Chronik birgt brisante Enthüllungen

Von den Schulstreichen unserer Eltern!

Früher war bekanntlich alles besser. Das fing schon bei den Schülern an, die viel braver waren, fleißiger lernten und bessere Noten hatten. Oder doch nicht?
„Als ich in Deinem Alter war …“, welcher Jugendliche wurde noch nicht mit diesem Spruch von Eltern und Großeltern traktiert. Doch damit könnte, zumindest in Blankenfelde, nun bald Schluss sein. „Schuld“ daran hat ausgerechnet eine langjährige Lehrerin, die sogar zeitweise Direktorin war.
Erika Thiele sicherte die handschriftliche Schulchronik als ein Erbstück ihrer ehemaligen Lehrerin Erika Strauch. Darin ist nun ziemlich genau nachzulesen, was die Kids in Blankenfelde in den schweren Zeiten zwischen 1932 und 1947 so trieben.
Die minutiösen Aufzeichnungen in säuberlicher Sütterlin-Schrift stammen zum Großteil aus der Feder von Walter Damm. Er beschrieb darin auch seinen großen Moment, als er 1937 vom „Hauptlehrer“ zum Schulleiter aufstieg. Diese Chronik wird einen Ehrenplatz im neuen Archiv erhalten, das sich Blankenfelde nun von einem engagierten ehrenamtlichen Team um Dr. Horst Thiele in einem Raum des Kulturzentrums Alte Aula einrichten lässt. „Wir haben den Text in heute lesbare Schrift ‚übersetzt‘, damit er für alle zugänglich ist“, lädt der langjährige Pädagogik-Dozent dazu ein, die Missetaten früherer Schüler-Jahrgänge zu erforschen.
Denn die Schätze des neuen Archivs sollen allen Interessierten zugänglich sein.
Deshalb sind die engagierten Freizeit-Archivare nun emsig dabei, die vielen Dokumente, Fotos, Bilder, Briefe und Handschriften zu sichten und
zu katalogisieren. „Wir appellieren an die Bürger, alles, was sie über Blankenfeldes Vergangenheit finden, dem Archiv und damit der Nachwelt zu überlassen“, nennt Dr. Horst Thiele ein Anliegen.
Natürlich geht es zugleich um die Gegenwart, denn das Heute ist morgen schon Geschichte. Deshalb werden nun Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften systematisch aufbewahrt.
Neben den bereits vorhandenen Beständen sollen die Sammlungen des verstorbenen Orts-Chronisten
Norbert Diering und des Fotografen und Autoren Manfred Schulze mit erfasst werden. Außerdem möchte Dr. Thiele seine „Schätze“, darunter die Schulchronik, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
Erika Thiele selbst braucht wohl keine Angst vor „Enthüllungen“ zu haben. Die heutige Rentnerin kann auf eine mehr als vorbildliche „Karriere“ verweisen und ist immer noch am Lernen.
Denn Lehren und Lernen ist ihr Leben. Weil Bücher nicht reden, machte die gelernte Bibliothekarin eine Zweitausbildung im Fernstudium zur Lehrerin für Deutsch und Kunst und arbeitete etwa 40 Jahre an der Oberschule Blankenfelde. Zugleich lernte sie weiter an der Humboldt-Universität. „Ich brachte in die Kurse, was meine Kinder in Blankenfelde gemalt hatten.“ Zehn Jahre stand sie an der Spitze des Mahlower Frauenchors und machte aus ihm einen vielbeachteten Klangkörper. Nun in Rente
betreut sie eine Gruppe von Frauen in einem Malkurs bei sich zu Hause, gibt aufstrebenden Junior-Musikern im Bekanntenkreis Klavier-
Unterricht und schaffte es gerade, einen Sprach-Kurs „Französisch für Fortgeschrittene“ mit dem Prädikat „Sehr gut“ zu beenden. „Jetzt will ich richtig Englisch lernen“, strahlt die
70-Jährige. Ob ihr das alles viele der heutigen Schüler nachmachen? Das müsste in einer neuen Schulchronik zu lesen sein!

Infos: Tel. 0 33 79/37 24 43

Erika und Horst Thiele können aus der Schulchronik genau herauslesen, wer damals welche Streiche gespielt hat, statt ABC und Einmaleins zu pauken.

Die Schulchronik geht bis 1947.

Blankenfeldes neue Schule wurde in den 1930er Jahren gebaut.

Haben alle eifrig gelernt? Die Schulchronik verrät einiges!