Wer genau hinsieht, der spürt in Bernau immer noch einen Hauch des mittelalterlichen Flairs.  
Dieses Gefühl könnte sich jetzt noch verstärken. Das Rathaus soll wieder zum zentralen Anziehungspunkt
werden. Wo bisher „verwaltet“ wird, würde fröhliche Gastlichkeit herrschen. So wünscht es sich der neue
Bürgermeister.
André Stahl hat nach der Amtsübernahme zum Ende des Jahres 2014 begonnen, seinen
neuen Dienstsitz Raum für Raum zu inspizieren. Als er den Keller mit seinen Gewölben sah, war er  sofort
elektrisiert.      
Wunderbare Gewölbe!
„Diese wunderbaren Gewölbe müssen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, war seine erste Idee.
Diese verstärkte sich noch, als er den Zollstock zückte: „Im Gegensatz zu vielen alten Gebäuden, die sehr
niedrig sind, haben wir hier eine Geschosshöhe, die den heute gültigen Bestimmungen voll entspricht!“  
Und noch eine weitere Entdeckung machte er: „Ich stieß auf den ältesten Teil des Gemäuers. Daraus kann
man erkennen, dass das Rathaus ursprünglich anders ausgerichtet war.“  
Ratskeller statt Abstellkammer
Nun möchte André Stahl aus dem ungenutzten Gewölbe einen einladenden Ratskeller mit gemütlichem
Bürgersaal machen. „Für eine eigene Brauerei wird der Platz aber leider fehlen.“ Vor dem Rathaus sollen
bei gutem Wetter die Bernauer lachen können und bei Freiluftgastronomie den Blick auf den hoffentlich
belebteren Markt genießen. „Auf diese Weise hoffe ich, die Bewohner mehr mit ihrer Stadt zu verbinden“,
nennt André Stahl einen weiteren Aspekt für seine Idee, die bereits 2016 zur Realisierung kommen soll.  
Nachts ins neue Rathaus!
Vom Biergarten des Ratskellers hätte man einen guten Blick aufs neue Verwaltungsgebäude, in dem die
bisher auf eine ganze Reihe von Häusern verteilten Kernbereiche zusammengefasst werden sollen. „Die
Stadtverordneten haben dem Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs den Zuschlag erteilt. Im Zuge der
anschließenden öffentlichen Diskussion gab es verschiedene Veränderungen in Details“, freut sich der
Bürgermeister über die rege Beteiligung der Bernauer an ihrem neuen Verwaltungsgebäude. Dabei werden
sie das Haus sogar außerhalb der Dienstzeiten nutzen können. Das soll ein Panorama-Café mit reizvollem
Blick über die Stadt bis spät in die Nacht hinein ermöglichen. In dem Gebäude werden an die 150
Mitarbeiter tätig sein.  Baubeginn wird 2016 sein.
Sinn für Autos
Die Belebung der Innenstadt wird logischerweise zu mehr Verkehr führen. Eine Tiefgarage unterm neuen
Rathaus soll Parkplatzchaos vermeiden helfen. Überhaupt geht Bernau hier eigene Wege.  
Günstig parken!
Das Engagement für den Nahverkehr wird mit gerade radikal abgesenkten Gebühren in den Parkhäusern
verstärkt. So kann man deren Stellplätze, die in Bahnhofsnähe sind, für deutschlandweit einmalig günstige
1,50 Euro pro zwölf Stunden nutzen. „Das kommt den vielen Pendlern zugute. Es hilft dem Stadtbild und
der Umwelt. Schließlich wollen die Bewohner der Ortsteile ebenso problemlos nach Berlin zu ihren
Arbeitsplätzen kommen wie alle, die im engeren Kernbereich der Stadt wohnen“, freut sich Bürgermeister
André Stahl über diese ausgewogene Entscheidung. Um weitere Parkmöglichkeiten für Pendler zu bieten,
soll die bisherige Ladestraße an der Bahn entsprechend ausgebaut werden.
Verkehr im Fluss
Allerdings hat Bernau schon jetzt das Problem, dass es sich rund um die Stadt oftmals staut. Deshalb wird
die Sinnhaftigkeit einer „kurzen Ortsumgehung“ unter Einbeziehung der Ladestraße geprüft. Dann soll der
Verkehr nur in einer Richtung statt wie bisher wechselseitig um Bernau herum geführt werden. Vom
Rathaus aus gesehen wäre die Drehrichtung entgegen dem Uhrzeigersinn. Die Idee hat durchaus Charme,
denn dann hätte man eine Verdoppelung der Fahrspuren mehr oder weniger zum Nulltarif!
Zuwachs willkommen
Die bürgernahe Politik mit Fingerspitzengefühl half dem neuen Bürgermeister, gemeinsam mit der
Stadtverordnetenversammlung den lange schwelenden Wasserstreit durch ein Gebührenmodell mit
Augenmaß zu lösen. „Dadurch wird es etwa 10 000 neue Bescheide mit Rückzahlungen geben. Die
Tiefenbegrenzung vermeidet Übertreibungen bei Eigentümern mit großen Grundstücken“, erklärt der
gelernte Jurist den Kern. Die gute Stimmung trägt sicher mit zur Beliebtheit der Barnim-Metropole bei. „In
den ersten acht Monaten dieses Jahres hatten wir einen Zuwachs von 350 neuen Bewohnern“, liest André
Stahl aus den Zahlen.  Er zieht daraus die Konsequenz, dass es wichtig ist, neue Wohnungen zu schaffen.
„Aufgrund des demografischen Wandels braucht die Stadt weiterhin Zuzüge durch junge Menschen und
Familien. Statistisch gesehen werden in den Einfamilienhäusern, die in den 1990-er Jahren gebaut wurden,
statt vier Personen in ein paar Jahren nur noch zwei Bewohner sein“, so die Prognose des Bürgermeisters.
Allerdings bedingen Kinder, dass die Stadt investieren muss. Das passierte gerade wieder an der Viehtrift,
wo 180 neue Kita-Plätze entstehen. „In Schönow werden die Schulturnhalle und eine Kita saniert. Dann
sind wir erst mal mit den Investitionen in die soziale Infrastruktur fertig“, so André Stahl.
Weniger Geld
Darüber ist er sehr froh, denn er weiß, dass die Stadt jedes Jahr mit noch weniger Zuschüssen vom Land
auskommen muss. „Die Kürzungen sind schon jetzt spürbar. Die Zuwendungen werden mit Ende des
Solidarpakts 2019 gänzlich auslaufen“, rechnet Bernaus Stadtoberhaupt vor. Dabei ist es diesmal bereits
eine Herausforderung, den Haushalt für 2016 so aufzustellen, dass die geplanten Bauvorhaben ohne
zusätzliche Kreditaufnahmen umgesetzt werden können. Ob da die neuen Einnahmen aus der geplanten
Rathaus-Gastronomie Luft verschaffen können?
Stand November 2015
Ratskeller und Panorama-Café
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