Künstler, Kinder, Patienten und Senioren sorgten für ungewöhnliches Kunstwerk

Kunst aus Buch für die Welt

Kunst aus Buch findet ein internationales Publikum. Vier Skulpturen, geschaffen von Schülern, Patienten der Kliniken und Senioren im Verbund mit örtlichen Künstlern machten über Wochen die Besucher der weltberühmten Berliner Philharmonie auf den Ortsteil von Pankow aufmerksam.
Zu verdanken hat Buch diese Aufwertung dem weltberühmten Chef der Philharmonie, Sir Simon Rattle. Der von London nach Berlin gewechselte Star-Dirigent initiierte in Buch ein ungewöhnliches Experiment.

Die Bucher sollten zusammen mit Musikern des bekannten Konzerthauses ein Gesamtkunstwerk zum Hören und Anfassen schaffen. Damit will Sir Rattle Menschen, die bisher nichts mit Kunst zu tun hatten, anregen, ihre kreativen Fähigkeiten zu entwickeln.
Im Mittelpunkt stand dabei das Thema „Vier Jahreszeiten“. Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter sollten als Skulpturen und in Tönen umgesetzt werden. Sozusagen als „Regisseure“ schickte Simon Rattle seine Mitarbeiter Richard McNicol und Denise Mellion nach Nordberlin. Beide hatte er speziell für Projekte dieser Art von London an die Spree geholt.
Die Bewohner von Buch ließen sich schnell begeistern. „Jung und alt, alle machten mit“, so die beiden „Education-Manager“.
Im Musikunterricht in den Schulen wurde komponiert und gespielt, in Kunsterziehung an den Skulpturen modelliert. Bei letzteren hatten die Bucher Künstler Alkesandra Koneva und Michael Friedrichs-Friedlaender entscheidenen Einfluss. „Dabei haben neben den Kindern und Jugendlichen Patienten der Krankenhäuser und Bewohner der beiden Seniorenheime mitgewirkt“, berichtet Denise Mellion als Projektmanagerin. Als Ergebnis gab es zwei Konzerte im Max Delbrück Communcations Center. Die waren so schnell ausverkauft, dass spontan noch ein zusätzliches Konzert in der Schlosskirche angesetzt wurde.
Ebenfalls auf ein Riesen-Interesse stieß eine Woche später das Parallel-Konzert im Foyer der Philharmonie.
Mit dabei waren die Damen vom Bucher Frauenchor Frohes Singen. Obwohl im erfahrenen Alter von 55 bis 92 Jahren, war ihnen das Lampenfieber durchaus anzumerken.
Mit diesem Projekt, das „Musik und Kunst spürbar und erlebbar macht“, wird Buch noch lange im Gespräch sein. Denn das „Education-Team“ der Philharmonie hat darüber ein Video und andere Dokumentationen erstellt – denn so etwas gab es bisher in der Musikwelt noch nicht.

Zur Person
Glücklich in Berlin
Richard McNicol arbeitet seit zehn Jahren mit Sir Simon Rattle zusammen und war sofort begeistert von dessen Idee, Musik über den Konzertsaal hinaus zu tragen. Mc Nicol hat in Oxford Musik studiert, war Musiklehrer und landete schließlich als Flötist bei den Londoner Philharmonikern. Die Anregung des Stardirigenten führte dazu, dass der 54-jährige Vater dreier erwachsener Kinder unter dem Stichwort „Education“ neue Wege erarbeitete, wie die Musik aus dem Konzerthaus kommt. In der aus London stammenden Kulturmanagerin Denise Mellion, 39, fand er eine engagierte Mitstreiterin. Nachdem Rattle nach Berlin wechselte, nahm er seine englischen Education-Spezialisten mit. Dadurch kam der Berliner Ortsteil Buch in den exklusiven Genuss des beschriebenen Projekts. Während McNicol ständig zwischen Berlin und London pendelt, ist Denise Mellion überglücklich, sich in Steglitz niedergelassen zu haben: „Hier kann meine dreijährige Tochter sicherer aufwachsen, als in London.“ Wird die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Philharmonie und Buch in diesem Jahr weitergeführt? „Dazu brauchen wir noch das o.k. unseres Vorstands, aber wir gehen davon aus“, sind sich beide einig.