Es riecht nach Revolution im Fußball.
Von einem Tag auf den anderen
waren die Männer, das Aushängeschild
eines fast jeden Fußballvereins,
ausgebootet. Nunmehr haben in
Ladeburg die Frauen das Sagen.

Mit dieser ungewöhnlichen Wandlung
machte der „SV Blau-Weiß Ladeburg“
bundesweit Schlagzeilen. Dabei waren es
gar nicht mal die Frauen selbst, die diese
Revolution auf dem grünen Rasen in Gang
setzten. Der Impuls ging vom ausschließlich
aus Männern zusammengesetzten Vorstand
um Udo Rübe aus.

Männer adé

Der 47-jährige selbstständige
Bauhandwerker hat seit dem sechsten
Lebensjahr gespielt, war sogar im
Spitzenverein „1. FC Union Berlin“. Er
weiß immer noch, wie man den Ball ins Tor
befördert: „Mit unserer Alte Herren-
Mannschaft wurden wir Kreismeister“,
strahlt er. Dabei sind die Alte Herren das
letzte Überbleibsel aus traditionsreichen
über 60 Jahren, als die Ladeburger noch ein
„ganz normaler“ Fußballverein
waren. Doch seit gut einem Jahr ist das
anders. „Wir waren in Bernau einer der
ersten Vereine, der sich intensiv um
Frauenfußball kümmerte. Schließlich hatten
wir die Situation, dass uns die Männer von
anderen Vereinen abgeworben wurden und
dafür immer mehr Mädchen und Frauen zu
uns drängten. Deshalb entschlossen wir uns
zu dem radikalen Schnitt und wurden
Frauenfußballverein“, berichtet Rübe, der
zusammen mit Trainer Nick Burkert die
momentan 23 Spielerinnen fit für den
Wettkampf macht.

Landesweit groß am Ball

„Wir spielen auf Großfeld wie die Männer
und haben gleich im ersten Jahr einen guten
Mittelfeldplatz in der Landesliga erreichen
können“, weist der 42-Jährige auf
beachtliche Erfolge hin. Damit sind die
„Ladeburger Ladys“ ebenfalls
ungewöhnlich, denn die meisten Vereine
reservieren für ihre hübschen Spielerinnen
das Kleinfeld, frei nach dem Motto, wenn
man weniger rennen muss, bleibt die Puste
besser erhalten und der Weg zum Tor ist
nicht so weit. Dafür gibt es eine eigene
Liga. Die Entscheidung, Fußball wie die
Männer zu spielen, hat zur Folge, dass als
Konkurrenten nur wenige Vereine zur Ver
fügung stehen. „Deshalb
kommen wir in ganz Brandenburg herum“,
so Jacqueline Christin Burkert.

Talent von der Sportschule

Die 26-jährige Physiotherapeutin gehört zu
den ersten Spielerinnen des Vereins. Sie hat
sich von Bruder Nick Burkert, der nun als
Trainer ihr „Vorgesetzter“ ist, anstecken
lassen. In der Mannschaft schlummern
manche Talente. Dazu gehört mit Sicherheit
die 23-jährige Marina Lange, die bereits als
Jungtalent des Frauenfußballs auf der
Sportschule war, sich dann aber für eine
berufliche Laufbahn als Bankkauffrau
entschied. Manuela Gropp kam vom
Basketball zum Fußball. Die 34-jährige
alleinstehende Hausmeisterin und Platz
wartin bei der Stadt Bernau sieht den Sport
wie viele andere Teamkolleginnen als
Ausgleich zum Beruf.

Schwangere Fußballerinnen

Größtes Problem für
Frauenfußballverantwortliche ist meist die
hohe Fluktuation. Dass es Wechsel aufgrund
von Studium und Beruf gibt, ist bei den
männlichen Kollegen ebenfalls der Fall.
Doch bei weiblichen Spielern spielt die
Familie meist noch mehr hinein. „Wir
Männer werden nun mal nicht schwanger.
Bei den Frauen führt das aber oft zu einem
Ausfall von gleich mal zwei Jahren“, hat
Udo Rübe lernen müssen. Damit hat er von
seinen „Blauweißen Girls“ gerade mal 17
im Blick, die tatsächlich einsetzbar sind.
Dennoch macht sich Rübe keine Sorgen,
spielfähig zu bleiben. „Wir haben in fast
allen Altersgruppen außer bei den ganz
kleinen der G-Jugend eigene
Nachwuchsmannschaften, so dass Zug um
Zug daraus Verstärkung für unsere
Vorzeigemannschaft erwächst.“ Trotz des
radikalen Wandels hat der Verein über 100
Mitglieder von denen 80 als Spieler aktiv
sind.

Frauen spielen die Hauptrolle

Für eine Großfeld-Frauenmannschaft
hängen die Trauben weit weniger hoch als
für die vielen Kolleginnen, die Kleinfeld
spielen. Da die Anzahl der Teams auf dem
Rasen bundesweit überschaubar ist, gibt es
weniger Ligen. Damit wäre sogar die
Bundesliga nicht völlig unerreichbar. Das
machen die Kolleginnen aus dem viel
kleineren Oberhavel-Städtchen Hohen
Neuendorf immer wieder vor. Doch
soweit denken die Bernauerinnen noch
nicht: „Dieses Jahr geht es darum, den
Klassenerhalt zu festigen und die
Mannschaft zusammenzuschweißen“, sind
sich die Spielerinnen um Jacqueline Christin
Burkert einig. Immerhin haben sie optimale
Bedingungen: „Bei den meisten
Vereinen ist Frauenfußball ein Anhängsel,
Aushängeschild ist die 1.
Männermannschaft. Bei uns hingegen
spielen die Frauen im Verein die
Hauptrolle“, so Vereinsrevolutionär Udo
Rübe. Nun darf man gespannt sein, ob sie
noch lange nach der Pfeife der Männer
tanzen oder diese nun aus ihrer letzten
Bastion, dem Vorstand, verdrängen werden.

Infos:
Tel. 01 72/3 94 18 25
www.blauweissegirls.de

Revolution auf dem Fußballplatz!

Stand Oktober 2014

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Udo Rübe und Trainer Nick Burkert freuen sich
über erfolgreiche Spielerinnen wie Jacqueline
Christin Burkert (vorne),Manuela Gropp (l.) und
Marina Lange (r.).

Nach gut 60 Jahren Vereinsgeschichte
übernahmen die Frauen das Ruder, zumindest
auf dem Spielfeld.