Bernau schreibt deutschlandweit
Geschichte, dank der Bürgermeisterwahl
vom Herbst 2014. Denn nun hat die Stadt,
was einmalig in der Bundesrepublik ist,
einen doppelten Bürgermeister!

Im Gegensatz zum bekannten „Doppelten
Lottchen“ geht es hier um eine einzige
Person, die allerdings an der Spitze von
gleich zwei Kommunen steht! Denn
Bernaus neues Stadtoberhaupt „regiert“
zusätzlich die kleine Nachbarstadt
Biesenthal. Und außerdem ist André Stahl
dabei, noch eine schwere Trennung
vorzunehmen!

Scheidung im Hause Stahl

Im Hause von André Stahl stehen die
Signale gerade auf Scheidung! Allerdings
will sich der 43-jährige bisherige Rechts
anwalt keineswegs von seiner Ehefrau und
den drei Kindern trennen. Dennoch gibt es
nun einen Scheidungsprozess, der weit ins
Private hinein reicht. Geht es doch um sein
„Haupt-Hobby“, nämlich ehrenamtlich die
Geschicke von Biesenthal zu lenken! Dies
tat er seit 2006, offenbar durchaus
erfolgreich, wie die Wiederwahl bei den
Bürgermeisterwahlen 2008 zeigte. Damals
erhielt er über 80 Prozent der Stimmen!
Zudem heißt es sich jetzt von einer
„Lebensabschnittsgefährtin“ zu trennen, der
eigenen Rechtsanwaltskanzlei, die André
Stahl für sich aufgebaut und im Herzen
seiner Geburtsstadt Bernau erfolgreich
betrieben hat.                                

Doppelter Bürgermeister

Wenn er sich dann ab 2015 voll auf das
neue Amt im Rathaus Bernau konzentriert,
kann er somit bereits sehr wichtige
Bürgermeister-Erfahrungen einbringen, was
sicher ein Glücksfall für die aufstrebende
Stadt mit dem mittelalterlichen Kern ist.
Zwar hat Biesenthal nur 5 000 Einwohner
und  damit gerade mal 14 Prozent so viele
Bürger wie Bernau, doch die
Funktionsweise einer Verwaltung ist ja,
zumindest brandenburgweit, vergleichbar.
Manches Problem das in Bernau nun auf ihn
wartet, dürfte er  vorher schon mal im
kleineren Rahmen gelöst haben.

Die Wirtschaft im Blick

Und André Stahl kann auf das Wissen als
selbstständiger Anwalt zurückgreifen. Er
weiß aus eigener Erfahrung, dass das Geld
für Selbstständige und Gewerbetreibende
nicht vom Himmel fällt und keineswegs wie
bei Gehaltsempfängern am Ende des Monats
sicher auf dem Konto ist. Es muss nun mal
jeder Cent hart erarbeitet werden. Da neben
dieser eigenen Erfahrung die rechtsanwalt
liche Betreuung von Firmen zu den
Schwerpunkten der Kanzlei zählte, hat der
Linken-Politiker viel Sinn für die
Wirtschaft. Das wird zu einem frischen
Wind führen.

Einmalige Vorteile

„Bernau hat Vorteile, die in der Region
ihresgleichen suchen. Die Stadt ist über
gleich zwei Autobahnen zu erreichen. Man
ist mit dem Auto oder mit der S-Bahn
schnell in Berlin oder kann von hier aus die
Region erkunden. In Bernau selbst kann
man vieles fußläufig oder mit dem Fahrrad
erledigen. Diese einzigartigen
Standortvorteile müssen wir intensiv nach
außen tragen, denn kaum einer, der nicht
schon in Bernau wohnt, weiß davon“, nennt
André Stahl eine Zielsetzung. In diesem
Zuge möchte er die bisherige Ausrichtung
auf den Gesundheitsbereich stark erweitern:
„Die besten Arbeitsplätze sind doch die in
Wohnortnähe. Fahrtkosten sind heute sehr
hoch, egal ob mit Auto oder Bahn. Wir
haben viele Flächen, auf denen sich
produzierendes Gewerbe ansiedeln könnte.
Deshalb wird die Wirtschaftsförderung bei
mir eine ganz große Rolle spielen“, kündigt
er an. Da trifft es sich gut, dass Bernau
zudem genügend Flächen hat, wo sich
Neuzuzügler niederlassen könnten.
Insbesondere in den Ortsteilen gibt es noch
viel Möglichkeiten, den Traum vom
Wohnen im Grünen bezahlbar zu
verwirklichen.

700 Mitarbeiter im Blick

André Stahl möchte die Erfahrungen aus
dem Wirtschaftsleben zudem auf die
Verwaltung übertragen: „Eine Stadt wie
Bernau ist durchaus mit einem Unternehmen
vergleichbar. Wenn man die
hundertprozentigen Tochtergesellschaften
einbezieht, geht es hier um über 700
Mitarbeiter. Allein 315 davon sind in der
Stadtverwaltung tätig!“ Dabei sieht André
Stahl durchaus, dass es wie bei
Unternehmen gilt, mit effizienten Strukturen
das anvertraute Geld, in diesem Falle  der
Bürger, optimal einzusetzen. „Ich werde
alles durchleuchten und zum Jahresbeginn
2015 meine Vorstellungen von einer
modernen Verwaltung zur Diskussion
stellen“, kündigt er an. Dabei nennt er schon
jetzt Vorgaben: „Mir ist ein angenehmes
Arbeitsklima wichtig. Zudem wird es darum
gehen, dass die Beschäftigten klare
Verantwortungen und teilweise mehr
Entscheidungsfreiraum bekommen.“

Neues Rathaus?

Das neue Stadtoberhaupt sieht natürlich
ebenfalls, dass die Verteilung der
Verwaltung auf insgesamt sieben Gebäude
zwar rekordverdächtig, aber alles andere als
praktisch ist. Deshalb hält er die
angeschobene Idee, ein zentrales Rathaus zu
bauen, für prinzipiell richtig. Es soll schräg
gegenüber von historischen Rathaus in der
Bürgermeisterstraße, Ecke Grünstraße
entstehen. Mittlerweile gab es dafür
einen Architektenwettbewerb. Die Jury
entschied sich für einen Beton-Glas-
Baukörper, der sich an die Plattenbauten aus
den 1970-er Jahren anlehnt und nicht  das
historische Bernau von der
gegenüberliegenden Straßenseite aufnimmt.
Das wird mit Sicherheit Diskussionen
aufwerfen. „Ich werde den Bernauern kein
Rathausgebäude aufzwingen. Es muss
zudem nicht unbedingt der Entwurf
realisiert werden, der den Wettbewerb
gewonnen hat“, schildert André Stahl seinen
Standpunkt.

Bürger sind gefragt

Bei einem so zukunftsweisenden und
stadtbildprägenden Gebäude ist ihm die
öffentliche Diskussion ganz besonders
wichtig: „Die Verwaltung muss hier
offensiv informieren, damit die Bürger
wissen, dass es um zweierlei geht: Einerseits
um ein zentrales Rathaus an sich und
andererseits um den Siegerentwurf. So
könnte es durchaus sein, dass man das
Projekt zwar möchte, aber eine andere Optik
wünscht. Ich kann mir durchaus vorstellen,
dass wir dazu eine Bürgerbefragung
durchführen“, beschreibt André Stahl, dass
er nicht daran denkt, Stahlbeton stahlhart zu
erzwingen. Stattdessen hat er sich
Transparenz bei maßgeblichen städtischen
Entscheidung zum Programm
gemacht. „Wir müssen das Vertrauen der
Bürger wieder zurück gewinnen!“

Doppelter Bürgermeister will einfache Lösungen

Stand Oktober 2014

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Wasserstreit im Auge

Schließlich war sein Vorgänger, der CDU-
Politiker Hubert Handke, genau über dieses
Problem nach elf Jahren im Amt gestolpert.
Auslöser für seine Abwahl war der Streit um
die Altanschließer-Gebühren. Dabei geht es
darum, dass diejenigen, die bereits in der
DDR-Ära kostenpflichtig ans öffentliche
Wasser- und Abwassernetz angeschlossen
wurden, nun durch die nach der Wende
gegründeten Verbände erneut zur Kasse
gebeten werden sollen. „Zu dieser Frage ist
ein Bürgerbegehren initiiert worden. Dabei
geht es darum, dass das Gebührenmodell
zum Zuge kommt. Demnach gibt es gar
keine Anliegerbeiträge, sondern die Kosten
werden auf alle durch Gebühren umgelegt.
Allerdings bedeutet dies, dass  alle in den
letzten 20 Jahren erhobenen Zahlungen der
Anlieger zurück zu erstatten wären, was
einen Umfang von 29 Millionen Euro
ausmacht. Das würde zu einer
entsprechenden Kreditlast führen, was die
Kommunalaufsicht eventuell nicht
akzeptieren würde. Persönlich bin ich ein
Verfechter des Abschmelzungsmodells, bei
dem die Zahlungen in der DDR angerechnet
werden. Auf die Altanschließer
kämen deshalb nur noch an die zehn Prozent
der Kosten für Neuanschließer zu“, gibt das
neue Stadtoberhaupt Einblick, wie es eine
Problematik lösen will, die im ganzen Land
Brandenburg seit Jahren hohe Wellen
schlägt. Wenn André Stahl dies zur
allgemeinen Zufriedenheit, dann kann der
geschichtsträchtige zeitweilige
Doppelbürgermeister bald auf ein
Kunststück verweisen, das zumindest
landesweit mustergültig wäre! Damit hätte
er dann ein weiteres Mal Geschichte
geschrieben!

Bürgermeister André Stahl hat vom Rathaus aus
den geplanten Neubau voll im Blick.