Kunst von Morgen im Mahlow von Heute

Sexy Bilder machen Furore

Die Einladung warnt: Eventuell nicht jugendfrei! Dabei geht es „nur“ um eine Kunstausstellung mit Bildern, mit Gemälden eines amerikanischen Künstlers. Ein Werbegag oder ernst gemeint? Stefan Edler zerstört sofort jeden Verdacht, er wolle auf eine besonders provokante Art Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das hat er einfach nicht nötig. Der 58-Jährige hat als Leiter der Bauverwaltung jahrelang die Weichen für die Entwicklung der Gemeinde gestellt. Kurze Zeit war er sogar stellvertretender Bürgermeister von Blankenfelde.
Zuvor wirkte der Thüringer als Tonmeister bei der DEFA. Nun ist er in Altersteilzeit und macht sich einen Traum wahr, der ihn sein ganzes Leben verfolgte – die Sucht nach Kunstwerken, die ihrer Zeit voraus sind. Gelegenheit, sich diesen ungewöhnlichen Traum zu erfüllen, hat er seit dem Frühjahr 2007.
Seit exakt dem 15. März 2007 gibt es im Herzen des Wohnparks Mahlow moderne Kunst. Damals fand Stefan Edler in Michael Bachmann von der Wohnpark-Verwaltung einen „Geistesverwandten“, der ihm im Herzen des Rondells zu attraktiven Konditionen großzügige Räumlichkeiten vermitteln konnte. Damit wurde Mahlow nun ganz neu zu einer wichtigen Adresse für Sammler und Fans moderner Kunst. „Acrylic Age“ ist Name und Zeichen: „Die akademischen Maler blicken auf ihre jungen Kollegen gelegentlich verächtlich herab, weil die statt mit Öl mit Acryl arbeiten. Zugleich steht der Name weit genug vorne im Alphabet, damit ich in Suchmaschinen immer oben auftauche“, schmunzelt der Ex-Thüringer. Die ersten Ausstellungen bestritt er mit Werken des Kanadiers André Deners und mit Arbeiten der 44-jährigen Künstlerin Sabine Edler, mit der er verheiratet ist.
Mit dem 1972 geborenen Maler Stephen Somers hat er sich einen sehr ungewöhnlichen Künstler herausgesucht. Somers lebt und arbeitet in der amerikanischen „Bierhauptstadt“ Milwaukee, die im ländlich geprägten Bundesstaat Wisconsin liegt. Vielleicht ist es gerade diese vermeintliche Idylle, die ihn dazu bewegt, Menschen provokativ zu überzeichnen. Er bezeichnet sich als Surrealist, dabei wirken seine überpointierten Bilder auf den ersten Eindruck sehr expressiv. Der Surrealismus als Schutzbehauptung für zu deutliche Überzeichnung?
Stefan Edler ist das nicht wichtig. Er stellt die Werke des Amerikaners aus, weil sie ihn selbst packen und faszinieren. Ein halbes Jahr hat er darum gekämpft, hat sich mit Versicherungsfragen, Transportproblemen und Zollfinessen herumgeschlagen. „Außerdem musste ich ja erst mal das Vertrauen des Künstlers gewinnen!“ Persönlich kennengelernt haben die beiden sich nie, für eine USA-Reise reichen die Etats ebenso wenig aus wie für eine Einladung des Künstlers nach Europa.
Was doppelt schade ist, denn Stephen Somers kann viel mehr als malen: Unter www.stephensomers.com präsentiert er im Internet auch seine Rock-Titel! Edler ist überzeugt, mit den Werken, die ab 520 Euro erhältlich sind, „Schnäppchen mit Wertgewinn“ bieten zu können. Die nächste Ausstellung im Spätherbst 2007 gilt „Semiotext“ aus Schweden.

Infos Tel. 0 33 79/99 70 81
Öffnungszeiten:
Mo. 15-18 Uhr, Mi. 15-19 Uhr, Do. 14-19 Uhr
Fr. & Sa. 13-17 Uhr

Stefan Edler präsentiert Stephen Somers: Im Vor-Ruhestand verwirklicht der Ex-Bürgermeister von Blankenfelde und langjährige Bauamts-Leiter seinen Traum, wegweisende Künstler zu entdecken.

Die Werke des amerikanischen Multi-Künstlers Stephen Somers verblüffen durch ihre kraftvolle, teilweise schockierende Wirkung.