DaniloHandstandGerardViade.tif
hand.tif
hand0437.tif

Wer schon mal einen Handstand
versucht hat, der weiß, dass dies erstens
selten gelingt, zweitens wenn überhaupt
nur wenige Sekunden und man drittens
dabei meistens etwas komisch
aussieht. Ein Bernauer hat
diese Übung zu einer Kunst
gemacht, mit der er europaweit für
Aufsehen sorgt.

Davon zeugen Preise von einschlägigen
Festivals. So wurde Danilo Marder in
Basel geehrt und beim „Internationalen
Zirkusfestival“ in Latina bei Rom
ausgezeichnet. Er war zum weltweit
größten Nachwuchsfestival „Cirque de
Demain“ nach Paris geladen und hat 2014
viel Beifall bei der „Artistika“ in der
Schweiz bekommen.

Tigerenten und Superhirn

„Ich bin in vielen Ländern Europas gefragt.
Ich habe Auftritte in Italien und Frankreich
ebenso wie in Olen und Schweden“,
berichtet der 24-Jährige. Dass Danilo
Marder auf dem Weg zum Star ist, zeigt
seine Präsenz in immer mehr
Fernsehsendungen. So begeisterte er die
Kleinen im „Tigerentenklub“, war in der
„Aktuellen Schaubühne“ vom NDR zu
sehen, hatte Auftritte im WDR und SWR.
Sogar das ZDF hatte sich den Bernauer
eingeladen. Jörg Pilawa bat ihn in seine
Show „Deutschlands Superhirn“. Dabei
sollte er mit verbundenen Augen im
Wechsel von Handstand und normaler
Gehweise einen Hindernisparcours
überwinden. Als Erschwernis sollte er eine
genau festgelegte Strecke verfolgen, die
per Zufallsgenerator ausgesucht wurde und
die er sich nur eine Minute lang einprägen
konnte. „Ich habe es geschafft“, freut er
sich.

Vom Handwerk verschmäht

Dabei mag ein wenig mitschwingen, dass
die Lehrer wenig Verständnis für die
frühe Sportbegeisterung des Jungen
zeigten: „Ich hatte zuletzt so schlechte
Noten, dass es nicht mal zur Lehre als
Automechaniker reichte!“ Weil ihn das
Handwerk nicht wollte, schlug ihm die
entnervte Mutter vor, sich an der
„Staatlichen Artistenschule“ in Berlin zu
bewerben: „Ich wurde zur
Aufnahmeprüfung geladen und sofort
genommen“, erinnert er sich. Da hieß es
neben der Praxis ebenfalls Mathe, Deutsch,
Geschichte und andere Fächer pauken.
Doch diesmal war Danilo Marder bereit,
sich durchs bisher ungeliebte Schulwissen
durchzubeißen.

Aus zehn Metern ins kühle Nass

Dabei ist die Handstand-Artistik sein
zweiter sportlicher Anlauf. Denn Danilo
Marder entstammt einer Familie, die für
Turmspringen bekannt ist. Seine Tante
Jana Wilke gehörte in dieser Disziplin zur
Weltklasse und trainiert heute im
Olympiastützpunkt Leipzig
erfolgversprechende Nachwuchstalente.
Davon ließ sich Danilo anstecken.
Bereits im zarten Alter von vier Jahren
lernte er schwimmen, mit sechs Jahren
begann er mit Wasserspringen. Deshalb
wuchsen für den kleinen Jungen nicht die
sprichwörtlichen Bäume in die Höhe
sondern die Sprungtürme: „Wenn man
zehn Meter springen soll, erfordert das
schon eine Menge Überwindung“, kann er
sich noch gut an die natürliche Angst
erinnern. „Meine Trainerin sah das
Problem und schlug mir deshalb
Sportakrobatik vor. Da kannte sie eine
Kollegin, die mich betreuen konnte.“

Dreifacher Deutscher Meister

Hier gibt es drei Disziplinen: Balance,
Tempo und die Kombination aus beiden.
„Ich fand es als Neunjähriger viel
attraktiver, menschliche Pyramiden zu
bauen, als aus zehn Meter Höhe ins Wasser
zu springen.“ Dass die Trainerin mit ihrer
Einschätzung richtig lag, zeigte sich schon
bald: 2004 wurde er zusammen mit seinem
Partner dreifacher Deutscher Meister!
Offenbar hat sich dieser gute Ruf in der
Fachwelt herum gesprochen: Denn
sofort mit  Abschluss der zweijährigen
Ausbildung wurde „Danilo Handstand“,
wie er sich selbst nennt, laufend engagiert.
Er hat sich mit einem Kollegen eine eigene
Nummer ausgedacht, die exakt sechs
Minuten dauert und sich um zwei Stangen
dreht. An ihnen zeigt der Bernauer in über
zwei Meter Höhe, wie Kraft und
Gelenkigkeit atemberaubend und elegant
zusammenwirken können. „Für das
Publikum muss es spannend sein, aber
ganz leicht aussehen. Ich möchte in den
sechs Minuten alles zeigen, was ich kann!“

Handstand mit leckerem Essen

Für diese sechs Minuten nimmt Danilo
Marder täglich zwei Stunden Training auf
sich. Sein Glück ist, dass er keinen
Diätplan einhalten muss. „Mein Körper ist
gewohnt, Kalorien schnell zu verbrennen.
Ich habe so einen Bärenhunger, dass ich
dafür bei meinen Freunden schon
berüchtigt bin“, verblüfft er. Dabei schätzt
er Deftiges, nennt viel Fleisch und
Süßigkeiten und bekennt sich als Schnitzel-
Fan. Dafür würde mancher dann doch
einen Handstand wagen, selbst wenn die
Chance sehr  gering ist, dabei so toll
auszusehen wie „Danilo Handstand“.

Infos:
www.danilo-handstand.de
Tel. 01 79/8 09 05 64

Artist mit Angst vor kaltem Wasser

Stand Oktober 2014

dii.gif
hs0443.tif