Drei Jubiläen in Vorbereitung

Immer Ärger mit den Dokumenten

So schnell wird es das nicht wieder geben: 2007 stehen in Bernau gleich drei Jubiläen an. Und alle haben etwas mit Geschichte und Geschichten zu tun. So wird 775 Jahre Stadtgründung begangen, man erinnert sich, dass die Hussiten vor 575 Jahren Bernau nicht einnehmen konnten und der Ort, wo die Historie sich sammelt und ausgestellt wird, das Bernauer Heimatmuseum, kann seinen 125. Geburtstag begehen. Und es ist das einzige richtige Geburtstagskind. Denn ausschließlich vom Museum sind die Daten wirklich verbürgt. „Ausgerechnet am 1. April 1871 beschlossen die Stadtverordneten die Rüstungen und andere historische Gegenstände aus der Rüstkammer im Rathaus in einem Museum auszustellen“, weiß der „aktuelle“ Museumschef Bernd Eccarius.

„Hohe Kosten brauchen hohe Gäste”
Mangels Geld in den öffentlichen Taschen kam es erst elf Jahre später zur Eröffnung, weil der Kaiser kommen sollte. „Hohe Kosten brauchen hohe Gäste“, schmunzelt Eccarius. Zwar kam „nur“ der Kronprinz nach Bernau, doch machte dieser später als 99-Tage-Kaiser Geschichte. Probleme mit der Historie hatte Bernau schon damals: Die „Hussiten“-
Rüstungsteile stellten sich als viel jünger heraus. Bei manch anderen sagenumwobenen Teilen ergab sich im Laufe der Zeit ähnliches. So steht eine eiserne Geldtruhe in der Ausstellung im Steintor, die lange als die erbeutete Kriegskasse der Hussiten durchging.

Wirbel um die „Kriegskasse“
Als man feststellte, dass das gute Stück ebenfalls viel jünger war, wurde das Hinweisschild geändert. „Hören Sie mal, junger Mann, Ihr Schild ist falsch, das ist die Kriegskasse der Hussiten. So stand es in allen Zeitungen“, musste sich Eccarius daraufhin anhören. Noch immer versteckt die „Kriegskasse“ manches Geheimnis: „Leider fehlen die Schlüssel. Von den fünf Riegeln bekamen wir bisher nur drei geöffnet. Schließlich kann man hier nicht einfach mit der Flex ans Werk gehen!“

Rätsel um die Hussiten
Die genauen Umstände des Hussiten-Überfalls, gegen den sich Bernau so tapfer und listig gewehrt haben will, sind nirgendwo verbürgt. Und ähnlich verhält es sich mit der Stadtgründung. Sie ist besonders sagenumwoben. So soll Albrecht der Bär um 1140 auf eine Gaststätte getroffen sein, die so leckeres Bier hatte, dass der Kurfürst zum Dank beschloss, hier eine Stadt namens „Biernau“ zu gründen. Belege gibt es keine. Erste Urkunden, nach denen Bernau Stadt war, stammen
von 1292. „Wenn sie damals bereits Stadt war, muss sie also früher gegründet worden sein“, schließt Bernd Eccarius messerscharf.

Der Reinfall mit der 750-Jahr-Feier
Eine Tafel im Rathaus soll das Datum 1141/42 genannt haben, „doch alle Quellen kennen sie nur vom Hörensagen.“ Die Annahme, dass Albrecht der Bär die Stadtgründung vollzogen hat, verliert an Glaubwürdigkeit, da der südliche Barnim erst nach 1225 in den Besitz der Askanier kam. Bereits Stadtchronist August Wernicke führte an, dass Bernau 1232 schon Stadt war. Dieser „Ärger mit den Urkunden“ bewog die DDR-Oberen, 1982 den Bernauern ihre liebevoll vorbereitete 750-Jahres-Feier schmählich zu verderben. „Die bereits entworfenen und zum Teil hergestellten Münzen, Plakate, Einladungen und was man alles so brauchte, konnten nicht genutzt werden“, erinnert sich Utz Gennermann, der damals wie heute nebenberuflich als Grafiker in Bernau tätig ist.
„Damals hieß es: Ohne Dokumente keine Feier!“ Bei Berlin, das sich in ähnlich misslicher Situation befand, machte man dann aber eine Ausnahme, worüber sich die Bernauer noch heute ärgern!

Bömbchen im Archiv?
Die gefragten Dokumente sind immer noch nicht aufgetaucht, doch diesmal wollen sich die Bernauer die Suppe nicht versalzen lassen: „Die Wissenschaftler sind sich heute einig, dass ein über die Jahre angenommenes Datum als gegeben angenommen wird, solange nichts dagegen spricht“, wurde Museums-Chef Eccarius versichert, der pünktlich zum Jubiläum ein neues Buch übers alte und neue Bernau in Vorbereitung hat.
Hoffentlich forscht er dabei nicht allzu intensiv – schließlich besteht sonst die Gefahr, dass er doch noch ein Dokument über Bernaus Stadterhebung findet, vielleicht mit einem anderen Datum als 1232. Und dann müsste das Jubiläum schon wieder ins Wasser fallen!

Museums-Chef Bernd Eccarius ist immer für Überraschungen gut: So fand er heraus, dass die geheimnisvolle Kriegskasse der Hussiten erst viel später geschmiedet wurde. Allerdings weiß niemand, was drin ist, weil die Schlüssel verloren gingen.