Europa blickt auf Buch

Förster sorgt für Schlagzeilen

Buch hat gute Chancen, europaweit in vielen Büchern zu stehen. Das ist dem unermüdlichen Engagement des örtlichen Revierförsters zu verdanken.
Denn Olaf Zeuschner hat sich zum Ziel gesetzt, die ehemaligen Rieselfelder zu einem Naturraum und Naherholungsgebiet zu entwickeln. Das klingt erstmal nicht besonders, die Idee ist außerdem relativ alt. Die DDR wollte damals zur 750-Jahr-Feier von Berlin bereits dort, wo über 80 Jahre lang Abwässer zusammenkamen, blühende Landschaften schaffen. Mit wenig Erfolg; „Der Boden ist so kontaminiert, dass nur wenige Pflanzen anwuchsen“, berichtet Revierförster Olaf Zeuschner. Der gebürtige Oldenburger bekam 1991 den Zuschlag fürs Bucher Revier und beschränkt sich seitdem nicht darauf, Hasen und Rehe zu zählen. „Die ehemaligen Rieselfelder erstrecken sich auf einer Fläche von 1000 Hektar. Das ist eine Fläche, in die das Berliner Olympia Stadion zehntausendmal hinein passen würde. Daraus erkennt man, dass ich vor einer immensen Aufgabe stehe!“
Normalerweise würde man den verseuchten Boden abtragen und als Sondermüll entsorgen. Daran ist bei dieser Fläche nicht zu denken. Was also ist die Alternative? „Wenn man das Gebiet aufforsten könnte, so käme es zu einer natürlichen Reinigung. Die Pflanzen nehmen die Schadstoffe auf, die Bäume können als Holz weiterverarbeitet werden, wir kämen mit der Zeit zu einer intakten Natur!“
Das Problem: Die wenigsten Bäume wollen unter diesen Bedingungen anwachsen. Also entwarf Zeuschner sein Konzept der Bodenverbesserung: „Wir tragen eine 30 Zentimeter dicke Schicht aus Lehmboden auf, die wir einarbeiten. Lehm ist alkalisch, dadurch wird der zu hohe Säuregehalt des vorhandenen Bodens relativiert!“ Erste Versuche ergaben: Zeuschners Idee funktioniert. Mittlerweile sind hundert Hektar zu neuem Leben erweckt. Doch wie es weitergeht, ist unter anderem eine Frage der Konjunktur in der Baubranche. Während viele über die immer neuen Baustellen stöhnen, freut sich Zeuschner über „jedes neue Loch, besonders im Bereich Marzahn-Hohenschönhausen“. Denn dort wird für neue Häuser der Lehmboden ausgebuddelt, den der Revierförster so dringend für seine Rieselfelder benötigt. Für ein Aufforstungsprogramm dieser Art gibt es, so Zeuschner, keine Vorbilder. Deshalb blicken Experten weltweit auf das Experiment in Buch. Und deshalb konnte Olaf Zeuschner die Zuständigen in der EU-Verwaltung dazu bringen, Fördermittel zu genehmigen. Mit dem Geld kann der findige Förster einen Trupp von 20 temporären Mitarbeitern beschäftigen. Vielleicht baut davon der eine oder andere ein Häuschen in Marzahn und trägt mit dem ausgebuddelten Lehm seinerseits wieder zur Fortführung des Projekts bei.

Olaf Zeuschner ist ständig auf der Suche nach neuem Lehm. Ob Golden Retriever Kevin dafür schon die richtige Spürnase entwickelt hat?

Kunst im Wald – auch diese Idee stammt von dem kreativen Waldmann.

Zur Person
Olaf Zeuschner ist 44 Jahre alt und fast nie in der grünen Förster-Tracht anzutreffen. „Ich hasse Uniformen“, begründet der gebürtige Oldenburger, dessen Vater ebenfalls Förster war. Über den Umweg Westberlin kam Zeuschner als Revierförster nach Buch und sah sich dort mit einer Aufgabe konfrontiert, für die es kein Beispiel gab. Schon bald wunderte sich mancher Wald-Spaziergänger über riesige Stein- oder Holzskulpturen inmitten der Natur – doch daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Die acht Mitarbeiter mussten sich ebenfalls umstellen: „Eigenverantwortliches Handeln“ wünschte der Neue. „Heute funktioniert das. Die Mitarbeiter sind froh, selbst entscheiden zu können und der Senat kann sich freuen, dass wir sehr effizient sind!“ Die Verwaltung zeigt sich dankbar: Bereits heute, im Jahr 2003, bekam die Revierförsterei Buch einen Computer zur Erledigung der Büroarbeit! Zeuschner lebt in seinem Forsthaus zusammen mit Lebensgefährtin Carola Kahlenberg, 39 und deren beiden 14- und 17-jährigen Kindern. Neben der Natur interessiert Buchs Förster die Filmkunst. „Den Film –Good Bye Lenin– haben wir uns bereits zweimal angesehen.“ Dass das knappe Dutzend Rehe in seinem Revier sich am liebsten dort aufhält, wo Menschen sind, besonders gerne am Pöllnitzweg, und sich damit der Kugel des Jägers entzieht, trägt er mit Fassung: Schließlich speist er selbst am liebsten Käse, Vollkornbrot und Buchholzer Apfelsaft, auch wenn er nichts gegen einen deftigen Wildschwein- oder Rehbraten hat.