Stand: August 2008
 
Das Abenteuer Leben:
Tango-König mit Pech bei Mädchen
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Er ist Katastrophenhelfer, Abenteurer, Fernsehstar, Rallye-Pilot, Filmschauspieler, Tänzer, Musiker, Komponist – doch bekannt ist der Blankenfelder als der „Tango-König“.
Denn nur er schafft es, als Tänzer, Sänger, Komponist und Lehrer gleichzeitig zu überzeugen und mit Tango-Klängen auf der Gitarre zu faszinieren.
Paco Liana ist mit Sicherheit der schillerndste Star, den Blankenfelde je hervorgebracht hat und sucht in ganz Deutschland seines Gleichen! Die ungewöhnliche Karriere ging schon gleich nach der Geburt 1950 los. Er fungierte mit seiner Mutter als Model
für die neue Marienstatue der Katholischen Kirche.

Jesuskindlein in der Kirche
Man kann ihn seitdem dort als „Jesuskindlein“ bewundern.  Er ist damit der einzige Künstler im Ort, „dem schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt wurde“, schmunzelt Wigard Mai, wie er mit bürgerlichem Namen heißt.
Doch wenig später wurde der gute Stern auf Betreiben der Mächtigen unterm roten Stern ziemlich verdunkelt. Die Familie um den Uhrmachermeister Mai wurde aufgefordert, binnen vier Wochen das Eigenheim im Herzen Blankenfeldes zu räumen. Dabei war Vater Mai zwar überzeugter Katholik, aber ebenso Nazi-Gegner und hätte es fast mit dem Leben gebüßt, dass er nicht bereit war, in Hitlers Diensten als Wehrmachtsoldat in
Russland andere Menschen umzubringen. Und er hatte sozialistische Ideen. „Er wollte aus seiner Werkstatt eine Uhren-Manufaktur machen, in der alle Mitarbeiter Teilhaber waren“, weiß Sprössling Wigard.

Mit der Gitarre auf Mädchenfang
Im „Exil“ in Westberlin pflegte die Familie die Tradition der Hausmusik weiter. Bei Bruder Ludger Mai fruchtete der Einfluss. Er wurde international bekannter Organist und wirkte nach Erfolgen in Frankreich seit 1982 als Domorganist in Essen. Heute wohnt er wieder in Blankenfelde, nur einen Steinwurf vom schillernden Bruder entfernt.
Wigard Mai allerdings konnte weder Klavier- und Geigenunterricht noch das strenge Canisius-Jesuiten-Kolleg zum Freund der „E-Musik“ machen. „Klassische Musik hat mich furchtbar genervt.“
Als er mit 14 ins Zeltlager fahren durfte, erkannte Wigard mit scharfem Pfadfinderblick: „Mit einer Gitarre kann man die Mädchen begeistern, mit der Geige kaum!“ Tatsächlich, mit wenigen „Griffen“ bekam der Blankenfelder erstaunlich
viele Hübsche in sein Zelt. „Anschließend war ein Berufswunsch geboren!“

Jesuiten-Schüler tingelt in Clubs
Während es in Westberlin zwei Jahre vor der 1968-er Revolution schon überall zu brodeln begann, tingelte der Jesuiten-Schüler am Abend mit Moritaten durch die Clubs. Dazu gehörten das legendäre „Go-In“, wo Künstler unterschiedlichster Stilrichtungen im Wechsel auftraten und der Liedermacher-Treff „Steve Club“, wo zeitweise Hannes Wader Geschäftsführer war. Doch als Mai auf eine Platte seiner Schwester mit spanischer Musik stieß, war es um die Moritaten geschehen: „Ich wusste sofort, Flamenco ist meine Musik. Dazu gehört,
klassische Gitarre perfekt zu spielen!“
Doch wo konnte man um alles in der Welt dieses Instrument studieren? „Das war damals in der ganzen Bundesrepublik nicht möglich. Niemand nahm Gitarre ernst.“

Gitarren-Pionier an neuer Uni
Zum Rettungsanker wurde das bayrisch-schwäbische Augsburg. Dort richtete die 1970 neugegründete Universität als Besonderheit einen Studiengang Gitarre im Rahmen der Lehrerausbildung ein. Der Blankenfelder gehörte zu den ersten Absolventen des neuen Fachs  und schrieb damit bundesweit Geschichte, als er 1973 erfolgreich seine „Künstlerische Reifeprüfung“ ablegte. Eine weitere Besonderheit der neuen Uni war, dass dort ein Sportstudium angeboten wurde. Vielseitig interessiert wie Wigard Mai nun mal ist, hatte er von Kindesbeinen an Karate gemacht. Also zog ihn die Sportabteilung „ganz automatisch“ an. „Ich machte dort zwar keinen Abschluss, wurde aber dennoch als Lehrbeauftragter engagiert“, erinnert er sich zurück. „Dabei lernte ich viel über Didaktik, was mir später immer zugute kam.“

Spott für Bayern
Im beschaulichen Augsburg war die Studentenrevolution ebenfalls nicht völlig vorbeigezogen. Die Uni war wohlweislich erst zwei Jahre nach 1968 gegründet worden. Sie sollte sich schließlich als Alternative zu den brodelnden Hochschule als Karriereschmiede alten Stils entwickeln. Dennoch gab es in der Geburtsstadt von
Bertolt Brecht ebenfalls ein paar kritische Geister. Vier davon fanden sich bei der Kabarett-Truppe „Spiel- und Spottverein“ um den Journalisten Rüdiger Schablinski. Einer davon war der Neu-
Bayer aus Blankenfelde. Er trat außerdem bei Flamenco-Abenden auf und betätigte sich als Kneipenmusiker. Dazu kamen Udo-Jürgens-Abende.

Mädchen und Autos
Hauptberuflich war Mai als Musiklehrer am Gymnasium im benachbarten Friedberg aktiv. Sein exzellenter Ruf sprach sich so sehr herum, dass ihn ein renommiertes Mädchen-Gymnasium abwerben wollte. Allein unter Mädchen, wenn das kein Angebot ist! Allerdings, da gab es schon jemand...
Ganz nebenbei machte der ungewöhnliche Blankenfelder als Rallye-Pilot auf sich
aufmerksam und erreichte in seinem Volvo, der unter den BMW- und Opel-Manta- Gefährten eher belächelt wurde, als Höhepunkt den Titel eines bayrischen Vizemeisters. Alle Weichen für eine bürgerliche linksliberale Karriere schienen also gestellt. Doch es kam anders.

Sehnsucht nach Osten
„Schuld“ daran waren die Abenteurer-Seele und die Sehnsucht nach dem Osten, die in dem Lehrer mit dem schwarzen Beatnik-Wuschelkopf steckten. Der Blankenfelder hatte sich in Augsburg einen Unimog, also einen geländegängigen Klein-LKW zugelegt, den er zum Camping-Fahrzeug ausgebaut hatte. Er erprobte sich in Sahara-Durchquerungen „allein, ohne Navi, Funk oder Mobiltelefon.“ Mit dem Unimog fuhr er von 1968 an immer wieder in die damals für Privatpersonen kaum zugängliche UdSSR: „Mein Vater unterstützte mich dabei. Ich sollte zeigen, dass Deutsche auch was anderes können als schießen!“ So war der gebürtige Blankenfelder, dessen Familie auf russisches Geheiß aus dem Heimatort vertrieben worden war, einer der ersten westlichen Künstler, die ohne offizielle Einladung auf Privatinitiative in Städten wie Leningrad und Moskau Konzerte geben konnte.

In Rumänien funkte es
Auf einer Rückreise zog es den Lehrer in Rumänien in eine Disko. Er verliebte sich Hals über Kopf in die hübsche Liana – die später in seinem Künstlernamen verewigt wurde. Doch wie sollte das Paar unter ein Dach kommen? „Wir kämpften 22 Monate, bis uns erlaubt wurde, in Rumänien zu heiraten. Das ging nur über diplomatische Kanäle, durch massive Unterstützung des Auswärtigen Amts in Bonn und immer wieder Anklopfen beim Staatsrat in Bukarest. Nach der Hochzeit konnten wir im Rahmen der Familienzusammenführung in Deutschland zusammen leben!“
Angekommen im bunten Westen erkannte Liana allerdings schnell, dass die große Freiheit nicht im eigenen Ehebett enden muss. Was so schmerzhaft und lange erkämpft worden war, ging umso schneller zu Bruch.

Zufluchtsort Andalusien
Für den Lehrer war die Enttäuschung so groß, dass er alle Brücken abbrach und ins gottverlassene Andalusienausreiste. Dort ging er mit
so großem Erfolg bei den angesagten Flamenco-Größen in die Lehre, dass seine 1981 erschienene erste Platte in seiner Wahlheimat Spanien, dem Mutterland des Flamenco, zum Riesen-Erfolg wurde. Einer der ganz großen Flamenco-Sänger, Atta Uffo de Granada, hat ihn sogar in Liedtexten und Gedichten verewigt.

Liebe zu Peymann
Wieder war es die Liebe, die neue Weichen stellte. Der Flamenco-Star aus Blankenfelde verliebte sich in eine Urlauberin aus dem hohen Norden. Er besuchte sie zuhause in Delmenhorst und bekam Kontakt zum Stadttheater in Bochum. Dort war gerade Claus Peymann Intendant. Unter seiner Leitung galt das „Bochumer Ensemble“ als das innovativste Theater in Deutschland. Paco Liana passte da als vielseitiger Künstler mit authentischem Flair ausgezeichnet dazu. Peymann ging das Wagnis ein, den Seiteneinsteiger als „singenden Schauspieler“ zu engagieren, mit Erfolg!

In den USA hoch in die Lüfte
Nun ging es endgültig nach oben. 1986 erschien die von den Fans lange erwartete zweite Platte mit „zum Teil eigenen Texten und Kompositionen“. Ein Jahr später begann er seine USA-Tournee. Er trat in Nobel-Hotels auf, um „Kultur und Dinner“ zu verbinden. Er reiste ganz alleine mit seinem Unimog durchs menschenleere vereiste Alaska und war Star bei der Lufthansa, die im heißen und wenig besiedelten Arizona Piloten für den späteren Einsatz in den Verkehrsflugzeugen ausbildet. Und hier kam der Blankenfelder einem weiteren Lebenstraum nahe – einmal selbst am Steuerknüppel eines Flugzeugs zu sitzen. Das Geschäft: „Pilotenausbildung gegen Gitarrenstunden. Für eine Gitarren- stunde bekam ich zwei Flugstunden. Mein Lehrer war so begeistert, dass er meinte, an mir sei ein Verkehrspilot verloren gegangen“, erinnert sich Paco Liana. Er war damals auch in Südamerika unterwegs, ohne zu ahnen, dass Klänge aus dieser Region sein „nächstes Leben“ bestimmen sollten...

Der erste Tango in Berlin
Zurück in Deutschland geriet der Flamenco-Star per Zufall in eine Berliner Samba-Kneipe, wo gerade ein Tango-Abend stattfand. „Ich wusste sofort, das ist es!“
Der Blankenfelder zog nach Buenos Aires in Argentinien. Er ging nun bei den alten Meistern des Tangos in die Lehre, verliebte sich prompt in eine Profi-Tänzerin. Zurück in Deutschland wurde er in
seiner neuen Karriere so erfolgreich, dass er sogar in der Berliner Philharmonie ein Solo-Konzert geben konnte. Das war derart umjubelt, dass es viermal wiederholt wurde.  Der Begriff vom „Tango-König“ war geboren.
Nun kommen zu ihm Schauspieler und Filmstars, die sich von dem Blankenfelder für ihre Rollen „tangofest“  machen lassen. Dazu gehören beispielsweise Ralph Schicha, der erste Fernseh-Tierarzt der TV-Kultserie „Unser Charly“, der nun regelmäßig in „Wege zum Glück“ zu sehen ist oder Wookie Mayer, bekannt als „Hannelore Siekmann“ aus der „Lindenstraße.“
Der Blankenfelder tritt 2008 gleich dreimal beim Kölner Theatersommer auf. Tourneen durch Schweden und Baden-Württemberg bestimmen den Rest des Jahres.

Rudi Carrell
und die „Kinder in der Kiste“
„Daneben“ ist Paco Liana immer wieder im Film und Fernsehen zu sehen: Er trat im „Tatort“ und im „Polizeiruf“ auf, spielte die Hauptrolle im Film „Tango Mortifero“, war im Streifen „Leicht im Abgang“ zu sehen und trat im Kult-Circus Roncalli auf. Noch in Spanien entspannte sich eine Freundschaft zum mittlerweile verstorbenen Showmaster Rudi Carrell.
Dessen Tochter Annemieke Kesselaar und ihr Mann
Dieter Klar produzierten mit Russland-Kenner Paco Liana Folgen der weltweiten Kultserie „Kinder in der Kiste“ in Moskau.
Paco Liana war Star beim Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der beim Reaktorunglück von Tschernobyl
verstrahlten Kinder in Jevpatoria auf der Krim.

Bundeswehr im Griff
Paco Liana setzt sich gerne für andere ein, so durch sein Engagement in der Ökologie-Bewegung, für das er den Rallye-Sport aufgab oder bei Amnesty International. Er ist aber kein weltfremder Schöngeist, er packt an. „Beim Elbehochwasser 2002 half ich,das Weltkulturerbe Wörlitzer Park zu retten. Ich war fünf Tage im Einsatz, arbeitete drei Tage durch ohne Schlaf.“
Der Blankenfelder war entsetzt über das unprofessionelle Vorgehen vieler Hilfs- kräfte. Schließlich vertraute ihm die Bundeswehr eine Abteilung an, mit Erfolg. Denn der Blankenfelder wusste aus seinen Abenteuerfahrten durch Eis und Wüstensand, wie man durch schwieriges Gelände Lasten wie Sandsäcke transportiert und hat genügend Menschenverstand, um ohne Panik planvoll und zäh stabile Deiche aufzurichten. „Ich war in Bayern in der Freizeit beim Technischen Hilfswerk aktiv und habe zwei Jahre lang Rettungswagen gefahren“, verblüfft er mit einer schon wieder neuen Facette, die man bei einem Star aus der Musikbranche kaum vermuten würde.

Gefragter Gitarrenbauer
Starallüren sind ihm ohnehin fremd. Er freut sich, nun wieder im Elternhaus in der Blankenfelder Karl Liebknecht Straße wohnen zu können, gibt als Meister mit dem schwarzen Gürtel ab und an Karateunterricht im Verein und tritt bei örtlichen Konzerten auf. So kann man den ungewöhnlichen Star am 20. September 2008 in der Grünen Passage erleben.
Dabei sollte man sich seine Gitarre ganz genau ansehen: Denn Paco Liana ist weltweit gefragter Gitarrenbauer, der nur auf seinen eigenen in Handarbeit gebauten Instrumenten spielt.
Gelernt hat er dies bei dem Instrumentenbauer, von dem er ursprünglich einkaufte. Der gab seine Geheimnisse an den damaligen Flamenco-Star weiter, als dieser völlig verzweifelt über den Abgang seiner Ehefrau war. Nun entstehen die Einzelstücke im Keller seines Elternhauses in Blankenfelde, auf „Vaters alter Werkbank“. Sie sind bei Musikerkollegen in vielen Teilen der Welt gefragt. Damit ist Blankenfelde in Teilen der Welt ein Begriff, wo man oft das große Deutschland oder „wichtige“ Berlin nur vom „Hörensagen“ kennt.

Infos: Tel. 0 33 79/4 49 88 97
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