Faszination Schorfheide

Als Tor zur Schorfheide sieht sich Bernaus neuer Ortsteil Ladeburg nach den Aussagen der Ortsburgermeisterin. Was lage also naher, als die Schorfheide mal bei einem oderer mehreren kleinen Tagesausflugen naher kennenzulernen?Dieses wald- und seenreiche Gebiet war bereits in der Feudalzeit als „Juwel“ bekannt. Zu Zeiten, wo Berlin nur ein kleines sumpfiges Fischerdorf war, zog es Adlige in die wildreichen Walder um den Werbellinsee.Viel viel spater, als der gute „Sozialismus“ den bosen Kapitalismus vertrieben hatte, trafen sich die Bonzen hier immer noch zu Jagdausflugen. Wenn „Honi“ einlud, kamen Gaste aus Ost und West gerne zum frohlichen Halali. Und zur Eiszeit der Beziehungen zwischen den damaligen beiden deutschen Staaten, war das kitschig-rustikale „Jagdschloss“ Hubertusstock der Ort, wo der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Erich Honecker uber die Geschicke der Welt parlierten.Man befindet sich also schnell auf historischem Gelande, wenn man sich auf in Richtung Joachimsthal macht. Doch keine Angst, heute sind die Walder allen zuganglich, und statt auf Rehe kann man als Normalburger mit durchaus guten Erfolgsaussichten in den Waldern je nach Jahreszeit auf Pilze oder Beeren Jagd machen.Uber Bernau, Biesenthal und Eberswalde geht es unter der Autobahn durch und rechts auf die Stra§e westlich des Werbellinsees. Auf halber Seehohe weist ein Wegweiser links in den Wald, zum Jagdschloss Hubertusstock. Kurz reinfahren und gucken, ist der Tipp: Nicht schon, aber selten das sichere Urteil. Beheimatet ist in den Raumen mittlerweile ein Hotel, wer will, kann also wie weiland Schmidt und Honecker tafeln.Wieder raus auf die Stra§e, weiter links Kurs halten.Kurz vor Joachimsthal ladt rechts eine Wiese ein, sich am Werbellinsee zu entspannen. Kein richtig offizieller Strand, aber immerhin ein Seezugang, ist ja in der Region leider Mangelware. Wen das nicht uberzeugt, der fahrt gerade aus weiter nach Joachimsthal und dort rechts Richtung Grimnitzsee. An diesem gewasser, das ubrigens 22 Meter hoher als der Werbellinsee liegt, gibt es sogar einen „offiziellen“ Strand auf dem Gelande einer mittlerweile offentlich zuganglichen fruheren DDR-Ferienanlage. Mit Kindern ist man hier einigerma§en gut aufgehoben. Und fur Hundebesitzer gibt es sogar eine eigene Abteilung am Strand – ob man da sonst keine anderen Sorgen hat? Will man nicht zum See, fahrt man ins Ortszentrum. Rechts von der Durchfahrtstra§e, man folgt dem Wegweiser zur Amtsverwaltung, glaubt man plotzlich seinen Augen nicht zu trauen: Man landet in einem Karree, das von gro§zugigen klassizistischen Bauten umgegben ist. Deren Wurde und Eleganz kontrastieren mit Schlichtheit der meisten anderen Bauten des idyllischen Ortes. Ein Erbe von Kurfurst Joachim? Der machte sich als fortschrittlicher Kopf einen guten Namen, sorgte bereits 1607 fur ein allgemein zugangliches Gymnasium. Au§erdem machten er und sein Nachfolger Joachim II. sich fur den Ausbau des Kanalnetzes stark, das heute jeden Freizeit-Kapitan fasziniert. Damals war der Wasserweg eine komfortable Moglichkeit, den Schwerlastverkehr zu bewaltigen. Zuruck geht es Richtung Angermunde. Wer noch Zeit hat, macht einen Abstecher in die Stadt und kann dort wie in Bernau, gut erhaltene Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung geniessen. Ein weiterer Tipp in die Schorfheide ist ein Ausflug nach Gro§ Schonebeck. Dort trifft man in einem Privatzoo neben allerlei heimischem Getier auf imposante Elche. Wer auf eine gro§ere Tiervielfalt Wert legt, hat ubrigens im Landschaftstiergarten in Eberswalde eine durchaus attraktive Alternative zum engen und durchgestylten westberliner Zoo oder dem allzu weitlaufigen ostberliner Tiergarten.