Bernaus Jugend hat viele Hobbies

Glühende Eisen im Gurkenwasser

Bernaus Jugend hat glühende Ideen und schmiedet das Eisen, solange es noch heiß ist.
Und zwar nicht im übertragenen, sondern im direkten Wortsinne. Die Hussitenstadt ist so ziemlich der einzige Ort, wo man im Jugendclub nicht nur feiert und tanzt, sondern schweißtreibende Arbeit leistet.
Etwa in der Schmiede-Werkstatt von Jan Mächtig, 24, der mächtig mit glühendem Eisen, Hammer und Amboss hantiert. Ihn verbinden mittlerweile zarte Bande, ein Ehering und Söhnchen Milan, der gerade ein Jahr alt ist, mit Nicole Mächtig, 33, die mit einer Gruppe Gleichgesinnter 1990 kurzerhand den ehemaligen „Stasi-Schuppen“ an der Zepernicker Chaussee gestürmt hatte und das Gebäude in einen Jugendtreff verwandelt hatte.
Gleich im nächsten Raum sorgen Dana Bachnick und Sven Thannhäuser für kunstvolle Keramik. Ein Zimmer weiter treffen wir auf Petja Homfeld. Der junggebliebene 48-Jährige sitzt mit überkreuzten Beinen im Schneidersitz und schwingt beschwingt die Nadel. Seine Schneiderwerkstatt ist fürs Hussitenfest, für Kindergärten und andere Anlässe mit Nadel und Schere in Aktion. Ganz nebenbei spielt er in einer der sieben Bands, die derzeit im Jugendclub Gurkenwasser üben.
Schräg gegenüber lernt Nelson Schulz, 17 Jahre und Schüler, die ersten Handgriffe mit einem Riesen-Hobel. Lehrmeister ist Alexander Gaethke, 28, im Hauptberuf Restaurateur, der die Tischler-Werkstatt leitet. Ganz neu ist die RC-Werkstatt, die sich mit funkferngesteuerten Rennboliden, Schiffen und Flugzeugen beschäftigt. Hier hat Ragnar Storch das Sagen.
„Zu uns kommen rund um die Woche zwischen 80 und 110 Jugendliche. Sie beschäftigen sich in den Werkstätten, treffen sich zum Quatschen oder zum Ausspannen“, berichtet Olaf Enkelmann. Der 38-Jährige ist der einzige Hauptamtliche und nebenamtlich für die Alternative Jugendliste aktiv. Warum sind die Jugendlichen im Gurkenwasser so fleißig? „Wir haben von Anfang an alles selber gemacht. Damals waren die Räume leer und heruntergekommen. Wir sind von Tür zu Tür gegangen, haben um Material, Farbe und ähnliches gebettelt“, erinnert sich Nicole Mächtig.
„Als dann der Club ein Tief hatte, haben wir damit begonnen, gemeinsam zu kochen!“ Obwohl die Jugendlichen über 80 Prozent der Sachkosten für „ihren“ Club aufbringen, bangen sie Jahr für Jahr darum, ob die Stadt bei immer leereren Kassen weiterhin die zusätzlichen Mittel zur Verfügung stellen kann.
Infos Tel. 03338/4486

Petja Homfeld hat seinen Spaß am Schneidern entdeckt – zur Freude der Damenwelt!

Petja Homfeld, Dana Bachnick und Daniela Nikitenko sorgen für Musik.