Stand Oktober 2011
Neuer Stadt-Wehrführer
Wie fühlt man sich, wenn man dafür verantwortlich ist, dass an die 40 000 Menschen in Sicherheit leben können und im Schadensfall auf schnelle Hilfe
vertrauen wollen?
Diese schwere Verantwortung lastet seit Mai 2011 auf dem 45-jährigen Bernauer Jörg Erdmann. Als Stadt-Wehrführer ist er für schnelle und erfolgreiche Hilfe bei Brand und Hochwasser, Sturm und Unfällen verantwortlich und muss selbst in ungewöhnlichen Katastrophenfällen schnell die richtigen Entscheidungen treffen. Zur Seite stehen ihm als Stellvertreter Martin Günther und Robert Berger.
Seit der Jugend an der Spritze
Das „Hauptquartier“ befindet sich am Rande der Altstadt, auf dem Areal Angergang 1. Hier finden wir ihn in einem picobello aufgeräumten zweistöckigen Gebäude, das von außen und innen ziemlich modern wirkt: „An sich handelt es sich um einen mittlerweile 20 Jahre alten Nachwende-Bau. Wir kamen aber kürzlich in den Genuss einer umfangreichen Modernisierung“, freut sich Bernaus neuer Wehrführer.
Jörg Erdmann ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele. „Ich kann dieses Jahr auf mein 30. Jubiläum bei der Feuerwehr zurückblicken“, erstaunt der 45-Jährige. „Ich war seit meiner Jugend im Brandschutz tätig.“ Die Leidenschaft lebt in der Familie weiter, die 23-jährige Tochter Susan Sachse ist ebenfalls im Löschdienst.
Süße Verlockungen
Bevor Erdmann sich heißen Aufgaben widmete, hatten es ihm erst mal süße Genüsse angetan. „Ursprünglich habe ich Konditor gelernt“, blickt er
zurück. Doch lange hielt ihn die heiße Backstube nicht, zu sehr war er von technischen Dingen fasziniert. So kommt es, dass er nun seit fast 20 Jahren als einer der Gerätewarte dafür zuständig ist, dass die Bernauer Feuerwehr im Notfall mit perfekt gewarteter und funktionierender Technik ausrücken kann. Dabei geht es um insgesamt 17 Fahrzeuge an mehreren Standorten. Denn der heutige Stadt-Wehrführer ist für gleich fünf Löschzüge verantwortlich. Neben den Fahrzeugen in der Halle in Bernau selbst muss er sich zusätzlich um die Feuerwehren von Ladeburg, Schönow, Birkholz und Lobetal kümmern.

Neues Echolot
In Ladeburg ist man als Besonderheit zusätzlich auf Wasserrettung vorbereitet, etwa wenn es darum geht, im über 47 Meter tiefen unübersichtlichen Werbellinsee nach einem vermissten Segler zu suchen. „Dazu haben wir seit diesem Jahr als einzige Wehr im Umkreis ein hochmodernes Echolot im Einsatz“, berichtet Löschzug-Führer Jens Thaute. Dennoch war die Suche nach einem 52-jährigen Berliner, der seit April 2011 vermisst wird, erfolglos.
Frauen in der Minderheit
Stadt-Wehrführer Jörg Erdmann hat die Aufsicht über knapp 300 Mitglieder. Darunter sind 58 Frauen sowie 54 Kinder und Jugendliche.
152 Aktive sind für Einsätzen ausgebildet.  Die meisten sind zwischen 25 Jahren und 30 Jahre alt. Damit hat Bernau eine vergleichsweise junge Freiwillige Feuerwehr.
Dennoch schwingt bei jedem Alarm das große Bangen mit, denn ungewiss ist, wer von den per Piepser alarmierten Helfer wirklich kommt, wenn „es brennt“.
Arbeitsbedingt sind an Werktagen immer weniger Retter schnell verfügbar. „Mittlerweile sind es kaum mehr 20 Prozent unserer Aktiven, die in der Stadt und der näheren Umgebung ihren Arbeitsplatz haben. Die meisten sind in Berlin tätig und damit oft zu weit entfernt, um rechtzeitig für einen Einsatz vor Ort zu sein. Manchmal wird es schon richtig eng, zudem wir für Teile der Autobahnen A10 und A11 mit verantwortlich sind.“
Mehrere Einsätze am Tag
Dabei sind die freiwilligen Helfer oft sogar mehrmals am Tag gefragt: „Pro Jahr haben wir zwischen 350 bis 400
Einsätze. Brandbekämpfung macht mittlerweile nur noch etwa ein Drittel aus. Die meisten Anforderungen betreffen Einsätze bei Unfällen und immer öfter bei schweren Klimaereignissen wie nach Stürmen oder starkem Regen“, schildert Bernaus neuer Wehrführer die Veränderung, die die Feuerwehr gerade mitmacht.

Kinder an die Spritze?
Die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr liegt in Bernau ganz maßgeblich in den Händen von Stadt-Jugendwart Marcel Haupt. Ihm untersteht die wichtige Nachwuchsgewinnung. Dafür gibt es die Jugendfeuerwehr und ziemlich neu, die „Kids“-Truppe, die bereits Kinder ab sechs Jahre aufnimmt. Melanie
Krüger steht als ausgebildete Pädagogin zur Seite, um zu gewährleisten, dass die Kleinen spielerisch an die ernste Aufgabe herangeführt werden. „Der frühe Einstieg im Kindheitsalter wurde nötig, weil wir bei der immer geringeren Freizeit, die Jugendliche heute haben, in starker Konkurrenz zu Fußball und anderen Aktivitäten stehen. Bisher war es oft so, dass die Kinder sich längst anderswo festgelegt hatten, bevor sie das Alter für die Jugendfeuerwehr erreicht hätten und wir dann leer ausgingen“, schildert Marcel Haupt, warum es heute so wichtig ist, schon die Kleinsten für den Dienst am Nächsten zu gewinnen.

Historiker feiern Geburtstag
Selbst wenn die Feuerwehr weit weniger feiert, als ihr oft nachgesagt wird, wissen die Brandschützer aus der geschichtsbewussten Stadt, wie wichtig Historie und Geselligkeit sind.
So kann die Historikergruppe mittlerweile das 20. Jubiläum feiern. Ihr Fundus geht von liebevoll gepflegten alten Löschgeräten bis zu Feuerwehr-Oldtimer-Fahrzeugen.
Der Musikzug um Wilfried Wege sorgt ebenfalls dafür, dass die Bernauer Brandschützer bei vielen Feiern in aller Munde sind. Allerdings, für deren „Technik“ ist Haupt-Gerätewart und Stadt-Wehrführer Jörg Erdmann ausnahmsweise mal nicht zuständig, doch falsche Töne hat sich die Musiktruppe bisher noch nie öffentlich geleistet.
Info:
www.feuerwehr-bernau.de
Tel. 0 33 38/89 08
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