Freizeit-Manager für 800 Personen

Millonen-Geschäfte nach Feierabend

Einen Betrieb mit an die 800 Personen zu managen erfordert unbestreitbar eine ganze Menge Verantwortung und Einsatz.
Umso schwieriger wird es, wenn das Unternehmen auf mehrere Standorte aufgeteilt ist. Während Aktiengesellschaften meist vierteljährlich für Erfolg oder Misserfolg gerade stehen müssen, haben es die Manager des größten „Betriebs“ von Blankenfelde-Mahlow noch viel schwerer: Bei ihnen wird häufig wöchentlich „abgerechnet“ und die Öffentlichkeit sieht kritisch am Spielfeldrand zu.
Unglaublich ist, dass das größte „Unternehmen“ der Gemeinde von einem Freizeit-Manager gelenkt wird. Gerrit Peschke heißt der „Super-Chef“. Die Riesen-Firma ist der BSC Blankenfelde. Nach der Fusion mit dem Mahlower FC Preußen ist der Verein über 800 Mitglieder stark. Zwei „Hauptsportplätze“ und ein Übungsgelände in Mahlow gilt es zu verwalten. Und ganz nebenbei geht es um viel Geld: Aus dem Sportplatz in Mahlow soll eine Arena mit Tennisgelände, Leichtathletik-Bahnen und Fußball-Feld werden. In Blankenfelde geht es um einen neuen Mehrzweck-Trakt mit Umkleidemöglichkeiten.

Vor dem Klassenaufstieg?
Die Vorzeigemannschaft der 1. Herren steht auf dem Sprung in die Oberliga. Diese Schwelle einmal überschritten, geht es schnell um Spielerkauf und Ablöseverhandlungen. Das sind Dimensionen, die bei anderen Vereinen durch hauptamtliche Geschäftsführer ausgefüllt werden.
Gerrit Peschke weiß das. „Noch sind wir ja noch nicht soweit“, wiegelt er ab. Der 38-Jährige war der Überraschungskandidat bei den Neuwahlen. Gregor Schiller, der den Verein zu neuen Ufern geführt und den Zusammenschluss mit den Mahlower Fußballern vorbereitet hatte, war nicht mehr angetreten, um wieder mehr Zeit für die Familie zu haben.

Neu und erfolgreich
Gerrit Peschke ist ziemlich neu im Verein. Vorher sammelte er Erfahrung als Fußballer in Großbeeren. 1998 zog er von Berlin-Tempelhof mit Ehefrau Heike ins neue Eigenheim in Dahlewitz. 1999 wurde Sohn Marvin geboren, und der interessierte sich mit noch wackeligen Beinen schon fürs runde Leder. Papa Gerrit war begeistert. So sehr, dass er Trainer für Fußball-Minis beim Sportverein im Heimatort Dahlewitz wurde. „Dort hat man aber mehr Sinn für Handball“, sinnierte Papa Peschke und zog deshalb samt Sohnemann kurzerhand nach Blankenfelde zum BSC um.

Armer Rasen!
Der Verein sonnte sich im Fußball-Fieber der WM und hatte ein Riesen-Problem: Der Platz mit seinem Naturrasen war dem stetig wachsenden Zuspruch an Fußballbegeisterten nicht mehr gewachsen. Das Gras machte schlichtweg schlapp. Ein Kunstrasen sollte her, doch wie und wer? So ein Glück, dass Gerrit Peschke Rat wusste. Denn hauptberuflich ist er Gebietsvertreter einer Spezialfirma, die sich auf Entwässerungsanlagen konzentriert. Tankstellen und Kommunen sind Kunden, das Olympia-Stadion in Athen Referenzobjekt. Und ganz nebenbei ist das Unternehmen im Sportplatzbau firm. Überraschend schnell hatte der BSC seinen Kunstrasen, und Gerrit Peschke war wer. Sein geradliniges zielorientiertes Auftreten ließ ihn viele Freunde gewinnen. Außerdem, als Dahlewitzer war er für Blankenfelder und Mahlower Sportsfreunde gleichermaßen akzeptabel.

Spanien-Fan setzt auf Effizienz und Klarheit
„Effizienz“ und „Klarheit“ sind Worte, die man von einem Anhänger südländischer Lebensart kaum mit wirklichem Leben erfüllt sehen würde. Gerrit Peschke liebt die maritime Leichtigkeit Spaniens,doch zuhause ist er der Manager mit klaren Vorstellungen. Er ist der Chef, seine fünf Stellvertreter tragen Verantwortung und „berichten“ an ihn. Malte Hertelt steht ihm als Vize zur Seite, Mirko Schult ist sportlicher Leiter, Klaus Jannek ist Geschäftsführer und Thomas Richter Schatzmeister. Nach der Übernahme des FC Preußen Mahlow sind dessen Vorsitzende in den erweiterten Vorstand aufgenommen worden.

Händchen für Millionen
Erste Zeichen der professionellen Führung haben manche Mitglieder bereits zu spüren bekommen. Wer die Beiträge weiterhin schuldig bleibt, fliegt. Es gibt nun eine optimierte Buchhaltung. Schließlich soll viel Geld übers Vereinskonto fließen. Allein das neue 80 Meter lange Vereinsgebäude soll über 750 000 Euro verschlingen. „Für 2009 hat die Gemeinde 500 000 Euro für einen zweiten Kunstrasenplatz im Haushalt eingestellt“, nennt Gerrit Peschke ein weiteres Projekt.
Dafür soll der bisherige Kunstrasenplatz am Chopinring in Mahlow zum Bolzplatz für die Öffentlichkeit freigegeben werden.
Im Gegenzug wird das dortige Stadion erweitert und aufgewertet: „Hier werden dann die Punktspiele stattfinden, Blankenfelde wird sich auf den Breitensport konzentrieren“, berichtet Gerrit Peschke.

Familientreff vor dem Tor
„Konsequentes Zeitmanagement“ soll Gerrit Peschke ermöglichen, neben der aufreibenden Managertätigkeit und dem Beruf immer noch Zeit fürs Training seiner Minis und für die Familie zu haben.
Vorsichtshalber kommt Ehefrau Heike mit auf den Sportplatz, der nun zum großen Familientreff für die kleine Familie Peschke geworden ist. Nun darf man gespannt sein, ob es für den achtjährigen stämmigen Marvin beim Üben in Blankenfelde bleibt, oder ob er eines Tages seine Beine für Punktspiele in Mahlow schwingen wird.

Infos: Tel. 01 70/2 06 53 59

Gerrit Peschke wird es nicht langweilig: Er managt in der Freizeit ein „Unternehmen“ mit 800 Personen und schafft es noch, mit Sohn Marvin und Ehefrau Heike ums runde Leder zu kämpfen.

Das neue Vereinsheim des BSC Blankenfelde wird insgesamt über 750000 Euro kosten. Das 80 Meter lange Gebäude soll eine Nutzfläche von 500 Quadratmeter bekommen und mit einem neuartigen Umkleide-System überzeugen.