Südamerikanerinnen stellt man sich
heißblütig vor, deutsche Frauen eher
blond und bodenständig. Ob das in
Bernau ebenso zutrifft, das wollte nun
ausgerechnet eine Südamerikanerin
erkunden.

Valentina Utz hat es aus der chilenischen
Großstadt Concepción nach Berlin
verschlagen, der Kunst wegen. Ein weiteres
Motiv war, ihren eigenen nördlichen
Wurzeln nachzugehen.

Bild der Frau

„Meine Mutter ist Lehrerin und kommt aus
Österreich. In Deutschland habe ich mehrere
Onkel“, zählt sie auf. Sie ist Performance-
Künstlerin. An ihrer Arbeit sind ihr
insbesondere die sozialen Aspekte wichtig.
„Kunst ist für mich eine Möglichkeit, dass
Menschen zusammen kommen und sich
austauschen.“ Deshalb griff sie mit
Begeisterung die Idee auf, sich ein „Bild der
Frau“ zu machen. Sie wollte herausfinden,
was Bernauerinnen mit Frauen in Chile
gemeinsam haben und was sie
unterscheidet. Schon der erste Eindruck war
umwerfend!

Gefeierte Weiblichkeit?

„Ich kam am 8. März das erste Mal in
meinem Leben nach Bernau. Überall ging es
dort um Frauen. Dass der Internationale
Frauentag so gefeiert wird, habe ich noch
nicht erlebt.“ In der Folge kam es zu
regelmäßigen Treffen mit der Sportgruppe
der AWO und anderen Frauen. „Die
Bernauerinnen waren bereit, sich auf mich
einzulassen“, lobt Valentina Utz. Statt Sport
gab es erst gemeinsames Tanzen, manchmal
lud die Chilenin zu eigenen Vorführungen.
Dann passierte, was unter Frauen schnell
passiert, es wurde gequatscht. „Das
Wichtigste waren jedoch die verschiedenen
Körperübungen, der Austausch, sich
kennenzulernen.“

Allein nachts nach Hause

Was unterscheidet nun die Bernauerin von
der Chilenin? „Bei uns sind Frauen noch
weit mehr an Haus und Herd gebunden,
weniger selbstständig. Sie werden in der
Wirtschaft oft schlechter bezahlt und
behandelt. Chilenische Männer sind
galanter. Im Bus stehen beispielsweise
selbst Männer, die viel älter sind, auf, um
der Frau den Platz anzubieten. In
Deutschland werden Frauen weniger als
etwas Exotisches angesehen, sondern sind
eher den Männern gleichgestellt. Ich finde
das besser. Ein Vorteil ist, dass man hier
problemlos abends alleine nach Hause
gehen kann, während in meinem Land die
Gefahr, dann belästigt zu werden, schon
sehr groß ist“, fasst sie zusammen.

Männer mit Kinderwagen

Ihr eigenes Frauenbild hat sich durch diese
Bekanntschaft mit Bernau weniger verändert
als ihr Männerbild: „Ich habe noch nie so
viele Männer gesehen, die einen
Kinderwagen durch die Gegend schieben
oder sogar Urlaub vom Beruf für den
Nachwuchs nehmen.“

Infos:
http://frauenbilderbernau.tumblr.com
Tel. 01 76/84 60 54 75

Frauen im Vergleich

Stand Oktober 2014

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Die Chilenin mit deutsch-österreichischen Wurzeln
möchte mit ihrer Performance-Kunst Menschen
zusammen bringen.