen es einst unsere Urgroßmütter. Da wird nicht lange debattiert, schnell ist die Puppe gänzlich ohne. „Die ist ja nackt wie eine Frau“ stellt erstaunt ein Junge fest. Das Gelächter ist riesengroß. Die kleine Louis Elli Nawacki sieht dagegen toll aus, in ihrer historischen Schultracht, Nancy Gathow anschließend auch.Bei soviel Möglichkeit, mitzumachen, da macht das Lernen im Museum echt Spaß. Und genau das war der Grundgedanke von „Museumsfee“ Sigrid Giese.Wie war Schule damals? Frühere Schüler, die heute Senioren sind, standen Rede und Antwort. „Wir hatten ungeheueren Respekt vor den Lehrern“, erinnert sich Johanna Roolf vor den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Schulgeschichte. „Alle Mädchen machten einen Knicks, wenn sie einem Lehrer begegneten. Ging ich außerhalb der Schulzeit quer über den Schulhof, machte ich einen Knicks, auch wenn kein Lehrer zu sehen war. Er hätte ja hinter der Gardine stehen können.“ Dorothea Ladentin weiß noch: „ Das Schönschreiben wurde besonders geübt, weil man damals auch im Beruf noch viel mit der Hand schrieb. Aufmerksam und ganz in Ruh`hörte man dem Lehrer zu. Wer störte, das war bekannt, bekam mit dem Rohrstock was auf die Hand.“ Auch gute Ratschläge an die Eltern gab es einst. So stand in der Schulordnung: „Ohne dringende Gründe darf kein Kind die Schule und die Schulfeierlichkeiten verlassen.“ Und gar im Zeugnis-Heft ergeht an die Kinder die Mahnung: „Wer Menschen nachruft, Pferde scheucht, auf den Straßen und Plätzen mit Steinen wirft“ der wird bestraft. Doch Blumberger Schüler müssen wohl immer artig gewesen sein, denn nirgends steht etwas nachteiliges geschrieben. Nur die Brigitte Kopp muß es faustdick hinter den Ohren gehabt haben. Ihre Mutter hatte die Hausmeisterstelle inne und Klein-Brigitte schlich immer ins Lehrerzimmer und fand das Schnüffeln in den Klassenbüchern sehr interessant. Dem einstigen gräflichen Gemüsegarten fühlt man sich heute als ökologisch orientierte Schule immer noch verpflichtet. Heute werden in sechs Klassen 117 Schüler von sechs Lehrern betreut. Sie alle hoffen, den Schulstandort Blumberg erhalten zu können. Reinhard Witteck