Einzigartiges Multitalent: Musiker, Maler, Autor

Vom Börsen-Parkett in die Hitparaden

Als Börsenmakler jonglierte er mit Millionen, als Pop-Musiker begeisterte er weltweit die Fans. Er hat sich einen Namen als Autor gemacht. Und nun ist er dabei, musikalisch weitere Meilensteine zu setzen und sich gleichzeitig als Maler einen Namen zu machen. Erstaunlich: Blankenfeldes wohl vielseitigster und international erfolgreichster Künstler ist der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen – ganz im Gegenteil.
Nik Page lebt in einem unscheinbaren Siedlerhaus mit nettem eher naturbelassenem Garten ganz bescheiden, Grundstück an Grundstück mit seinen Eltern. Auch im Inneren keine Spur von Hollywood-Glamour oder Pomp, ganz im Gegenteil. Die Wände poppig bunt bemalt, im Oberstübchen ein kleines Zimmer als „Schaltzentrale“ mit Telefon und Laptops. Doch ganz ohne Starallüren kommt Nik Page dann noch nicht aus: Live-Fotos zuhause möchte er gar nicht, „schließlich gebe ich genügend Geld für Foto-Shootings aus...“
Zwar hatte der Junge aus Blankenfelde, der „nur deshalb auswärts geboren ist, weil es im Ort keinen Kreißsaal gab“, musikalische Vorfahren, darunter Großmutter Grete, die als Opern-Sängerin in der Vorkriegszeit aktiv war, doch Nik Page träumte erst mal von einer Berufskarriere als Tierarzt oder Archäologe. Doch dann stießen er und sein Schulfreund Rayner Schirner auf Depeche Mode. Der neue Musikstil und der ungewohnte Einsatz elektronischer Instrumente brachte die Freunde zum Entschluss, eine eigene Band zu gründen. Ohne musikalische Vorkenntnisse, ohne Ahnung, woher ein in der DDR fast unerschwinglicher Synthesizer zu bekommen wäre, aber getrieben vom unbedingten Drang, dies tun zu müssen.
Die Band nannte sich „Blind Passengers“, trat 1987 erstmals in Erscheinung und sang auf Englisch! Trotz aller Skepsis erreichten sie schnell die in der DDR obligatorische Auftrittsgenehmigung und konnten bereits 1989 in der Musiksendung „11/99“ auftreten. Der eigentliche Durchbruch gelang dank Radio Fritz. Der dortige Musikredakteur Frank Menzel war auf die Jungs aufmerksam geworden. Mit „Walking to Heaven“ stürmten sie die Hörer-Charts und katapultierten sich in den Erfolgshimmel.
„Seitdem konnten wir von unserer Musik leben“, berichtet Nik Page, der damals seinen Börsenjob an den Nagel hängte, um sich nur noch der Musik zu widmen. „Wir kamen bei großen Labels wie BMG oder Sony unter Vertrag. Dabei stießen wir unsere Fans bewusst mit jeder neuen CD vor den Kopf, weil wir uns immer wieder was ganz neues einfallen ließen!“ Nach viel Erfolg, Auftritten bei den größten Live-Veranstaltungen wie „Rock am Ring“, nach Erfolgen in Mexiko und vielen europäischen Ländern, eigenen Videoclips, Interviews auf Viva, MTV, im Rockpalast und anderen angesagten Sendungen, lösten sich Blind Passengers 2005 mit ihrer CD „Timemachine“ auf. Ursache war, so Nik Page, dass Rayner Schirner sich von Live-Acts ins Studio verändern wollte. 2005 tourte der Blankenfelder mit der Band von Joachim Witt, der mit seinem Hit „Goldener Reiter“ bekannt ist. Nun will Page im Verbund mit der Musical-Interpretin Michaela Laubach, die aus My Fair Lady oder Phantom der Oper bekannt ist, mit dem Projekt „Songs of Lemuria“ Rock-Hymnen mit einem klassischen Kammerorchester zusammen bringen. „Ich wollte etwas machen, was es noch nie gab“, erklärt der Multi-Künstler wie es dazu kam. „Ich mag klassische Musik, aber mir geht es wie vielen Menschen. Auf Dauer ist die etwas anstrengend, weil wir mit einer anderen Musik aufgewachsen sind. Ich wollte nun eine Brücke zwischen beiden Welten schaffen.“ Ein Ergebnis ist die neue CD „Klavier“, die ab Dezember 2006 im Handel sein wird. „Den Titelsong stellt eine klassische Interpretation von Rammstein dar“, macht Page durchaus neugierig.
Was tut man, wenn man sein Hobby zum Beruf machen konnte und täglich 14 Stunden arbeiten möchte? „Dann braucht man ein neues Hobby und das habe ich im Malen mit Acryl gefunden“, so Nik Page. Nach ersten Schritten vor fünf Jahren kam der Durchbruch 2004, als ihn der Dresdner Oberbürgermeister mit seinen Werken zur jährlichen „Montagsmaler“-Ausstellung lud. „Leider habe ich zu wenig Zeit, um mich um den Verkauf meiner Bilder zu bemühen“, bedauert Page, der sich selbst als „Design-Fetischist“ bezeichnet und darauf stolz ist, an der optischen Ausstattung seiner Platten immer selbst mitgewirkt zu haben. Neuerdings entstehen manche Ideen im Verbund mit Freundin Christine, die in Berlin-Mitte als Grafikerin aktiv ist. Und wann kommt nach dem Science Fiction Roman „Neosapiens“, der „ins Berlin in hundert Jahren“ versetzte, das nächste Buch? „Ideen hätte ich schon, aber keine Zeit. Ich hebe mir das für die Zeit nach der Musik auf.“

www.nikpage.de

Bücher und CD´s

Beim Soloprojekt Sin Machine arbeitete Nik Page 2004 mit Joachim Witt, bekannt durch „Goldener Reiter“ oder Eva Poelzing von Blutengel zusammen.

Mit farbenfrohen modernen Acrylbildern startet Nik Page eine neue Zusatz-Karriere.