In einer Mittelalterstadt wie Bernau dreht sich vieles um die Kirche. Dass man sich von dort aus um
das Seelenheil bemüht, ist klar. Doch in Bernau tat der „Pfarrer“ noch viel mehr, er ließ die Bienen
tanzen!
Ausgerechnet von der Kirche Bernau ging eine Bewegung aus, die später das ganze Land erfasste. Dort
wirkte der Prediger
Friedrich Christian Heinrich Göroldt. Er rief 1852 den wahrscheinlich ältesten
Imkerverein von Brandenburg ins Leben. Das war gerade mal drei Jahre, nachdem Vereine überhaupt
erlaubt worden waren. „Damals waren 26 Imker aus 16 Ortschaften rund um Bernau mit von der Partie“,
weiß
Harald Krause, der seit diesem Jahr neuer Vorsitzender des traditionsreichen Vereins ist. Nach
etlichen Höhen und Tiefen kann er heute auf etwa den gleichen Mitgliederstand an aktiven Imkern
verweisen wie 1852.
Wegweisende Erfindungen
„Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es Imkerei im heutigen Sinne. Das hatten mehrere Erfindungen wie die
der Honigschleuder oder der wiederverwendbaren Rahmenwaben möglich gemacht“, verblüfft der
hauptberufliche Ingenieur in der Entwicklungsabteilung der „Deutschen Telekom“. „Vorher versuchte man
den Honig von Bienen zu gewinnen, die in Baumlöchern im Wald lebten. Später kam man auf die Idee,
ausgehöhlte Baumstümpfe nach Hause zu stellen, um nicht mehr so hoch klettern zu müssen. Daraus
entwickelte sich die Idee des Bienenkastens“, gibt Harald Krause Einblick.  
Nah an der Natur
Doch wer jetzt glaubt, in der heutigen Zeit, wo technisch so viel möglich ist, wäre Honiggewinnung ein
Kinderspiel, der irrt. „Imkerei bedeutet, immer ganz nah an der Natur zu sein. Die Entwicklung der
Bienenvölker hängt vom Jahresablauf ab und lässt sich deshalb nicht vorprogrammieren. Große Bedeutung
hat die Witterung, denn Bienen sind erst ab zehn Grad Wärme überhaupt aktiv“, gibt Krause Einblick ins
Innenleben. Das bedeutet für den Imker: „Im Mai und Juni muss man präsent sein. Urlaubsreisen sind da
nicht möglich. Im Herbst gilt es unter anderem aufzupassen, dass andere Insekten die Bienenhäuser nicht
räubern. Wespen sind beispielsweise noch bis zu drei Grad aktiv.“  
Schwieriger Winter
Größter Feind der Honigbiene ist heute ausgerechnet der Mensch, der vor 150 Jahren erst die rationelle
Honiggewinnung auf den Weg brachte. „Auf den Feldern werden leider viele Chemikalien für den
Pflanzenschutz ausgebracht. Manche haben eine schleichende Wirkung. Sie schädigen die Bienen im
Herbst und im Winter, wenn sie ohnehin geschwächt sind und es schwer haben, durch die kalte Jahreszeit
zu kommen. Deshalb passiert es leider häufig, dass Imker Völker verlieren.“ Das hat dann Folgen für die
Umwelt: „Bienen sind für die Bestäubung der Obstgehölze sehr wichtig!“
Süßes Hobby
Wenn die Imkerei so aufwändig ist, weshalb macht man sich da noch die zusätzliche Mühe, um per Verein
aktiv zu sein? „Der Grund ist, dass Erfahrung für den Erfolg sehr wichtig ist. Jede Region hat ein anderes
Klima. Man kann sich das nötige Hintergrundwissen nicht aus Büchern herauslesen. Deshalb sehen wir uns
als Verein in der Pflicht, umfassend zu informieren. Im Gegensatz zu früher stehen Imker heute in keiner
Konkurrenz sondern haben alle das gleiche Ziel. Es geht um ein Hobby, das der Natur Nutzen bringt“,
beschreibt der neue Vorsitzende vom ältesten Imkerverein im Land seine Aufgabe. Die Imkerei fasziniert
immer mehr Bernauer: „Jeder kann sich zwei oder mehr Bienenvölker in den Garten stellen und hat, wenn
alles gut geht, mehr Honig, als er selbst benötigt.“ Das entsprechende Wissen gibt es gratis vom
Imkerverein!
Infos:
Tel. 01 71/4 14 69 02
www.imkerverein-bernau.de 
Stand November 2015
Prediger ließ die Bienen tanzen
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