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Nur wenige schaffen es, härtestes Gestein unter den Händen so „zerschmelzen“ zu lassen, dass daraus einzigartige filigrane Kunstwerke
entstehen.
Rudolf Kaltenbach ist „Feuer und Flamme“, wenn es um die härtesten unter den Steinen geht, die unsere Welt hervorbrachte. Er liebt es, vulkanische
Gneise, tonnenschwere Halbedelsteine oder Granit zu zerbrechlich wirkenden Kunstwerken werden zu lassen. Hammer und Meißel gehören dabei
ebenso wie Feuer und Flamme zu seinen „Werkzeugen“, wenn er sich  daran macht, Werke zu schaffen, die schon aufgrund der Stabilität des
Materials das Zeug haben, Generationen zu überdauern.
E-Werk als Kunsthalle
Seine Werke entstehen vielfach in Berlin-Buch, im ehemaligen E-Werk vom Heizkraftwerk. „Das hat mir der Leiter Andreas Heuer netterweise zur
Verfügung gestellt“, erklärt der 58-jährige Künstler. „Ich war zuerst im Künstlerhof, doch das ging dann nicht mehr. Vattenfall hat mir
ermögllicht, meine Arbeit in Berlin-Buch fortzusetzen“, resümiert der ungewöhnliche Künstler.
Aussterbende Kunst?
Rudolf Kaltenbach sieht sich selbst als Vertreter eines „aussterbenden Kunstzweigs“. Er macht darauf aufmerksam, dass Steinbildhauerei kaum
mehr an den Hochschulen gelehrt wird. „Von den wenigen, die das machen, konzentrieren sich etwa 90 Prozent auf weiches Material.
Tiefenplutonischer Hartstein wird von vielleicht gerade mal einem Prozent der Künstler verwendet. Schon Granit ist fünfmal härter als Marmor“,
gibt er einen Einblick, warum seine Arbeit besonders viel Geduld und Ausdauer erfordert. Umso erstaunlicher ist, was dabei unter der großen alten
Fabrikuhr in der riesigen Halle heraus kommt.
Filigrane Werke
Neben tonnenschweren Kunstwerken wie dem Brunnen „Große Öffnung“ im Eingangsbereich von Vattenfalls Bucher Kraftwerk oder den vielen
Arbeiten an unterschiedlichen Stellen von Berlin sind es die kleinen Werke, die ebenso verblüffend sind: So präsentiert Rudolf Kaltenbach ein
„Kreuz“ aus weißem Stein, das mit seinem Muster aussieht, als wäre es perforiert. Doch falsch, das Licht fällt ein, aber durch die geschlossene
Oberfläche der Rückseite! Werke von ihm finden sich vielfach im öffentlichen Raum. So hat er Findlinge, die beim U-Bahn-Bau in Pankow
aufgetaucht sind, als Kunstwerke an den Ursprungsort „zurückgeliefert“. Andere stehen in Hobrechtsfelde im Wald, denn der Hartstein, dem sich der
ungewöhnliche Künstler verschrieben hat, trotzt Wind und Wetter, sommerlicher Hitze und winterlichem Frost! Rudolf Kaltenbach produziert mit
seiner Kunst Effekte, ohne Effekthascherei zu betreiben. Für Berlin wurde er 1988 von Peter Stein entdeckt, der ihn als Theatermaler für die
Westberliner Schaubühne engagierte!
Vom Theater zum Stein
Der heute so bekannte Künstler startete seine Karriere mit einem Fachhochschulabschluss als Diplom-Designer. Er stammt aus Hochheim bei
Frankfurt, wo er es nicht weit zum Studienplatz in der hessischen Hauptstadt Wiesbaden hatte. Prägend für sein Leben war die Bekanntschaft mit
Arbeiten des japanischen Künstlers Yoshimi Hashimoto, auf den er in einer Porzellanausstellung aufmerksam wurde. Als Kaltenbach 1989 in Berlin
durch Zufall auf sein Idol stieß, nahm er die Gelegenheit wahr, sich für ein Studium der Steinbildhauerei zu bewerben. Vier Jahre lang konnte er sich
unter den Augen des Meisters an der damaligen HdK entwickeln. Offenbar sehr erfolgreich, denn noch während des Studiums wurde er zu mehreren
Symposien, unter anderem in Österreich, geladen oder war dort Jurymitglied.
Nur eigene Ideen
In Berlin-Buch „verliebte“ sich der ungewöhnliche Fan von einzigartigen Steinen,  „die uns die Erde in hunderten Millionen von Jahren hinterlassen
hat“ zur Jahrtausendwende. Er gründete 2001 mit der Kollegin Silvia Fohrer das Internationale Bildhauersymposium „Steine ohne Grenzen für
Frieden und Menschlichkeit“, das seitdem weltweit angesehene Künstler in den nördlichsten Ortsteil von Berlin zieht. Zudem nimmt sich der
Künstler gerne Zeit, um Jugendliche für seine Arbeit zu interessieren. So hat er mittlerweile in vielen Schulen von Berlin-Buch, darunter in der
„Grundschule am Sandhaus“, der „MarianneBuggenhagen-Schule“ oder in der Oberschule für seine Arbeit „geworben“. Wer bei ihm Kunst in
Auftrag gibt, hat dabei wenig Chancen, auf das Ergebnis Einfluss zu nehmen: „Ich setze immer das um, was mir vorschwebt und nicht die Ideen
anderer“, sagt er. Trotz des großen Renommees freut sich Rudolf Kaltenbach über Besucher, die in seinem neuen Domizil im früheren E-Werk von
Berlin-Buch dem Meister über die Schulter sehen möchten und sich in seiner Werkstatt und der Ausstellung von der Faszination am härtesten
Material der Welt anstecken lassen wollen.
Bunte Bilder
Während Rudolf Kaltenbach am Stein mit aller Akribie jedes Staubkorn exakt im Auge hat, lässt er in der Malerei der Natur und der Schwerkraft
freien Lauf. „Ich sehe zu, wie sich Farbperlen zu Bildern entwickeln. Es ist die Buntheit, die hier entsteht, die gerade im Gegensatz zum Stein eine
Faszination ausübt, die für mich eine Erweiterung darstellt“, erklärt er diese weitere Seite seiner Kreativität. Im Gegensatz zu den Steinarbeiten, wo
schon das Material, das teilweise aus Brasilien oder anderen Überseeregionen kommt, einen hohen Wert darstellt, ist hier die Gefahr eines
„Fehltritts“ geringer.
Infos:
rudolfkaltenbach.jimdo.com
Tel. 01 75/7 56 28 72
Stand Februar 2015
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Mit Feuer und Flamme am härtesten Stein
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