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Mit rund 800 Betten und zehn Stationen
hatte Blankenfelde ein Krankenhaus von
beachtlicher Größe. Dort waren von
1942 bis Kriegsende kranke
Zwangsarbeiter untergebracht. 1500
Personen sollen damals verstorben sein.
Die Gemeinde erinnert nun mit neun
Stelen an diese
Vorgänge. Doch was ist dort überhaupt  
passiert?

Frank Hummeltenberg hat sich über lange
Jahre intensiv mit dem Thema beschäftigt.
Auslöser waren Erzählungen seiner
Nachbarin Hilde Kähler.     

LKWs mit Särgen?

„Die arbeitete während des Kriegs bei
einem Bauern und war mit zwei
Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine ins
Gespräch gekommen. Sie
erinnerte sich, dass aus dem
Ausländerkrankenhaus mit Särgen
beladene Lastwagen herausfuhren.”

Hummeltenberg, der als Diplom-Landwirt
im DDR-Institut für Gemüseproduktion in
Großbeeren arbeitete, schockierte diese
Schilderung so, dass er beschloss, diese
Vorgänge zu erhellen.   

Sowjetisches Personal

„Ich habe in Archiven gesucht, Zeitzeugen
befragt, doch leider ist es mir nicht
gelungen, mehr als Eckdaten heraus
zubekommen. Das Areal war
ursprünglich als Lager für Kriegsgefangene
geplant. Davon zeugt ein Foto, das den
doppelten Sicherheitszaun im Bau
erkennen lässt. Dann wurde es vom
Arbeitsamt für die Vermittlung von
Zwangsarbeitern genutzt. Ab 1942 war es
Krankenhaus“, so die Erkenntnisse von
Frank Hummeltenberg. Nach seinen
Erkenntnissen wurde das Haus von einem
deutschen Chefarzt und einem
sowjetischen Oberarzt geleitet.    

Keine Spur von 140 Mitarbeitern 

Insgesamt waren 140 Personen beschäftigt,
darunter zehn Ärztinnen und 107
Pflegerinnen aus der Sowjetunion. Damit
allerdings scheinen sich die Erkenntnisse
über die Vorgänge schon zu erschöpfen.
Trotz aller Bemühungen gelang es dem
heute 71-Jährigen nicht, Namen von
Krankenhaus-Leitung oder Personal
herauszubekommen oder Berichte über die
Zustände zu finden: „Ob die Patienten gut
oder schlecht behandelt wurden, ließ sich
nicht mehr klären. Ziel war allerdings, sie
möglichst schnell wieder einzusetzen, also
wird man sich wohl um ihre Heilung
bemüht haben. Mir liegt nur eine einzige
Zeitzeugen-Auskunft vor, die davon
spricht, dass sie abgemagerte Menschen
gesehen haben will“, so der Blankenfelder
Heimatforscher. 

TBC als Todbringer

„Die häufigste Todesursache war TBC. Es
gibt aber keine Erkenntnisse über Daten
wie Liegedauer oder wie viele Personen als
geheilt entlassen wurden.“

Frank Hummeltenberg mutmaßt, dass die
Akten vernichtet wurden: „Das geschah in
vielen Kliniken, als der Alliierte
Kontrollrat von den Krankenhäusern deren
Unterlagen einforderte.” Damit könnten
also ausgerechnet die Siegermächte
erreicht haben, dass viele Nazi-Mediziner
und Pflegekräfte unerkannt blieben.

Aus der Geschichte lernen

Dies soll, so Hummeltenberg, mit der
DDR-Geschichte nicht passieren. Deshalb
sammelt er Gegenstände aus dem Alltag.
Seine Exponate gehen von
Küchengeräten über Hochprozentiges wie
„Zinnaer Klosterbruder“ oder „Kumpeltod“
bis zu Urkunden für hervorragende
Arbeitsleistung. Was heute noch in seinem
Wohnhaus lagert, soll schon bald die
Mitmenschen erfreuen: Als Mitglied im
Kulturverein möchte er mit diesen
Exponaten die bisher auf die „Gagfah-
Siedlung“ konzentrierte Dauerausstellung
in der „Alten Aula“ um Einblicke in den
DDR-Alltag erweitern. Blankenfeldes
dunkles Erbe, das Ausländerkrankenhaus,
wird in dem kleinen Heimatmuseum
erstmal keinen Platz finden, mangels
belegbarem Detailwissen.   

Infos: Tel. 0 33 79/37 11 74

Auf den Spuren der Geschichte

Stand September 2013

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