Stand August 2011
Von Gottes Lob zum Bettelstudent
Er wollte Popstar werden und wurde Star auf den Opernbühnen. Doch zuhause, da liebt es der Mahlower am liebsten mucksmäuschenstill!
„Ich höre in meiner Freizeit überhaupt keine Musik“, verblüfft Hans-Joachim Straub. Dabei ist der Bass-Bariton vielfach unterwegs, um seinen Zeitgenossen die Freude an der Musik weiterzugeben.  
Viele Chöre  
Denn neben seiner eigenen Tätigkeit als Opern- und Konzertsänger ist der Familienvater Kreischorleiter vom
Sängerkreis Zossen. Seit 2005 leitet er den „Lüdersdorfer Gesangverein“, seit 2007 den „Frauenchor Mahlow“ und seit 2008 den „Lichtenrader Männerchor“.
Straub hatte die Musik als Kind eingesogen. „Mein Vater war Pastor einer freikirchlichen Gemeinde. Singen zum Lob Gottes war für uns selbstverständlich.“
Rollschuhe fürs Vorsingen
So richtig los ging es aber erst, als Straub als Schüler zusammen mit seiner Schwester ein Duett bei einem Wettbewerb in einem Kaufhaus vortrug. „Wir gewannen auf Anhieb. Der Preis waren ein Paar Rollschuhe, die allerdings nur meiner Schwester passten.“ Mit 14 bekam er die heißersehnte Gitarre zum Geburtstag und wollte Pop-Star werden.
Mittlerweile war die Familie von Hamburg nach Pforzheim umgezogen. Straub hatte einen Freundeskreis, der ebenso musikbegeistert war wie er. „Wir wurden gebeten, im Kirchenchor mitzuwirken, weil es dort eklatanten Mangel an Aktiven gab. Doch als aufbegehrende Jugendliche hatten wir dazu wenig Lust. Die sangen was ganz anderes als wir, es gab mit den Erwachsenen immer wieder Diskussionen um unsere langen Haare. Wir wollten uns von den Erwachsenen absetzen und uns nicht gerade wenn es um Musik geht, einordnen.“ Doch die Erwachsenen zeigten sich flexibel. „Der Effekt war, dass in der Kirche ganz neue Töne zu hören waren!“
Oper statt Pop
Dem Kirchechor-Leiter fiel das Talent von Hans-Joachim Straub auf. Er überredete ihn, professionellen Gesangsunterricht zu nehmen und vermittelte den 17-Jährigen an eine Opernsängerin, die so überzeugt von ihm war, dass sie kostenlos unterrichtete. Nach dem Zivildienst schaffte Straub, was nur wenigen gelingt: Er bewarb sich an der Berliner Hochschule der Künste und wurde sofort angenommen. „Erst hatte ich einen Teil der Jury gegen mich. Sie berieten und entschlossen sich, mich nochmals vorsingen zu lassen. Das kommt ganz selten vor. Schließlich wurde meine Bewerbung angenommen.“
Von 1977 bis 1983 studierte Hans-Joachim Straub. Nebenbei machte er in Wannsee mit Geistig-Behinderten Musiktherapie. „Die staunten jedesmal mächtig, wenn ich zu ihnen kam, weil sie nach einer Woche schon völlig vergessen hatten, wer ich bin.“
Das Studium faszinierte den ehemals Pop-Begeisterten, „weil ich meine schauspielerischen Fähigkeiten entdeckte.“
Ruf an die Staatsoper in München
Das Talent von Hans-Joachim Straub eröffnete ihm eine steile Karriere. Gleich nach dem Studium überzeugte er 1983 beim Internationalen Jugendfestspieltreffen in der Wagner-Stadt Bayreuth als Meister Steffen in „Hans Sachs“ von Albert Lortzing. Der hatte den gleichen Stoff bearbeitet, der bei Richard Wagner in die „Meistersinger“ eingeflossen ist. Die Inszenierung war so erfolgreich, dass es noch zu einem Gastspiel in der damaligen westdeutschen Hauptstadt Bonn kam. Eine weitere Folge war, dass Straub von der Bühne weg fürs „Opernstudio der Bayerischen Staatsoper“ in München engagiert wurde. „Meine Frau und ich hatten gerade für den Urlaub in Südfrankreich gepackt, da erhielt ich einen Anruf: Ob ich nicht schnell zum Vorsingen nach München kommen könnte, ich könnte einen Zweijahresvertrag an der Staatsoper erhalten.“ Ich war skeptisch, aber meine Frau fand, dass das ja ein nur kleiner Umweg in den Urlaub für so eine große Chance ist.“
Es folgten Verpflichtungen am Vogtlandtheater in Plauen und am Stadttheater von Brandenburg an der Havel. Operettenliebhaber Straub
erinnert sich noch besonders gern an die Auftritte in Krakau. Hier war er Oberst Ollendorf in „Der Bettelstudent“ von Carl Millöcker. „Das spielt zu der Zeit, als Krakau zu Sachsen gehörte und die Polen dagegen aufbegehrten. Wir besetzten die Rollen entsprechend der damaligen Nationalitäten. Die Sachsen wurden von Deutschen gespielt, die Polen von Polen.“ Diese einfallsreiche Inszenierung der Staatsoper Krakau war so erfolgreich, dass es zu Gastspielen in mehreren Ländern kam.
Zu großer Garten?
Hans-Joachim Straub schätzt besonders die Werke der Klassik und Romantik. Er liebt
Richard Wagner, Giuseppe Verdi und Richard Strauß.
Er macht Musik zu Stummfilmen, mag Musicals und Gospel-Musik. Wolfgang Amadeus Mozart, der „Superstar der Oper“ hat ihm lange nichts gesagt. „Ich habe ihn erst später für mich entdeckt.“
Neben seinen Auftritten ist der Wahl-Mahlower immer der Musikschule Tempelhof treu geblieben, die heute Leo Kerstenberg Musikschule heißt. Dort unterrichtet er und ist mittlerweile gleich für mehrere Chöre zuständig.
Die Familie hat einen Sohn adoptiert, der mittlerweile 16 Jahre alt ist. „Ich wollte erleben wie er aufwächst“, nennt Opernsänger Straub einen Grund, warum er nach dem Ausscheiden aus dem festen Ensemble in Brandenburg, wo er lange acht Jahre war, sich auf eigene Konzerte und Gastspiele konzentrierte. „Ein anderer Grund ist, dass ich von den Intrigen, Eifersüchteleien und Querelen im Theaterbetrieb genug hatte. Als Gastsänger wird man von allen hoffiert, als festes Ensemble-Mitglied sitzt man oft zwischen den Stühlen unterschiedlicher Interessen am Theater.“
Als es um den Umzug von Berlin-Steglitz „ins Grüne“ ging, gab es die Wahl zwischen Birkenwerder im Norden und Mahlow im Süden.
„Wir mussten nicht lange überlegen“, so Hans-Joachim Straub. Und weil er alles ganz akkurat machen möchte, ließ er das ursprünglich 1100 Quadratmeter große Grundstück teilen und beschränkte sich auf die Hälfte. „Wir wollen nicht nur einfach Gras im Garten, sondern Blumen und Pflanzen bewusst pflegen. Das geht auf so einer Riesenfläche nicht.“
Infos: www.atem-stimme-sprache.de 
Tel. 0 33 79/20 19 23
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