Die Oberschulen im Vergleich

Pauken beim Zelten oder beim Friseur?

Lernt sich Prozentrechnen besonders gut beim Einkaufen? Oder besser beim Farbenmischen beim Friseur?
Die Jugendlichen in der Gemeinde haben die Wahl, wie sie lieber lernen wollen. Denn die zwei ehemaligen Gesamtschulen, die nun nach der Schulreform Oberschule wurden, haben sich, jede für sich, einen ganz besonderen Weg der Wissensvermittlung überlegt. Im Mittelpunkt steht dabei, dass die Schüler mit Spaß und Praxisbezug lernen sollen. Bessere Noten und ein unproblematischer Übergang ins Berufsleben sind die Ziele.
Dieses Schuljahr 2005/06 startete die Oberschule erst mal in Mahlow. Dahlewitz folgt nächstes Jahr nach. Margrit Knuth kam als junge Lehrerin 1970 an die damalige POS in Mahlow und ist seit 1991 Leiterin. Sie konnte dieses Jahr drei Eingangsklassen für die nunmehrige Herbert Tschäpe Oberschule einrichten. Kollegin Ingeborg Rindt, die vor einem Jahr aus Sperenberg an die Spitze der Gesamtschule in Dahlewitz berufen wurde, muss etwas warten: „Wir hatten nicht genügend Schüler.“ Damit ist die Dahlewitzer Oberschule ohne Oberschüler, denn die Jugendlichen, die vor der Schulreform von der Grundschule auf die Gesamtschule gewechselt sind, werden wie gewohnt zur zehnten Klasse geführt.
Doch halt, ganz richtig ist das nicht. Denn die quirlige Deutsch- und Englischlehrerin hat gleich nach Dienstantritt mit neuen Ideen für Wirbel unter den 20 Lehrern gesorgt. Das neue Konzept sieht vor, dass die Jugendlichen praxisnah lernen sollen. Über 60 Betriebe in der Region haben sich bereit erklärt, einmal in der Woche einen oder mehrere der momentan 67 Schüler der neunten Klasse am Betriebsleben teilnehmen zu lassen. Nach jeweils acht Wochen wird gewechselt. Damit hat jeder mal einen Betrieb aus der Kategorie Handwerk/Industrie, Soziales und Dienstleistungen sowie Handel/Banken kennengelernt.
Dafür legen sich die Firmenchefs ziemlich ins Zeug: So musste der McDonalds-Leiter sein Englisch „aufpolieren“ denn die Dahlewitzer Schüler wollten in der Originalsprache die Geheimnisse von BigMac und Cheeseburger vermittelt bekommen.
Fest auf dem Stundenplan steht außerdem eine Woche Bewerbungstraining am schönen Werbellinsee in der Schorfheide. „Im Endeffekt sollten die Jugendlichen, wenn sie sich in der zehnten Klasse auf den Abschluss vorbereiten, in etwa wissen, welchen Beruf sie einmal ergreifen wollen. Sie kennen dann schon die Berufspraxis und haben damit gute Karten, sich in einem Betrieb zurechtzufinden. Außerdem sehen sie, wozu das Schulwissen benötigt wird. So motiviert, lernt es sich besser und mit viel mehr Spaß“, fasst Ingeborg Rindt zusammen. Sie hofft mit diesem Konzept auf viele Anmeldungen, um im Schuljahr 2006/07 endlich ins „Abenteuer Oberschule“ starten zu können.
In Mahlow hingegen steht nun die spannende Entscheidung an, für welchen Weg sich die frischgebackenen Oberschüler entscheiden: Sollen alle in einer Klasse lernen und unterschiedlich gefördert werden, um sich im Zuge des Schulwegs für einen Realschulabschluss oder den erweiterten Hauptschulabschluss zu entscheiden? Oder soll die Trennung bereits am Anfang, nach den Halbjahreszeugnissen erfolgen? Das bedeutet dann unterschiedliche Klassen für Realschul- und Hauptschulabschluss-Aspiranten und eine frühzeitige Festlegung auf den späteren Abschluss.
„Die Entscheidung trifft die Schulkonferenz“, erläutert Margrit Knuth. Ihre Schule kann damit werben, dass sie seit 1994 Ganztagsschule mit Unterricht bis 14.55 Uhr ist. Die Schüler bis einschließlich der Klassenstufe 9, für die das gilt, profitieren von Zusatzstunden für das Ausprägen von Neigungen und Fördern von Leistungen. Ganz neu und einmalig im Landkreis Teltow-Fläming ist das „Praxislernen“ ab der Klassenstufe 7. Wöchentlich jeden Dienstag ist der Unterricht nicht nach Fächern getrennt, sondern übergreifend. Erstes Projekt war die Vorbereitung und Durchführung eines Camps. Die neuen Schüler der siebten Klasse übten Rechnen beim Einkaufen und Preisvergleichen, erkannten die Probleme von Physik und Geometrie beim Zeltaufbauen, waren mit dem Management ihrer Fahrt nach Fürstenberg/Havel beschäftigt und dokumentierten dann alles per Foto, Videokamera und Laptop. Damit auch später alles wie am Schnürchen klappt, gab es ein Probe-Zelten im Musiksaal.
Offenbar haben sich in beiden Schulen das Zusatzengagement und die Schulungen der Lehrer gelohnt. Jetzt gehen alle mit ganz neuer Begeisterung in die Schule. Das Schöne ist: Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow ist als Zuzugsgebiet so beliebt, dass die gut-besuchten Grundschulen allen Anlass zur Hoffnung geben, dass beide Schulen in Zukunft weiter bestehen können.

Schulleiterin Ingeborg Rindt bietet wöchentlich einen Praxistag in einem Betrieb.

In der Herbert Tschäpe Schule sind die Würfel gefallen – aber mancher steht noch Kopf!!!

Margrit Knuth hat in Mahlow nun die erste Oberschule.

Das Zeltlager wurde erst im Musikzimmer vorbereitet ...

... und dann fürs Internet nachbereitet.