Stand: Dezember 2008
 
Sakrale Tafelbilder und provokante Akte:
Blaue Kunst aus Schloss Börnicke
Sinnliche Aktbilder und sakrale Kunst, für viele wäre das ein unüberbrückbarer Widerspruch. Was überall auf der Welt auf Proteste stoßen würde, erfährt in
Bernau eine schlichte und logische Erklärung: „Wir sind alle Geschöpfe der Schöpfung, warum sollte man uns nicht abbilden, wie wir sind?

Kaum zu glauben, dass diese „freche“ Frau, die das sagt, so gefragt ist, dass nun ihr jüngstes Hauptwerk, 14 großflächige Einzelbilder des Kreuzwegs von Jesu, ausgerechnet im katholisch-konservativen Köln Einzug in eine Kirche finden sollen, obwohl die Schöpferin bekennende Protestantin ist.

Stefanie Becker war unter insgesamt 79 Bewerbern mit nur fünf weiteren Malern für die Ausstellung „Sakrale Kunst“ im Rahmen der „Kunsttage Rhein-Erft“ mit ihrem ungewöhnlichen Werk eingeladen worden.
Allerdings mag sie es gar nicht, wenn man sie bei ihrem „richtigen“ Namen nennt, denn als Ausdruck ihrer künstlerischen Vorliebe für die Farbe Blau und den mittelalterlichen Kirchenlehrer Thomas von Aquin hat sie sich den Titel „Blueaquin“ zugelegt. „Es gibt zu viele, die Stefanie Becker heißen“, meint die Zahnarztgattin.

Die ungewöhnliche Künstlerin arbeitet im Obergeschoss von Schloss Börnicke. Sie freut sich darüber, in dem noch unsanierten Gebäude „einen der wenigen Räume mit Kaminanschluss“ ergattert zu haben.
In ihren Bildern beschäftigt sie sich vordergründig mit sehr unterschiedlichen Themen. Tatsächlich steht dahinter immer die Auseinandersetzung mit der Gegenwart: Soziale Probleme schimmern durch den Kreuzweg, werden deutlich bei der Serie „Berlin Mitte“, prägen einen Frauenakt, der Magersucht thematisiert.

Mit vier Jahren kunstsüchtig
Die Malerin, die „seit dem vierten Lebensjahr“ wusste, dass sie sich dieser Kunst verschreiben wollte, aber dies erst auf dem Umweg einer Ausbildung als Modedesignerin schaffte, beschäftigt sich mit der Vereinsamung von Kindern und malt dann
wieder ihre Schwester Jana mit einem Schoßhündchen, den sie spöttisch als deren „Kind“ bezeichnet. Dabei liebt sie ihre Schwester „über
alles“ und trifft sich regelmäßig einmal die Woche mit ihr zum „Schwesterntag“. Aus diesen Gesprächen mit der Erzieherin schöpft sie viele Bilderideen.

Bilder am Kochtopf
Andere entstehen am Kochtopf, beim Autofahren, manchmal nachts: „Dann stehe ich schnell auf und
skizziere, damit ich es nicht wieder vergesse.“
Ihre beiden Söhne heißen Amadeus und Leonard. Allerdings, der 17-jährige Amadeus ist weniger musikalisch angehaucht, sondern tritt eher in die bildnerischen Fußstapfen der Mutter. „Leonardo
dagegen interessiert sich für Musik!“ Nun kann man die Namen allerdings nicht mehr so tauschen, dass sie zur Begabung passen!
Die Künstlerin, die mit ihrem Atelier im Oberstübchen des Schlosses Börnicke alles andere als in einem Elfenbeinturm sitzt, sondern in ihren betont farbigen Bilder mit starkem Ausdruck und hoher Sensibilität auf die Probleme unserer Zeit aufmerksam macht, ist mittlerweile in ganz Deutschland gefragt.
Davon zeugen Ausstellungen in Köln, in Lübeck oder eben „zuhause“, im romantischen Schloss Börnicke.

Infos: 
Tel. 0175/1182422
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