Stand August 2010
Vom Vatikan zum Vampirismus
Sendungen wie Schloss Einstein kennt jedes Kind. Die Idee dazu kam von einem Erfolgs-Autor aus Blankenfelde. Das Ungewöhnliche: Den kennt niemand als Kindersendungs-Macher sondern als Vatikan-Experte.
Klaus-Rüdiger Mai ist einer der vielseitigsten Autoren. Er schreibt nämlich ebenso erfolgreich penibel recherchierte Sachbücher wie fesselnde Romane oder wissenschaftliche Essays. Wie kaum ein anderer verbindet er Dichtung und Wahrheit, ohne sie aber unzulässig zu vermischen. Das Besondere: Der Aufklärer ohne erhobenen Zeigefinger, aber immer mit Esprit und guter Lesbarkeit, verwendet die Erkenntnisse aus den Recherchen für seine Sachbücher, um sie in Romane einfließen zu lassen. Diese versetzen uns in vergangene Jahrhunderte und lassen uns verstehen, wie die Menschen damals „getickt“ haben.
Um zwischen Sachbuch und Roman zu trennen, erscheinen letztere unter den Pseudonymen Nicholas Lessing oder
Sebastian Fläming.
Theater mit  
„Kommissar“ Peter Sodann
Der heutige Erfolgs-Autor Klaus-Rüdiger Mai stammt aus dem gar nicht erfolgsverwöhnten Bundesland Sachsen-Anhalt. Er studierte an der Martin-Luther-Universität in Halle Germanistik, Geschichte und Philosophie. Am dortigen Theater unter Peter Sodann schaffte er es bis zum Dramaturgen. Sodann wurde später als Tatort-Kommissar bekannt, untergrub sein Renommé aber dann durch diverse verbale Entgleisungen als Bundespräsidentschafts-Kandidat der Linken.
Die Karriere von Klaus-Rüdiger Mai führte ebenfalls in die Welt der Fernsehstudios.
Im Gegensatz zum Ziehvater Sodann sorgte er weniger durch Wirbel um seine Person, sondern durch seine Kreativität für Aufmerksamkeit. Er war als Autor und Produzent gefragt, brachte 1998 die Kinder-Serie Schloss Einstein auf den Bildschirm. Damit leistete er Pionierarbeit. Schloss Einstein wurde die erste deutsche Langzeit-Serie für Jugendliche mit mittlerweile über 600 Folgen!
Seit Studienzeiten interessierte Mai aber ganz besonders die katholische Kirche. „Ich bin kein Katholik, habe daran kein religiöses Interesse. Sie ist aber die einzige Institution in der ganzen Welt, die es seit über 2000 Jahren gibt. Das ist für einen Historiker, der sich wie ich mit europäischer Geschichte beschäftigt,  ein unerschöpflicher Quell von Wissen“, begründet Mai seine Leidenschaft, die ihn zum„Vatikankenner“ werden ließ.
Mit dem Papst im Archiv
Beim ZDF sorgte er mit einer dreiteiligen Dokumentation über die Inquisition für Aufsehen. Dafür brauchte er Zugang zum Archiv und kam mit dem damaligen Hüter der Glaubenskongregation, dem deutschen Kardinal Joseph Ratzinger in Kontakt und ins Gespräch.
Als Klaus-Rüdiger Mai 2005 beschloss, dem Fernsehen den Rücken zu kehren, um nur noch als Schriftsteller tätig zu sein, hatte er Verträge für zwei Sachbücher in der Tasche. Er sollte jeweils eine Biografie über Michail Gorbatschow und Kardinal Ratzinger verfassen. „Geplant war, dass erst das Gorbatschow-Buch erscheint.“
Geschichte überholt Historiker
Doch die Geschichte machte dem Historiker einen Strich durch die Rechnung: Denn überraschenderweise wurde aus Joseph Ratzinger der neue  Papst Benedikt XVI.
Die Biografie, die der Blankenfelder in der Schublade hatte, war über Nacht brandaktuell  und kam umgehend in den Buchhandel. Gorbi musste warten!
Die Papst-Biografie ist mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt worden und erschien gerade in einer erweiterten Ausgabe.
Mit Gorbi im Flugzeug
An Michail Gorbatschow hat Mai eine sehr intensive Erinnerung: „Er verbreitet eine Aura, wie ich sie noch bei niemandem erlebt habe. Man ist sofort von ihm gefangen. Dabei ist seine Sprache so verklausuliert, dass im Endeffekt oft niemand weiß, was er nun wirklich meint. Das besondere an ihm ist, dass er ein tiefes Gefühl für die Würde des Menschen hat, und das überträgt sich auf die Zuhörer.“
Klaus-Rüdiger Mai traf Gorbatschow in Essen. Um die Zeiten von Perestroika und Glasnost aus mehreren Quellen zu beleuchten, wollte Mai Gegenspieler und Protagonisten von Gorbatschow anhören. „Also buchte ich einen Flug nach Moskau. Als ich in Schönefeld in die Maschine stieg traf ich – auf Michail
Gorbatschow.“
Kirche als Machtfaktor
Großes Projekt wurde die Geschichte der römischen Kirche als Machtfaktor im Abendland. Mai beschäftigte sich in der Folge mit Vampirismus in der Renaissance, also „lange bevor der englische Schauerroman mit Dracula und anderen Romanfiguren sich des Themas annahm“.
Er schrieb ein spannendes Buch über Geheimbünde und Verschwörungstheorien. „Als Griechenland 2010 in Finanz-Probleme
geriet, tauchten sofort Verschwörungstheorien auf. Das war natürlich Quatsch, den allerdings sogar die Bundeskanzlerin weiter verbreitete. Wer mein Buch gelesen hat, der konnte genau nachvollziehen, wie diese Theorie Schritt für Schritt aufgebaut und verbreitet wurde.“
Eintauchen in den Alltag
In seinen mittlerweile drei Romanen legt Klaus-Rüdiger Mai größten Wert auf Authentizität. So beschäftigte er sich mit Prospero Lambertini, der für die Kirche
als „Wunder-Detektiv“ ungeklärte Erscheinungen prüfen sollte und 1740 zu Papst Benedikt XIV. wurde.
Die Romane „Sein Blut komme über uns“ sowie „Und stehe auf von den Toten“ entführen ins Rom von 1701. Wir lernen die Stadt wie sie damals war kennen, erfahren, was und wie die Menschen dachten und warum sie wie handelten. „Es ist Fiktion, aber vom Prinzip her sind nur einige Randfiguren dazu erfunden worden“, berichtet Autor Mai.
„Papa geht nach Rom“  
Um so exakt beschreiben zu können, hat er selbst lange in den Archiven gegraben. „Wenn ich jetzt in mein Arbeitszimmer gehe, lästert meine Tochter immer: ‚Papa geht wieder in sein Rom‘. Um diese Arbeiten machen zu können, habe ich eigens Italienisch gelernt.“
In nur fünf Jahren hat Mai zehn Bücher erfolgreich auf den Markt gebracht. Im Herbst erscheint sein neuer, vierter Roman. Besteht die Gefahr, dass ihm die Stoffe ausgehen? „Ich sammle seit der Zeit auf der Uni Themen, Anregungen und Material. Um das alles zu verwerten, müsste ich sehr alt werden.“
Kontakt:
Tel. 0 33 79/38 7 13
klaus.ruediger.mai@arcor.de
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