Stand August 2010
Schauplätze für Weltstars
Das iPhone und nun ganz neu das iPad
gelten als geniale „Erfindung“ von Apple-Boss Steve Jobbs. Doch kaum zu glauben, die Kult-Geräte wurden schon vorher „erfunden“, und zwar in Mahlow!
Jörg Baumgarten war vom ZDF für eine „Science-Fiction-Dokumentation engagiert worden. In „2057 – Unser Leben in der Zukunft“ sollte unsere Welt in 50 Jahren zu sehen sein. Baumgarten „erfand“ dafür Geräte wie das iPad und das iPhone und stattete damit die Darsteller aus. Ebenso sensationell war die Idee eines Implantatdruckers. „Da kommt das künstliche Organ dann aus einer Art Tintenstrahldrucker und kann dem Patienten eingesetzt werden“, erinnert sich der Mahlower an sein „schwierigstes Projekt“. Baumgarten schwebt eine „neue Welt“ vor, in der man per Lift zwischen Erde und Mond pendelt und wo „Gesundheits-Agenten“ im Auftrag der Krankenkassen darüber wachen, ob man Sünden wie Rauchen begeht oder sich falsch ernährt. Ob es noch 50 Jahre dauern wird, bis uns diese Huxley'sche Horrorversion einer „Brave new world“ einholt?
Alles wie echt
Jörg Baumgarten ist an sich gar kein Erfinder sondern Szenenbildner. Er sorgt also dafür, dass in Produktionen, die wir im Kino oder Fernsehen sehen, alles wie echt wirkt. „Ich bekomme in der Regel ein Drehbuch und muss mich um Räume kümmern, die dafür passen. Es geht dann darum, alles so vorzubereiten, dass gedreht werden kann. Wir richten also Wohnungen ein, präparieren die Studios und kümmern uns um die Gestaltung von Außenanlagen. Dabei werden die Wünsche der Stars wenn möglich einbezogen. Außerdem muss man natürlich darauf achten, ob Stunts vorkommen. Dafür benötigt man besondere Bedingungen, damit diese technisch umsetzbar sind“, gibt der Mahlower einen Einblick.
Vom Hotel zum Film  
Er hat sein Handwerkszeug
in der Praxis gelernt. Vorher war er Hotelkaufmann. Weil ihn das aber gar nicht faszinierte, wollte er nach der Lehre ein Studium beginnen. „Um Geld zu verdienen, suchte ich einen Job und landete beim Film. Erst als Fahrer, dann in der Requisite, schließlich beim Szenenbild. Das kam mir nahe, denn Zeichnen und Malen waren schon immer mein Hobby. Szenenbilder werden erst ebenfalls als Zeichnung entworfen, bevor es dann an die Realisierung geht.“
Hollywood-Luft  
Die Liste der Produktionen, die die Handschrift des Mahlowers tragen, kann sich sehen lassen. Ganz am Anfang stand „Gesucht wird Ricki Forster“, ein Zweiteiler in Spielfilmlänge fürs ZDF. Baumgarten prägte Folgen von „Tatort“ und von „Wolffs Revier“, war für den Fernsehfilm „Das Schwein – Eine deutsche Karriere“ mit Götz George aktiv, war für die Krimi-Serie „Deadline“ für Sat1 im Einsatz oder stattete die Serie „Die Cleveren“ von RTL aus. Für „Deadline“ waren gigantische Dimensionen im Spiel: „Für diese Produktion wurde eigens eine 1000 Quadratmeter große Halle gebaut, in die ein 600 Quadratmeter großes Studio integriert wurde. Die gesamte Ausstattung entstand bei mir auf dem Schreibtisch“, erinnert sich Baumgarten. Übrigens sammelte der Mahlower sogar Hollywood-Erfahrung. Bei „Resident Evil“ war er Art Director. Der Kinder- und Jugendfilm „Hanni und Nanni“, bei dem er als Szenenbildner verantwortlich war, läuft seit Juni 2010 in den Kinos.
Als Szenenbildner ist Jörg Baumgarten dafür verantwortlich, dass alles perfekt für den Dreh vorbereitet ist. Vorgespräche mit den Stars sind häufig, denn diese wollen und dürfen je nach Prominenz durchaus ein Wörtchen bei der Frage mitreden, in welcher Umgebung sie agieren sollen. Auf diese Weise hat der 47-Jährige Prominente wie Senta Berger, Mario Adorf, Maria Furtwängler, Katharina Thalbach, Hannelore Elsner oder Matthias Brandt, den Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, kennengelernt. „Die Profis sind alle nett und umgänglich. Richtig zickig geben sich eher manche der B- und C-Stars, die keiner kennt.“
Beliebter Kampfmönch
Aktuell ist Jörg Baumgarten mit „Lasko, die Faust Gottes“ befasst. „Die Serie mit dem Kampfmönch ist besonders bei Jugendlichen beliebt“, schmunzelt Baumgarten. Unter den Zusehern könnten auch seine beiden eigenen Kinder im Alter von 15 und 17 Jahren sein. Denen hat Mahlow seinen Filmschaffenden zu verdanken. „Wir wollten wegen der Kinder aus Berlin raus ins Grüne und haben dadurch Mahlow für uns entdeckt“, verrät Jörg Baumgarten.
Der Traumberuf im Filmgeschäft hat neben viel Spannung und Kreativität natürlich die eine oder andere Schattenseite: „Lange und ungewöhnliche Arbeitszeiten sind die Regel. Da leidet das Familienleben schon mal darunter.“ Zumal die Ehefrau ebenfalls berufstätig ist. Viele Mahlower kennen sie als freundliche Apotheken-Mitarbeiterin.
Dazu kommt, dass das
Fernsehvergnügen ebenfalls schwierig ist: „Man hat immer im Auge, wo sind Fehler, welches Bild ist nicht stimmig, so dass man den Film als solches kaum ungetrübt genießen kann.“
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