Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Am Rande der Berlinale und mitten drin bei der Goldenen Kamera

Fotograf Hardy Cichon
Telefon:01 51/50 97 82 33
Website:hardycichon.de

Filmstars „ungeschminkt“ vor der Kamera

Stand: September 2016

Wie fühlen sich die Stars und Sternchen, bevor sie sich auf dem roten Berlinale-Teppich für die Weltpresse, für TV-Sender, für Millionen von Fans in Pose setzen? Sind sie aufgeregt oder ist es Routine? Wenigen gelingt der ungeschminkte Blick auf die Augenblicke so eindrucksvoll wie einem Mahlower Promi-Fotografen.

Hardy Cichon hat mittlerweile so viele ungewöhnliche Momentaufnahmen „vor dem großen Auftritt“, dass er überlegt, Festival-Leiter Dieter Kosslick anzubieten, eine kommende Berlinale mit der Ausstellung seiner Fotos zu umrahmen.

Schnappschuss in die Limousine
„Die Stars fahren in Limousinen mit abgedunkelten Scheiben vor. Dann hält der Wagen vor dem roten Teppich. Die Türen öffnen sich, man steigt aus und kommt in den Saal. Ich fotografiere in dem Moment, wo die Fahrzeuge ankommen durch die abgedunkelten Scheiben“, beschreibt der jugendlich wirkende 63-Jährige seinen ungewöhnlichen Ansatz. Das Ergebnis sind Stars, die breit grinsen, die noch mal schnell das Make-up ergänzen, denen man die Anspannung ansieht, die noch kurz ein Selfie machen. Darunter sind Hollywood-Größen wie Bill Murray und John Goodman oder Publikumsliebling Hannelore Elsner. Weitere Fotos entstehen dann „am Rande“ der Veranstaltung: „Dort sammeln sich Gruppen von Autogrammjägern, die meist dicke Bücher mit Bildern ihrer Idole mitführen. Erscheint ein Star, dann geht gleich dessen Name durch die Runde. Das hilft mir viel, denn ich kenne ja nicht jeden gleich auf Anhieb“, gibt Hardy Cichon weiteren Einblick in seine Arbeit.

Im Restaurant mit Catherine Deneuve
Neben der Berlinale ist der Mahlower als Fotograf bei der „Goldenen Kamera“ mit dabei. Hier ist er ebenfalls ganz nah an den Stars, die er so ganz anders fotografiert, als man es sonst gewohnt ist. „Ich bin aber kein Paparazzo, ich stelle den Schauspielern nicht nach. Vielmehr respektiere ich ihre Privatsphäre. So habe ich Catherine Deneuve in einem asiatischen Restaurant in der Chinatown von San Francisco getroffen. Da lässt man die Kamera ruhen. Gleiches galt für Andrea Sawatzki, auf die ich ebenfalls in einem Restaurant beim Essen getroffen bin.“

Theaterkarte aus Promi-Hand
Die Stars schätzen den Mahlower. So erinnert er sich an eine Begegnung mit Katharina Blaschke, die als Pathologin in der Serie „Soko Wismar“ bekannt ist. „Sie kam als Gast zur Berlinale. Plötzlich stürmte sie auf mich zu, nahm mich zur Seite und bot mir an, zu einer Premiere ins Hebbel-Theater zu gehen. Sie hatte Karten und übersehen, dass sich die Termine überschnitten.“ Wer so nah an die Stars herankommt, kann diese natürlich mehr beurteilen als die meisten anderen: „Star-Allüren haben im Prinzip nur die amerikanischen Hollywood-Größen. Europäische Schauspieler, insbesondere die aus Deutschland und Frankreich, sind in der Regel, wenn es sich nicht gerade um Gérard Depardieu handelt, sehr bescheiden und immer umgänglich.“

Zuhause in vielen Ländern
Beim Kontakt mit den Stars hilft Hardy Cichon, der seit elf Jahren in Mahlow im Eigenheim mit dem romantischen Garten wohnt, seine Welt­erfahrung. „Ich habe mehrere Jahre in Griechenland, Frankreich und Italien gelebt. Ich war vier Jahre lang in den USA. Erst wohnte ich mit meiner damaligen Frau in San Francisco in Kalifornien, später in Lincoln City in Oregon“, nennt er einige Stationen seines abenteuerlichen Lebens. „Ich war Bauarbeiter, hatte Bürojobs und bin jetzt in der IT-Branche, was mir beim Fotografieren sehr zugute kommt.“ Zu seinen Tätigkeiten „am Rande der Berlinale“ und als Fotograf bei der „Goldenen Kamera“ kam er durch seinen vorherigen Arbeitgeber, den Regionalsender „rbb“.

Fotos wie Gemälde
Die glitzernde Welt der Stars ist nur eine der Faszinationen von Hardy Cichon. Oft ist er mit seiner Kamera auf den Straßen der Welt unterwegs und fängt dort Momente ein, die mehr an typischem Leben und Atmosphäre ausdrücken, als es „1 000 Worte“ könnten. Seine Porträtfotos geben einen Blick in den Menschen. Sie wollen ihm nicht schmeicheln. Wen Cichon „ins rechte Licht“ setzt, der hat ein „fotografisches Gemälde für die Nachwelt“, selbst wenn er sich momentan so noch gar nicht gesehen hat. Während den Mahlower an Menschen fasziniert, sie ohne deren Selbstinszenierung zu zeigen, ist es bei der Natur umgekehrt. So hat Hardy Cichon eine Art von Makrofotografie entwickelt, in deren Rahmen er Blüten oder Tiere „inszeniert“. Dazu baut er eine spektakuläre Vorrichtung aus Folien und Licht, die vorgibt, dass Heuschrecken „schwimmen“.

Brücke zur Langsamkeit
Die Natur ist für den Mahlower, der Stress gewöhnt ist, „die Brücke zur Langsamkeit. Blumen und Tiere sind die einzigen Lebewesen, die sich nicht schminken müssen, um ihre Schönheit hervorzu­heben“, meint er augenzwinkernd. „Das Leben findet am Straßenrand statt. Ich brauche beim Fotografieren für hundert Meter drei Stunden. Dabei finde ich unzählige Überraschungen.“ Seine ungewöhnliche Kunst möchte Hardy Cichon jetzt weitergeben. „Kinderfotogruppen“ sollen dem Nachwuchs den Blick fürs ungewöhnliche Bild öffnen. Der Weg zum Promi-Fotograf ist dann ganz nahe!