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Sternwarte ohne Kuppel (Stand 2002)

Moderne Technik in unscheinbaren Räumen

Ein Planetarium in Bernau? Nee, nie was davon gehört! Über Antworten wie diese ärgert sich Wolfgang Wenzel jeden Tag aufs neue. Dabei weiß er: „Die Leute erwarten, dass eine Sternwarte eine Kuppel hat. Vielleicht traut uns deshalb keiner zu, dass wir wirklich in den Himmel sehen können!“
Tatsächlich würde man bei dem kleinen fensterlosen Bau totsicher auf einen Geräteschuppen tippen. Doch dann schließt Wolfgang Wenzel die Metalltüre auf, und tatsächlich, hier finden sich auf engstem Raum gleich zwei sehr unterschiedlich wirkende Fernrohre. „Das helle ist ein normales Teleskop aus DDR-Zeiten. Das erfüllt seinen Zweck, setzt aber einiges an Fachkunde für die Bedienung voraus. Man muss wissen, wie man welche Position ansteuert, um den gewünschten Planeten tatsächlich zu finden“, klärt Wolfgang Wenzel auf. Sein Stolz ist das etwas gedrungen wirkende Instrument im hinteren Teil: „Das ist ein modernes computergesteuertes Spiegelteleskop. Ich gebe über eine Tastatur den Code für den Planeten ein und das Gerät richtet sich selbstständig aus.“ Doch warum sucht das Gerät heute die Sonne am Boden? „Typisch Vorführeffekt! Da muss wohl jemand rumgespielt haben“, knurrt Wolfgang Wenzel. Und wie will jemand in dem fensterlosen Raum Sterne beobachten? Durchs Mauerwerk hindurch? Wenzel macht sich mit einem Schlüssel an mehreren Stellen an der Decke zu schaffen, fängt an zu schieben, und plötzlich ist uns das Dach über dem Kopf abhanden gekommen! Dafür ist es nun ganz schön kalt, schließlich haben wir Winter und ein Polarhoch über uns. Der Trost: Ich darf durchs helle DDR-Teleskop blicken, das mit einem Spezialfilter zur Schonung der Augen präpariert wurde und sehe zum ersten Mal die Sonne ganz nahe: Was so aussieht, als wäre die Optik ein wenig durch Staubkörnchen beeinträchtigt, das sind sie, die vieldiskutierten Sonnenflecken. „So deutlich habe ich sie auch noch nie gesehen“, ist ein sich von der Kälte völlig unbeeindruckt zeigender Wolfgang Wenzel fasziniert. Zur Sternwarte gehört ein dahinter liegendes ebenerdiges Gebäude. Vereinsraum, Fotolabor, ein Klassenzimmer mit moderner Video- und Präsentationstechnik, sogar ein Computerkabinett gibt es: „Wir waren ursprünglich eine Schulsternwarte. Bei uns fand der Astronomieunterricht statt. Mittlerweile ist dieses Fach an Brandenburgs Schulen abgeschafft. Jetzt kommen zu uns Schulklassen und andere Gruppen, die wir hier in die Welt der Sterne einführen!“ Bernau ist damit zum Astronomischen Zentrum der Region geworden. Selbst viele Klassen aus Berlin nützen die Möglichkeit. Sämtliche damit verbundene Arbeit versehen die Bernauer Sternenthusiasten ehrenamtlich. Seit 1995 wird die stadteigene Anlage vom Verein „Astronomisches Zentrum Bernau“ geführt. Vorsitzender ist Norbert Thron. Zum „aktiven Kern“ gehören neben Wenzel Steffen Weimann, Jan Wendler und Robert Franke. Spiritus rectus ist Wolfgang Wenzel, der als Astronomie-Lehrer nach Bernau kam und in seinem Arbeitsvertrag stehen hatte, dass seine Aufgabe neben dem Unterricht im Aufbau einer Schulsternwarte besteht. Dabei war er selbst zur Astronomie wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. „Ich bin von Beruf gelernter Schiffbauer und war als Erzieher bei den Pionieren in Berlin tätig. Als die Raumfahrt durch die russischen Experimente großes Thema wurde, suchten die jemanden, der darüber eine Ausstellung aufbaut und Lehrmaterial zusammenstellt. Da kamen die irgendwie auf mich, dachten wahrscheinlich, Schiffsbau– Raumschiffe, soviel Unterschied kann da nicht sein!“ Wolfgang Wenzel vertiefte sich per Fernstudium, wurde schließlich Astronomie- und Erdkundelehrer in Bernau. Per Drohung, sich versetzen zu lassen, erzwang er, dass es seit 1981 eine Sternwarte in Bernau gab. Vorher war er per Trabi mit seinen teuren Gerätschaften jahrelang von Schule zu Schule gepilgert. Heute ist Wenzel 65 Jahre alt, in Rente und kann das unterrichten nicht lassen.
Tagsüber kommen Gruppen und Klassen, abends ist jeder willkommen, der mit ihm die Faszination der Sterne erleben will. „Leider sind wir einfach zu wenig bekannt. Und die Stadt hat ebenfalls wenig Interesse an uns. Jeder Cent muss eizeln beantragt werden. Dabei arbeiten wir ja schon kostenlos für die Stadt und finanzieren per Vereinsbeitrag unsere eigene Arbeit!“
Infos Tel. 03338/2102

Seit 1981 hat Bernau eine eigene Sternwarte.

Faszination Weltall – gerade Jugendliche sind von den Sternen angezogen.