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Das kleine Groß Kienitz ist von Wiesen
und Feldern umgeben und macht keinen
Hehl aus seiner landwirtschaftlichen
Prägung. Was nur wenige wissen: Es ist
zugleich ein Treffpunkt für Freunde
historischer Traktoren!

Zu verdanken ist dies Wolfgang Krüger.
Der 65-Jährige wird bei seinem ungewöhn
lichen Hobby, dem Sammeln und
Restaurieren von betagten Traktoren,
tatkräftig von der ganzen Familie
unterstützt. Ehefrau Dorothea Krüger ist
von teilweise rostigen Kolossen ebenso
begeistert wie Sohn Henning Krüger, der
gerade eine Mechanikerausbildung bei
Mercedes in Ludwigsfelde macht. „Das
Herumschrauben überlasse ich aber den
Männern“, verweist Dorothea Krüger
darauf, dass sie sich in dem Verein
„Schlepperbrigade“ eher fürs leibliche
Wohl verantwortlich fühlt.    

400 Jahre Tradition

Wolfgang Krüger ist Sproß
einer der ältesten Familien des heutigen
Ortsteils von Blankenfelde-Mahlow. „Wir
können unsere Spuren bis ins 17.
Jahrhundert zurückverfolgen. Erste
Erwähnungen gibt es zur Zeit des 30-
jährigen Kriegs“, hat er herausgefunden.
„Mein Großvater Otto Krüger war der erste
im Dorf, der einen Traktor hatte. Ich
erinnere mich, dass wir darauf spielen
durften, als er nicht mehr eingesetzt
wurde.“ Bei soviel Tradition ist es
nachvollziehbar, dass dem Ingenieur für
Landtechnik, der Technischer Leiter in der
früheren LPG war, das Herz blutete, als
bedingt durch den Strukturwandel nach
1990 viele Landmaschinen vor sich
hinrosteten.  

Verein ohne Eintragung

Doch die Rettungsaktion war nur möglich,
weil der historische Vierseitenhof mit
seinen massiven Backsteinscheunen die
räumlichen Möglichkeiten gab. Nun
schlummert hinter meterhohen Toren ein
beachtliches Dutzend Zugmaschinen. Die
meisten lassen unschwer erkennen, dass sie
noch ein wenig Zuwendung brauchen.
„Ziel ist, dass die Traktoren einsatz- und
fahrbereit werden“, sind sich die Krügers
einig. Da dies alleine kaum zu bewältigen
ist, haben sie sich mit Gleichgesinnten zur
„Schlepperbrigade Groß Kienitz“
zusammengeschlossen, als Torsten
Drebelow herausgefunden hatte, dass dies
ohne Eintragung im Vereinsregister
möglich ist.    

Neun Aktive, zwölf Traktoren  

In drei Jahren gemeinsamer Tätigkeit hat
die „Schlepperbrigade“ mit ihren neun
Mitgliedern immerhin zwei Traktoren ein
gänzlich neues Leben eingehaucht. Zu den
aus eigenem Antrieb tuckernden
Prachtstücken gehört ein Deutz Traktor
von 1938 mit gerade mal elf PS. Damals
hatte es der Landwirt sichtbar schwer: „Das
Gefährt hatte keinen elektrischen Anlasser,
es muss per Kurbel mit der Hand gestartet
werden“, informiert Wolfgang Krüger.
Richtig komfortabel geht es hingegen bei
dem Pionier-Traktor RS01/40-1  zu. „Der
geht zwar ebenfalls auf ein
Vorkriegsmodell von Famo zurück, ist aber
mit wassergekühltem 4-Zylinder-Diesel
und Elektrostarter ganz modern
ausgestattet“, lobt der 21-jährige Henning
Krüger.  

Parade beim Dorffest

Zu den weiteren „Stars“
gehören zwei Lanz Bulldog sowie ein
geheimnisvolles Gefährt, dessen Marke
und Herkunft sogar den mittlerweile
erfahrenen Hobby-Fachleuten Rätsel
aufgibt: „Es muss sich wohl um
einen Eigenbau handeln“, so das Resümee
nach viel Überlegen. Schade nur, dass die
ungewöhnliche „Brigade“ meistens hinter
verschlossenen Toren tätig ist. Bestenfalls
beim Dorffest in Groß Kienitz hatte man
bisher als „Normalsterblicher“ mal die
Chance, die reizvolle Landtechnik zu
bestaunen!  

Infos:
Tel. 03 37 08/3 19 14
www.schlepperbrigade-gross-kienitz.de

 Betagte Kolosse in neuem Glanz

Stand August 2014

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