Stand Februar 2012
Mit Familie rund um die Welt
Notfalls schafft er es spielend, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Mit seiner Kamera fängt er kleinste Details ein, die man später in imposanten Bildern auf der großen Leinwand „elefantengroß“ bewundern kann.
Thomas Mücke ist ein Multi-Talent. Der Bucher wollte Rennfahrer werden und war mit gerade 18 Jahren jüngster Lizenz-Rallyefahrer der DDR. Die Eltern  aber wollten ihn in einem „seriösen“ Beruf sehen, sein Vater war in der Führungsposition eines der größten DDR-Kombinate. So landete Thomas Mücke als stimmgewaltiger Opernsänger und Musical-Interpret am Theater, zum weiteren Entsetzen der Familie.    
Mücke mit den Muggen
Er war im Stadttheater Görlitz, hatte Engagements in Neustrelitz und im Musicalstudio Berlin. „Muggen“, also gut bezahlte Nebenbeschäftigungen, halfen, die Gage aufzubessern. Er war Synchronsprecher beim Fernsehen und übersetzte Filmrezensionen aus dem Ungarischen. In dieses Land hatte er sich als Jugendlicher verliebt. Er studierte deshalb an der Humboldt Universität Ungarisch und Geschichte und schloss mit Auszeichnung als Übersetzer ab. Heute ist dieses Land seine zweite Heimat, mit einem Häuschen am Velencer See unweit von Budapest, wo Tochter Léna zur Welt kam. „In Ungarn auf dem Dorf sieht vieles furchtbar wackelig und improvisiert aus, aber es funktioniert, oft besser als im normierten Deutschland“, ist sich Thomas Mücke mit Ehefrau Nina einig, die seit fast 30 Jahren immer mit dabei ist.
50 Mal um die Welt
Doch den durchsetzungsfreudigen und abenteuerlustigen Widder hält es niemals lange an einem Ort. Der Bucher ist deutschlandweit ein Begriff und füllt von Ost bis West, von Süd bis Nord Kurhäuser, Stadthallen und Theater. Und das mit einem Medium, das für viele als „überholt“ gilt. Denn das Ehepaar Mücke ist mit zentnerschweren Taschen mit Mittelformat-Dias unterwegs. Darauf präsentieren sie Impressionen ihrer Reisen, die sie große Teile von Europa und das angrenzende Asien kennen lernen ließen. Nach eigenen Angaben sind sie 50 mal um die Welt gereist. Sie haben zwei Millionen Kilometer ohne Blessuren oder Fahrzeugschaden zurück gelegt.
Gerade sind sie vom geheimnisumwitterten Baikalsee zurück gekommen. Sie kennen Sibirien, das Dongebiet, den Reiz der Wolga, und sie lieben die russische Seele: „Wir wurden dort immer herzlich aufgenommen, gerade als Deutsche. Selbst da, wo der Krieg am verheerendsten gewütet hat, im früheren Stalingrad und heutigen Wolgograd, haben uns die Menschen freudig empfangen“, so der Troubadour. Südeuropa fasziniert sie weniger. „Spanien war das einzige Land, wo man mich berauben wollte. Ein Motorrad-Dieb in Madrid versuchte, mir die Kameratasche zu entreißen, allerdings vergeblich!“  
Mit Wut bei Rollei
Der singende Globetrotter hat seine Fotokarriere mit einer Perfekta begonnen, einer Box, an der es kaum Einstellmöglichkeiten gab. Als Wandersmann in Ungarn hatte er seinen ersten Auftritt im Kulturhaus von Treptow. Seine Idee, die Diaschau mit passenden selbst vorgetragenen Liedern zu begleiten, schlug schnell ein. Die „Bunte Welle“, eine beliebte Vormittagssendung vom Ost-„Berliner Rundfunk“, griff das Thema auf. Bald war der flotte Fotofreund in der ganzen DDR gefragt. Das handliche Kleinbild tauschte er gegen das Mittelformat. „Ich stieg auf die Pentacon Six um. Von diesem Gerät hatte ich immer sechs Stück im Gepäck, um zumindest zwei in Funktion zu haben“, erinnert er sich. Mit der Wende war endlich der Zugriff auf „West-Technik“ frei. Eine Rollei sollte es sein. Als diese sich aber als ebenfalls fehlerbehaftet erwies, platzte dem Bucher der Kragen. Er trat mit viel Wut im Bauch im Hauptquartier des einst weltberühmten Kameraherstellers auf und hinterließ konsternierte Manager, die ihm  Spitzen-Technik versprachen.
Familie immer mit dabei
Durch die Bindung an das Weltunternehmer wurde Thomas Mücke zum Begriff für Fotofreunde in vielen Ländern. Wenn Mückes vom Eigenheim in Berlin-Buch mit dem Campingbus in ferne Länder starten, dann ist das meist ein Familienunternehmen: „Wir sind stets so gefahren, dass unsere beiden Töchter mit dabei sein konnten“, verblüfft Nina Mücke. Für Léna, 12, gilt das noch heute. Anna, 25, lebt mittlerweile größtenteils in der Schweiz, wo sie Medizin studiert. Zu viert oftmals über Wochen auf sich alleine gestellt, im Kampf mit festgefahrenem Wagen, unfreundlichen Raubtieren, Hitze und Kälte, das stellt Menschen auf eine Bewährungsprobe, wie sie der normale Alltag nicht erfordert. „Man lernt zusammen zu halten, wir sind uns niemals auf die Nerven gegangen, wenn wir unterwegs sind!“ Familie Mücke ist da wohl ein echter Ausnahmefall.
Wohin als nächstes?
Man mag es kaum glauben, in unserer Zeit der digitalen Technik und der unzähligen Fernseh-Sender, der riesigen Kinos mit der ausgeklügelten Tontechnik, sind Nina und Thomas Mücke mit ihren Dia-Schauen unvermindert gefragt. „Wir haben an die 270 Veranstaltungen im Jahr“, zeigt der prall-gefüllte Termin-Kalender. Auf jeder Schau werden etwa 600 Dias vorgeführt. Die Begleitmusik kommt vom Band, doch die Arien, Volkslieder, Chansons steuert Thomas Mücke live bei. Dennoch haben sie eine Sorge: „Wir haben so viele Länder bereist, dass sich immer mehr die Frage stellt, wo es als nächstes hingehen soll. Ich würde gerne mal Deutschland von der Küste bis zu den Alpen vorstellen, denn dieses Land ist so vielseitig und facettenreich wie kaum ein anderes. Allerdings befürchte ich, das ich damit keine Säle füllen kann, die Menschen wollen den Reiz des Exotischen.“  
Infos:
www.dia-ton-show.de
Tel. 0 30/9 41 68 45
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