In die Geschichte eintauchen

Promis tauchten, bis die Stasi einschritt

In Buch hat eine der traditionsreichsten Tauchgruppen Berlins ihren Sitz. Und das, obwohl der Ort gar keinen See hat. Noch etwas unterschied die Bucher Wasserfreunde ganz erheblich von den „Kollegen“: Sie waren Pioniere der Unterwasser-Fotografie, und sie konnten immer wieder hochrangige Prominente in ihren Reihen begrüßen.
„Tauchsport hatte in der DDR ja immer so einen halbmilitärischen Klang. So gehörten wir alle zur 'Gesellschaft für Sport und Technik’, die sich um den vormilitärischen Bereich kümmerte. Da wir aber nur Fotofans unter Wasser waren, nahmen die uns nicht sehr ernst. Deswegen verwiesen sie sämtliche Ausländer, die Freude am Unterwasser-Sport hatten, an uns“, berichtet Werner Liebig. Der 67-Jährige war von der Gründung der Gruppe 1957 bis ins Jahr 2000 Vorsitzender und stellt gerade die Chronik des heutigen Vereins zusammen. „Wir hatten ausländische Wissenschaftler und Ärzte aus dem Klinikbereich bei uns. In den sechziger Jahren war sogar der tschechische Botschafter mit uns tauchen. Das war ein toller Bursche. Der lud uns öfter in sein Jagdhaus ein, wo wir viel feierten. Das wurde aber irgendwann der Stasi zuviel, und die Verbindung wurde untersagt!“
Die Bucher waren sehr innovativ, wenn es um selbst entwickelte Tauchtechnik ging: Sie bauten mit viel Fingerspitzengefühl Gehäuse erst aus Metall, dann aus Kunststoff, in denen sie ihre Exa-Spiegelreflex-Kameras betrieben.
„Bei der Unterwasser-Fotografie gibt es das Problem, dass man relativ nah an die Objekte ran muss, weil die Lichtverhältnisse mit der Tiefe abnehmen und Schwebeteilchen die Aufnahme stören. Das Problem war aber, dass mit unserer Technik wegen der Nähe oft dann nur Detailaufnahmen möglich waren“, erinnert sich Liebig an ein lange Zeit ärgerliches Problem.
Die Lösung fand Mit-Gründungsmitglied Alfred Kupke: „Er baute ins Gehäuse eine gewölbte Glasscheibe ein.
Dadurch entstand ein Weitwinkel-Effekt, der uns später viele Preise gewinnen ließ.“
Anfangs ging es mit Motorrädern, später mit Vorkriegs-Autos und schließlich mit dem Trabant zu Gewässern der Umgebung, bevorzugt zum Liebnitzsee bei Wandlitz. Die begrenzte Transport-Kapazität führte oft zum „Familienkrach“. „Auf den Sozius-Sitz des Motorrads ging nur entweder die Freundin oder die Tauchausrüstung!“ Heute hat der Verein diese Probleme nicht mehr. Dafür hat sich die Ausrichtung geändert: „Fotografieren ist jetzt weniger gefragt“, berichtet der neue Vorsitzende Jörg Bergmann. Dafür begeistern sich jetzt zunehmend Jugendliche für den nassen Sport.

Infos Tel. 030/92408114

Der tschechische Botschafter (vorne am Beckenrand) brachte die Stasi in Aktion.

Die ersten Unterwasseraufnahmen entstanden im Hallenbad.

Viele Frauen,wie hier Heidi Liebig, sind vom Tauchen begeistert.