Neuer Ortschronist will die Geschichte systematisch erfassen

Wo Pittiplatsch und Sandmännchen zur Welt kamen

Pittiplatsch und das Sandmännchen kommen aus Blankenfelde-Mahlow. „Hier lebten sehr viele Persönlichkeiten, die ihre Zeit prägten!“
Das haben Dr. Horst Thiele und Bernd Heimberger vom Kulturverein herausgefunden. Nun soll die regionale Geschichte systematisch erforscht werden: „Ich habe den Vorsitz des Kulturvereins an Bernd Heimberger übergeben und werde mich voll auf die örtliche Geschichtsforschung konzentrieren“, berichtet Dr. Thiele. „Ich habe den Kulturverein aufgebaut und bis jetzt geleitet. Mit 75 möchte ich mich nun verändern!“
Der ehemalige Hochschullehrer für Sportpädagogik will als neuer Orts-Chronist die Arbeiten seines verstorbenen Vorgängers Norbert Diering fortsetzen. „Wir haben viele Ausschnitte aus unserer Geschichte gesammelt. Wir verfügen mit diesen Materialien über ein reichhaltiges Archiv. Nun geht es darum die Mosaiksteine so zu ordnen, dass die Nachwelt damit arbeiten kann.“
Interessante „Mosaiksteine“ betreffen die vielen Prominenten, die von hier aus wirkten. Dazu gehört etwa Ingeborg Feustel, die 1935 als Neunjährige nach Blankenfelde kam und hier bis zu ihrem Tod 1998 lebte. Sie schrieb Kinderbücher, „erfand“ das Sandmännchen, das immer noch die Kleinen ins Bett schickt ebenso wie Pittiplatsch, Schnatterinchen, Bummi und Meister Nadelöhr. In Blankenfelde ist eine Grundschule nach ihr benannt.
Damit die lustigen Kinderfreunde überhaupt ins Wohnzimmer kommen konnten, bedurfte es eines geeigneten Mediums. Das war natürlich das Fernsehen. Ernst Augustin gilt als Rundfunk-Pionier, der in den Dreißiger Jahren ein Fernsehen aufbaute. 1938 stand in seiner Blankenfelder Wohnung bereits ein Prototyp eines TV-Geräts. Das „Fernsehrohr“ war wegen der immensen Größe hochkant eingebaut, das Bild wurde mit einem Spiegel auf den Schirm projeziert. Augustin starb 1961 mit 59 Jahren.
Erich Rackwitz wird heute noch gerne gelesen. Sein bekanntestes Werk ist „Versunkene Welten ferne Gestade“, in dem er sich mit der geheimnisvoll-untergegangenen Stadt Vineta an der Ostsee beschäftigte. In Mahlow ist Dr. Thiele auf Hans Maassen gestoßen. Der hatte sich im spanischen Bürgerkrieg bei den Internationalen Brigaden engagiert – als Kämpfer mit dem Wort. „Mit seinem Freiheitsender war er einer der Pioniere des Medienzeitalters!“ Während Bernd Heimberger auf seinen „Spaziergängen“am ersten Sonntag des Monats im Sommer auf die Wirkungsstätten der Prominenten aus Blankenfelde-Mahlow hinweist, will Dr. Thiele die Geschichte neu aufbereiten. Eine neue Ortschronik ist geplant.
Infos: Tel. 03379/374482

Neuer Park

Blankenfelde hat nun gleich hinter dem gerade in der Sanierung begriffenen Kulturzentrum Alte Aula einen öffentlichen Park. Als Ideengeber und Initiator gibt sich Bernd Heimberger, der neue Vorsitzende des Kulturvereins, zu zu erkennen. „Wir haben 794 Pflanzen gesetzt und hoffen nun, dass sie anwachsen. Denn der Untergrund besteht aus Schutt. Hier sind Reste des abgerissenen Schlosses und später haben viele andere weitergemacht!“

Dr. Horst Thiele will sich als neuer Ortschronist betätigen und freut sich über ein seltenes Bild aus den letzten Tagen des abgerissenen Schlosses, das der Blankenfelder Architekt Kurt Behlendorf angefertigt hat.

Pittiplatsch hat seinen Ursprung in Blankenfelde.