Ost und West traf sich zum Motorsport

Zwanzig Jahre lang war Bernau Treffpunkt der Motorsport-Fans. Die Bernauer Schleife war Austragungsort der Deutschen Meisterschaften mit Beteiligung internationaler Fahrer. Eine Zeit, an die viele sich mit Wehmut erinnern. Wir können dieser Erinnerung ein wenig nachhelfen: Exklusiv finden unsere Leser hier Fotos, die noch nie veröffentlicht wurden.Sie stammen aus dem Besitz von Siegfried Stannek. Der Bernauer war langjähriger Quartiermeister für die Fahrer. Und wei§ noch alle Details von damals: „Die Strecke war insgesamt 5,851 Kilometer lang. In der Zeit von 1952 bis 1973 gab es Rennen für Motorräder und Autos in diversen Klassen auf der Strecke zwischen Schwanebeck und Blumberg am heutigen Schwanebecker Kreuz. Allein 1964 kamen 50 000 Zuschauer. Nach dem Mauerbau 1961 hatte die DDR sogar zu jedem Rennen die Stadtgrenze Berlins offiziell bis hinter Bernau verschoben, damit auch Besucher aus Westberlin an den Rennen teilnehmen konnten.“ Bis zu 350 Fahrer, darunter etliche Frauen, gingen jedes Jahr an den Start. Die meisten der Motorsportler kamen aus DDR-Clubs und traten gegen Konkurrenten an, die manchmal sogar aus Chile kamen. Veranstalter war der Allgemeine Deutsche Motorsport-Verband der DDR. „In den ganzen Jahren hatten wir nur einen schweren Unfall zu beklagen. 1954 kam ein Tourenwagen von der Strecke ab, drei Mitglieder der Rennleitung starben bei der Karambolage!“ Solide Absperrungen, wie heute üblich, gab es nicht. Einzig ausgelegte Strohballen sollten damals das Schlimms- te verhindern. Die Fahrstrecke wurde für die sonntäglichen Mai-Rennen bereits am Vortag um sechs Uhr morgens für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Im Laufe des Tages konnten die Fahrer ihre Maschinen Probe fahren, bevor die „Maschinenabnahme” begann. „Da wurde getestet, ob das vorgeschriebene Gewicht nicht überschritten wurde und ob das Benzin rein war“, erzählt Stannek. Manche mischten unerlaubt Methanol oder Rhizinusöl in den Tank, um die Gleitfähigkeit ihrer Maschinen zu erhöhen. Die meisten der Fahrer starteten mit selbst umgebauten Serienmodellen. Neben den pfeilschnellen Rennautos war die Trabi-Klasse mit Autos bis zu 600 Kubikzentimeter Motorvolumen ein unheimlicher Kontrast. Geschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometer wurden auf der Strecke erreicht. Bis 1973 fanden insgesamt 18 Rennen statt. Dann kam das Aus. Immer weniger DDR-Siege, da kam es gelegen, dass man das Transitabkommen als Vorwand benutzten konnte, die Veranstaltung zu stoppen.
Ulrike Kiefert