Archiv: Dieser Eintrag ist vom Dezember 2008. Die Informationen sind möglicherweise veraltet und nicht mehr aktuell!
 
Bundespräsident als Pate:
Sieben Kinder und kein Ende?
Dass ein Bundespräsident sich mit Bernau beschäftigt, hat es bislang noch nicht oft gegeben. 2008 hatte die Stadt diese hohe Ehre – der oberste Repräsentant der Deutschen wurde Pate einer kleinen Bernauerin.
Marie-Elisabeth Dehn machte bereits wenige Wochen nach ihrer Geburt im April 2008 Schlagzeilen. Horst Köhler wurde ihr Pate. Allerdings steht die Bernauerin mit dieser Ehre nicht ganz allein: „Der Bundespräsident übernimmt auf Antrag die Patenschaft für das siebte Kind in einer Familie“, haben die Eltern Dorothea und Lothar Dehn herausgefunden.

Sieben Kinder vom selben Mann
Sie sind ein wenig traurig, dass es bisher zu keinem persönlichen Kontakt mit ihrem Idol Horst Köhler kam: „Bei vielen Familien kommt es zu dieser Familiengröße, weil beide Partner Kinder aus einer früheren Beziehung mitbringen oder es handelt sich um ausländische Großfamilien. Wir sind eine der ganz wenigen Deutschen, die aus einer Ehe mit einem Partner sieben Kinder haben“, so Dorothea Dehn.
Das ungewöhnliche Paar, sie Krankenschwester, er Krankenpfleger, brachte der Beruf 1989 in Lobetal zusammen.  

Besucher willkommen
Heute ist Lothar Dehn dort als Gemeindepädagoge tätig. Die Familie bewohnt ein kleines Haus im Herzen des Geländes. Sieben Kinder und zwei Erwachsene teilen sich 108 Quadratmeter. Das Häuschen droht schon mal „aus den Nähten zu platzen“, wenn sich alle versammeln und noch Gäste kommen. „Wir haben von Anfang an Wert darauf gelegt, ein offenes und kinderfreundliches Haus zu sein. Wo viel los ist, kommen Besucher gerne, so unsere Erfahrung“, berichtet Lothar Dehn. Damit nicht genug, als Gemeindepädagoge betreut er Lobetals Kinder bis zur sechsten Klasse in Christenlehre. „Der Teeny-Tee findet oft bei uns  zuhause statt“, schmunzelt Dehn.
Der Kindersegen begann mit Jonathan, der heute 18 Jahre alt ist. Dann ging es im Zwei-Jahres-Rhythmus mit Nathanael, 16, Christopher, 14, und Tobias, 12, weiter. Gesundheitliche Probleme bewirkten anschließend einen neuen Bio-Rhythmus.

Ungeplante Wunschkinder
„Obwohl mir Ärzte sagten, ich könnte nun keine Kinder mehr bekommen, kamen  Konstantin, der heute acht ist, Anna-Latizia mit nun vier Jahren und Marie-Elisabeth, die im April 2008 geboren wurde, als nächstes auf die Welt“, freut sich Dorothea Dehn.
„Alle Kinder sind Liebes- und Wunschkinder, wir haben sie aber nicht ‚geplant‘ sondern es der Fügung überlassen“, so das Ehepaar.
Eine so große Familie ist alles andere als „normgerecht“, das spüren die Dehns jeden Tag.

Ressentiments statt Anerkennung
Trotz Anerkennung von höchster staatlicher Stelle erfährt die Familie selbst in der christlichen Oase manche Ressentiments: „Habt Ihr noch nie was von Verhütung gehört, wisst Ihr nicht, wie man aufpasst“, schwirrt immer wieder durch die Köpfe der Mitmenschen. „In der Klinik wollten sie mich nach dem dritten Kind am liebsten sterilisieren. Auf die Idee, mal Hilfe im Alltag anzubieten, kommt nie jemand. Schließlich herrscht die Meinung vor, wir haben uns das ja selbst ‚eingebrockt’. Jemanden fragen wollen wir andererseits ebenfalls nicht: das wäre ja das Eingeständnis, dass wir es nicht schaffen“, so Dorothea Dehn. „Senioren und Arbeitslose beklagen immer wieder, dass sie unter Einsamkeit leiden. Aber für andere engagieren möchte sich kaum
jemand!“

Ganz normale Familie!
Familie Dehn ist stolz darauf, „dass man an unserem Beispiel sieht, dass Kindersegen in Deutschland nichts mit dem Einkommen zu tun hat. Klar muss man sich manche Wünsche genauer überlegen, aber dadurch lebt man eben bewusster!“
Die Alltags-Gestaltung ist ganz erheblich „eine Sache der Organisation. Das Schöne dabei ist, dass sich die Kinder gegenseitig unterstützen und damit die Eltern ganz erheblich entlasten. Ein Einzelkind wäre sicher oftmals schwieriger“, so Dorothea Dehn. Dennoch gibt es manche Hürden: „Man findet kaum Herde für unsere Familiengröße, man tut sich schwer Töpfe zu kaufen.
Küchengeräte wie Wasch-und Spülmaschinen unterliegen einer Belastung, für die sie die Hersteller nicht gedacht haben.“

Probleme mit Auto und Urlaub
Ganz schwierig wird es mit der Mobilität: „Eigentlich sollte es hierfür Zuschüsse geben. Denn ein normaler PKW hat nun mal nur fünf Plätze. Wenn man mehr Kinder hat, wird das zum Problem!“
Ähnlich schwierig ist die Urlaubsgestaltung: „Normale Unterkünfte bekommt man als Großfamilie nicht, schon gar nicht zu bezahlbaren Konditionen.“ Ausspannen am Meer ist also, abgesehen vom Beförderungsproblem, schwierig. Es bleiben nur spezielle Feriencamps. Die haben „den Vorteil dass für jede Altersklasse ein passendes Programm geboten wird“.

Ehrenamtliches Engagement
Eigentlich sollte man meinen, mit Beruf und Nachwuchs sind die Dehns mehr als ausgelastet. Doch die überzeugten Christen legen Wert auf soziales Engagement. Dorothea Dehn ist Vorsitzende eines Vereins für „Schwangere in Not“.  Die Dehns sind Elternsprecher, kümmern sich ums Herbstfest in Grünenthal und setzen sich für viele Veranstaltungen in Lobetal ein.

Nachwuchs als Schicksal
Für Patenonkel Horst Köhler gäbe es jedenfalls noch viel zu tun, um die von ihm immer wieder beschworene Kinderfreundlichkeit des Landes nachhaltig zu verbessern. Ein genauerer präsidialer Blick auf die ungewöhnliche Familie aus Lobetal würde sich mehrfach „lohnen“, denn so etwas wie Dehns wird man in Deutschland kaum noch finden.
Ein Ende der Kinderfreuden ist dort übrigens keineswegs „geplant“, sondern wird
weiterhin dem Schicksal überlassen!
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