Geschichte persönlich erlebt

Der gute Geist vom Künstlerhof

Etwas Schmuck könnte den meisten Gebäuden in Berlin nicht schaden. Dieses Problem sah man bereits zu DDR-Zeiten. Von Buch aus sollte Berlin schöner werden.
Wie das genau von statten ging, das weiß kaum jemand besser als Rainer Schütte. Denn der 52-jährige gelernte Schlosser, der mit Metall-Plastiken viel Aufsehen erregte, war fast von Anfang an dabei. „Mich hatte die damalige Idee, für Kunst am Bau zu sorgen, sehr fasziniert“, erklärt er. Deshalb gab er 1986 seine Stelle als Techniker am weltberühmten Brecht-Theater „Berliner Ensemble“ auf und wechselte vom hektischen Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte in die Idylle im Dornröschenschlaf am Rande von Pankow. „Damals waren Fachleute gesucht, die verschiedene Ateliers einrichten sollten. Die Tischlerei und Schlosserei konnten realisiert werden, bei der Keramik-Werkstatt kam die Wende dazwischen.“
Schütte sorgte gern mit dafür, dass in die Werkstätten Leben einkehrte. Er war mit dabei, als das heruntergekommene Gutshaus saniert wurde: „Wir haben viele der alten Schlösser und Türbeschläge ausgebaut und in unserer Werkstatt wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt.“ So wurde die Eingangstür der Räucherkammer im Obergeschoss erhalten oder im Keller der Backofen. „Er wäre heute noch voll funktionsfähig, wenn der Architekt nicht den Kamin wegrationalisiert hätte“, so Schütte.
An sich hätte das „Büro für architekturbezogene Kunst“ nach der Wende richtig loslegen können. Denn der Bedarf, Gebäude und damit das Stadtbild zu verschönern, hatte sich mit dem Mauerfall ja in etwa verdoppelt. Eine ähnliche Institution wie in Buch, wo ein Stab erfahrener Architekten mit Landschaftsgärtnern, Handwerkern und Künstlern unter einem Dach zusammenwirkte, gab es in West-Berlin nicht. Doch leider verpasste die Politik die einzigartige Möglichkeit und löste das Büro schließlich auf.
„Die Liegenschaft wurde ab 1995 von der Akademie der Künste betreut. Sie erhielt dafür entsprechende Zuschüsse vom Senat.“ Die Ateliers wurden Künstlern zur Verfügung gestellt. Viele Veranstaltungen machten aus dem nunmehrigen „Künstlerhof“ einen kulturellen Mittelpunkt der Region.
Ganz umsonst war das nicht zu haben: Zwischen 200000 und 300000 Mark kostete der Künstlerhof an Zuschüssen jedes Jahr. Eine Summe, die das Land Berlin immer mehr kürzte, bis schließlich Ende 2002 das Aus kam. „In den 16 Jahren habe ich Prominenz aller Art bei uns ein- und ausgehen sehen: Darunter waren etwa Kurt Hager, der damalige Kulturminister Hoffmann, Berlins Bürgermeister, sämtliche Kultursenatoren, die Kulturstaatsekretäre des Bundes und Parlaments-Präsident Wolfgang Thierse. Sie alle waren begeistert.“ Nun sucht der Liegenschaftsfond einen Käufer. Rainer Schütte, der „jeden Stein im Haus kennt“, würde dem zukünftigen Besitzer gern mit seinem Wissen zur Seite stehen. Und daneben seiner alten Liebe, dem Erforschen der Historie in seiner „zweiten Heimat Berlin-Buch“ nachgehen. Übrigens war es seine erste Liebe, die den Pankower in Jugendjahren hierher verschlug: „Meine erste Freundin wohnte in Buch!“

Wer mit Rainer Schütte in den Keller des historischen Gutshauses geht, riskiert, auf die Schippe genommen zu werden. Dieser „Schieber“ ist nämlich Teil des historischen Backofens.

Das Schloss in Buch hatten die DDR-Oberen sprengen lassen. Übrig blieben das frühere Gutshaus und Wirtschaftsgebäude, die denkmalsgerecht saniert wurden.

„Handwerker“ Schütte überzeugt immer wieder mit Metall-Plastiken.

Auch Politik ist manchmal Kunst – Wolfgang Thierse war ebenfalls zu Besuch im Künstlerhof.