Stand August 2011
Singen im Spiegel der Geschichte
In Mahlow können gleich mehrere Chöre rundes Jubiläum feiern – dabei sollte es einen von ihnen eigentlich gar nicht mehr geben.
Der „Frauenchor Mahlow 1951 e.V.“, mit seiner Vorsitzenden Marianne Lambertz konnte mit dem Opernsänger Hans-Joachim Straub einen hochrangigen musikalischen Leiter für sich gewinnen.
Die 37 Sängerinnen im Alter von 28 bis 78 Jahren sind vor allem durch ihre frechen „Küchenlieder“ bekannt, die in Alt-Berliner Tracht vorgetragen werden. „Sie erzählen von verlassenen schwangeren  Mädchen, untreuen Männern und feschen Leutnants“, weiß Hans-Joachim Straub. Der Chor feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag. Dabei sollte es ihn eigentlich längst nicht mehr geben...
Störrische Sängerinnen
Das zumindest wollte Günter Hempel, der Chorleiter des bereits 1912 gegründeten Mahlower Männerchors.
Hempel hatte sich damals zum Ziel gesetzt, aus dem „Männergesangsverein Mahlow 1912“ einen gemischten Chor zu machen. Sein Vorgänger Erwin Grießbach hatte von 1953 bis 1969 noch beide Chöre getrennt zu musikalischen Höhen geführt. „Damals waren wir soviele Aktive, dass der Frauenchor aushielt, dass es zu einer Teilung kam“, erinnert sich Ingrid Dewitz. „Da nicht alle mit dem gemischten Chor einverstanden waren, blieb der Frauenchor weiterhin bestehen.“
Jubiläen am laufenden Band
So kam es, dass der „Männergesangsverein Mahlow 1912“ zu seinem 60. Geburtstag 1972 in einen gemischten Chor umgewandelt wurde. Damit könnte der Chor nun 2012 gleich ein doppeltes Jubiläum feiern: 100 Jahre seit der Gründung als Männerchor und 40 Jahre als Gemischter Chor.
Dabei scheint sich die „Mischung“ aber immer mehr zugunsten der Damen zu verschieben: „Wir haben großen Nachwuchs-Mangel, vor allem im Männerbereich“, berichtet Ingrid Dewitz, die mit dem Chor-Jubiläum auch ihr eigenes ganz privates Sänger-Jubiläum feiern kann: „Ich bin dann runde 60 Jahre mit dabei. Zum 50. Jubiläum habe ich vom Kreissängerbund die Goldene Anstecknadel erhalten. Ich bin gespannt, wie sich das noch steigern lässt“, schmunzelt die langjährige Blumenfee von Mahlow, die in den Chor eingetreten ist, „weil schon Mutti darin aktiv war“, berichtet sie. Schließlich waren Mutter und Tochter in ihrem Blumenladen ja ebenfalls zusammen.  
Tricks zum Singen
Im Leben der beiden Chöre spiegelt sich die Geschichte von Mahlow als „Grenzgemeinde“ am Rande der Großstadt Berlin wieder. So war es ausgerechnet ein Berliner, der das Chorleben von Mahlow entscheidend prägte. Der Gymnasiallehrer Reinhold Sperling aus dem angrenzenden Berliner Stadtteil Lichtenrade wurde 1919 Chorleiter und setzte auf systematische Stimmbildung. Prompt gewannen die Sänger 1920 den zweiten Platz beim Sängerwettstreit des Kreises Teltow.
Durch Sperlings Verwurzelung in Lichtenrade kam es zu einer immer enger werdenden Zusammenarbeit und gemeinsamen Auftritten mit dem dortigen Männergesangsverein „Sängerlust 1911“. Kriegsbedingt wurde ab 1944 nicht mehr gemeinsam gesungen. 1949, gleich nachdem die Alliierten Vereine wieder zuließen, erhoben die Mahlower wieder ihre Stimme. Sie konnten Reinhold Sperling erneut als Chorleiter gewinnen. Doch die Teilung Deutschlands zeigte ihre Auswirkungen, immer öfter mussten „Tricks“ angewandt werden, damit der Chorleiter aus West-Berlin zu seinem Chor in der Sowjetzone kommen konnte. Mit dem Pfingstkonzert am 2. Juli 1952 beugten sich die Sänger dem politischen Willen ihrer Oberen. Dass das sehr widerwillig geschah, zeigt die Umbenennung. Aus dem Männerchor Mahlow wurde der „Sperlingsche Männerchor Mahlow“. Der neue Chorleiter Erwin Grießbach betreute den Frauenchor und den Männerchor zusammen. Diese Doppelbelastung wollte der hauptberufliche Kapellmeister Günter Hempel vermeiden, indem er beide Gruppen zusammenführen wollte.
Heute hat der gemischte Chor unter dem Vorsitz von Hans-Walter Ludwig an die 40 Sänger. Seit 1997 ist Rainer Schill musikalischer Leiter.
Tel. 03379/376896
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