Eingemeindungs-Streit

Seit dem Juli 2001 ist Ladeburg Ortsteil von Bernau. Unsere Burger-Umfrage zeigt allerdings, dass es vielen Einwohnern der kleinen Gemeinde gar nicht bewusst ist. Obwohl alle Messen langst gesungen sind, wird noch immer uber Fur und Wider debattiert. Davon kann Ortsburgermeisterin Renate Richter (Foto), 38, verheiratet, eine Tochter und im Hauptberuf selbststandige Bauingenieurin, ein Lied singen. Sogar Drohbriefe bekommt sie. Das berichtete sie unserem staunenden Redakteur Andreas Schonstedt beim Interview.
Wie sehen Sie die Gemeindegebietsreform, die ja zum Ziel hat, die Verwaltung zu straffen und wo steht Ladeburg in diesem Prozess?
Renate Richter: Prinzipiell bin ich gegen die Art und Weise, wie eine Pauschallosung mit Zwang den Gemeinden ubergestulpt wird. Ich bin der Meinung, man muss fur jeden einzelnen Fall entscheiden, ob es fur die Gemeinden und vor allem fur die Burger sinnvoll ist, sich an einen gro§eren Ort anzuschlie§en oder nicht. Fur Ladeburg ist die Eingemeindung nach Bernau richtig.
Warum war die Entscheidung, freiwillig nach Bernau zu gehen, wichtig?
Renate Richter: Dafur gab es drei Grunde. Erstens ist Ladeburg bitterarm und schiebt einen Schuldenberg von acht Millionen Euro vor sich her. Die Schulden kommen von der Fehlentwicklung des Gewerbegebietes. Zweitens hat Ladeburg fast gar keine Verbindung, sowohl verkehrstechnisch, als auch historisch, mit den anderen Orten des Amtes Panketal. Das Lebenszentrum der Ladeburger war schon immer Bernau. Die Kinder gehen in Bernau und nicht in Zepernick ins Gymnasium, zur Schule oder zum Arzt. Welch ein Unsinn ist es doch, dass bisher die Burger, wenn sie ins Rathaus wollten, erst am Rathaus in Bernau vorbeigefahren sind, um dann mit der S-Bahn ins Amtsgebaude des Amtes Panketal zu fahren. Drittens liegt Ladeburg wie ein Sahnehaubchen nordlich uber Bernau und ist der Zugang zu Wald und Natur – der Schorfheide. Das gemeinsame Handeln verbessert die Entwicklungspotenziale beider Orte enorm.
Gab es denn Widerstande gegen die Eingemeindung?
Renate Richter: Das war ein schwieriger Kampf und ging sogar bis zu Morddrohungen. Die gro§ten Widerstande kamen von der alten Gemeindevertretung, die ja 1998 abgewahlt worden war. Die hatten jahrelang mit Bernau verhandelt, um dann immer wieder eine Ausrede zu finden, nicht mit der Stadt zusammen zu gehen. Das hangt sicher auch mit der Sicherung von Pfrunden zusammen. Wir sind damals als Burgerinitiative „Zukunft Ladeburg“ angetreten und haben auf Anhieb 57 Prozent der Wahlerstimmen gewonnen. Selbst das Amt und der Amtsdirektor haben nicht immer eine ruhmliche Rolle gespielt.

Ladeburger Todesliste

Die Mehrheit der 1998 neu gewahlten Gemeindevertretung von Ladeburg wollte am 16. Dezember 1999 den Zusammenschluss mit Bernau beschlie§en, als sich in den Briefkasten einiger Volksvertreter eine „Ladeburger Todesliste“ fand. Auf Grund der massiven Drohungen wurde die Abstimmung verschoben – am Ergebnis konnte der anonyme Verfasser nichts mehr verandern. Ladeburg ist seit dem
1. Juli 2001 Ortsteil von Bernau. Die polizeilichen und staatsanwaltlichen Ermittlungen gingen damals ins Leere. Erstaunlich ist allerdings, dass die Drohopfer von der Polizei befragt wurden, ob sie einen Verdacht hatten, und wer sich so artikulieren wurde. Zwei Namen wurden genannt. Nach der Vernehmung der beiden erstatteten diese Anzeige wegen falscher Verdachtigung. Die Morddrohungsuntersuchung wurde bereits nach drei Monaten eingestellt, die der Gegenanzeigen erst nach einem dreiviertel Jahr.