Auf der Spur von verborgenen Schätzen

Computertomographie für Museumsstück

Manchmal hat man Schätze, von denen man gar nichts weiß! Diese Erfahrung machte das Bernauer Heimatmuseum.
Per Zufall war Museumschef Bernd Eccarius ein gebogenes Holzstück in die Hände gekommen. Das Inventarstück Nr. 19 war bisher wenig aufgefallen: „Keiner wusste, was es war. Vielleicht ein Teil eines alten Pferdegeschirrs?“
Den Museums-Leiter ließ der Fund aus seinem Fundus keine Ruhe mehr. Und so verwandelte sich das Holzstück in einen echten Schatz: „Es stellte sich heraus, dass dies der Bogen einer Armbrust aus der Gotik war“, hat Eccarius nun schwarz auf weiß vom Amt für Materialprüfung bestätigt bekommen. Eine Computertomographie der Experten, wie sie sonst eher in Krankenhäusern üblich ist, bestätigte nämlich diese Annahme. Nun hängt ein Nachbau der Armbrust im Museum im Steintor. Allerdings nur im Sommer, denn mit Einbruch der kalten Jahreszeit heißt es für die Museumsmacher jedes Jahr kräftig anfassen: „Im Winter verfrachten wir alle Ausstellungsstücke aus dem mittelalterlichen Turm in das Verwaltungsgebäude in der Hohen Steinstraße. Dort werden sie dann überprüft und wenn nötig repariert. Im Frühjahr geht es dann zurück in das markante Backsteingebäude.“
Der Grund für diese ungewöhnliche Handarbeit: „Im Steintor gibt es weder Heizung noch Klimaanlage. Das Ansteigen der Luftfeuchtigkeit während der kalten Jahreszeit würde unsere Exponate bald zerstören!“
Schließlich findet sich hier eine beachtliche Sammlung an alten Rüstungen und Langwaffen. Deren Metallbestandteile würden dann den Bernauern unter den Augen wegrosten. „Eine Klimatisierung der Räume wäre mit so hohen Kosten verbunden, dass daran wohl noch lange nicht zu denken ist. Doch der jährliche Umzug hat auch seine guten Seiten: Dadurch werden alle Exponate eingehend geprüft und bei Problemen schnell repariert oder restauriert.“
Probleme gibt es vor allem, wenn sich allzu neugierige Hände an den Schätzen zu schaffen machen. So kommt es immer wieder zu Rostflecken, weil Besucher durch Berühren die Schutzschicht aus Öl, die sich auf den Exponaten befindet, an versteckten Stellen entfernen. „Da habe ich dann regelrechte Fingerabdrücke in Rostform“, berichtet Eccarius. Dem umtriebigen Museumsmann, der sich nicht scheut, bei allen Arbeiten selbst Hand anzulegen, ist es übrigens zu verdanken, dass Bernau zum bevölkerungsgeschichtlichen Methusalem wurde: „Man ging lange davon aus, dass die ersten Menschen vor 4000 Jahren in der Gegend waren. Ich dachte mir aber schon immer, dass es hier doch gleich nach der Eiszeit bereits Leben gegeben haben muss!“ Und tatsächlich entdeckte Bernd Eccarius „Grubenhäuser“ aus dieser Zeit: „Die sind aus Schutzgründen in die Erde gebaut, so wie das manche modernen Architekten heute wieder nachvollziehen.“ Und damit ist klar, dass die ersten Bernauer bereits vor 8000 Jahren, also gleich nach der Eiszeit, im heutigen Ort aktiv waren.

Infos Tel. 03338/5614

Dieses unscheinbare Holzstück entpuppte sich als Teil einer gotischen Armbrust. Schlangenhaut schützte damals das gute Stück vor Feuchtigkeit.

So sah die historische Armbrust aus, deren Bogen das Bernauer Museum zum eigenen Erstaunen im Fundus als Inventarstück Nr. 19 entdeckte.

Wie wehrhaft Bernau einst war, zeigt die Ausstellung im Steintor.

Bernd Eccarius muss jedes Jahr seine teuren Exponate vom Museum im Steintor an einen geschützten Ort verfrachten – damit die Rüstungen nicht verrosten.