Stand Juni 2012
Auf Jagd mit königlichen Falken
Die Jagd mit Falken hat eine über 3 000 Jahre alte Tradition. Sie gilt als elitärste Jagdform überhaupt. Dazu berechtigt waren früher nur Könige und hohe Fürsten, denen ihr Lieblingsfalke, so erzählen es viele Sagen und Geschichten, manchmal mehr wert war, als ihr Königreich oder die Geliebte. In diese Fußstapfen tritt nun ein Brieselanger, der dafür sein Privatleben „opfert“.
Bei Bauunternehmer Oliver Dreikant dreht sich nun fast wie bei den Fürsten früherer Zeiten ein großer Teil seines Lebens um das ungewöhnliche Hobby. „Als Falkner wird man geboren“, begründet der 41-Jährige, wie er zu dieser Leidenschaft kam. Bis es soweit war, musste er ziemlich viel Fleiß und Geduld aufbringen.  
Prüfung über Prüfung
Erst mal ging es darum, die ohnehin als kompliziert geltende Jägerprüfung zu bestehen. „Erst wenn man drei Jahre Jagderfahrung hat, kann man bei der Behörde überhaupt beantragen, Falkner werden zu dürfen. Erst nach einer Überprüfung wird man zum einjährigen Lehrgang zugelassen. Nach Abschluss kann man eine weitere Ausbildung zum Jagdfalkner beantragen“, gibt der Brieselanger einen Einblick in seine „Leidensgeschichte“ zur Erfüllung seines Kindheitstraums. Seine Zahlen untermauern, dass er nun zu einer kleinen Elite zählt: „Es gibt in Deutschland etwa 600 000 Jäger und etwa 600 Falkner. Jagdfalkner haben wir gerade mal etwa 150.“
Vogel statt Flinte
Jagdfalkner, das bedeutet, dass der Jäger statt der Flinte seinen Vogel zum Fang der Beute einsetzt. „Je nach Tier wird die Beute entweder mit dem Schnabel oder durch einen Würgegriff erlegt“, beschreibt Oliver Dreikant die beiden Methoden. Brieselangs einziger Falkner hat seinen „Privatzoo“ im Garten seines Einfamilienhauses am Forstweg untergebracht. In einer geräumigen Voliere fühlen sich zwei Sarka-Falken sichtlich wohl. „Das ist ein Brutpärchen, ich hoffe, dass es mal Nachwuchs geben wird!“
Allerdings, in der Stimme schwingt Skepsis mit, die Falken scheinen noch relativ wenig Lust auf Fälkchen zu haben.  
 Falke auf der Reise
Das Gros des Falkenparks ist nur teilweise mit Gittern eingefasst. Der Uhu und die anderen Schützlinge haben „Fußfesseln“ und können sich mit einem Schienenmechanismus auf begrenztem Raum bewegen. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ihnen das völlig ausreicht“, ist sich Falkner Dreikant sicher. Offensichtlich aber ist der Freiheitsdrang dennoch manchmal größer. Ausgerechnet vor dem Fototermin gelang es einem seiner drei weißen Falken, die Welt auf eigene Faust zu erkunden!
 Täglich auf die Waage
Für seine Falken hat sich Oliver Dreikant auf einen strengen Tagesrhythmus eingelassen. „Die Tiere brauchen kontinuierliche Betreuung. Dazu gehört das tägliche Wiegen!“ Das, so erfahren wir, ist ausschlaggebend für den Jagderfolg. „Mit vollem Bauch sucht der Falke keine Beute. Wenn er zu wenig wiegt, kann es andererseits zu Herzstillstand kommen“, schildert der Brieselanger den täglichen Balanceakt. „Man kann die Vögel nur über den Nahrungszustand dazu bringen, dass sie tun, was man möchte!“
Die Tiere werden teuer gehandelt, die Preise gehen im vierstelligen Eurobereich an. Für besondere Vögel werden Liebhaberpreise in schwindelerregender Höhe gezahlt, ganz so, wie früher bei den Fürsten in Orient und im Okzident.
 Falken für jeden
Falkner werden ist also sehr schwer. Dennoch kann man in Brieselang als „Normalbürger“ an dem faszinierenden Hobby teilhaben. Dafür hat Oliver Dreikant mit ein paar ebenfalls falkensüchtigen Freunden einen Verein gegründet. In dessen Rahmen kann man den Umgang mit den königlichen Vögeln ebenso genießen wie bei Schauvorführungen.
Persönliche Nachwuchssorgen macht sich Oliver Dreikant nicht. Da hofft er ganz auf Tochter Daria Daniele, die mit ihren zwölf Jahren viel Faszination für Papas ungewöhnliches Hobby entwickelt. Muss sie auch, denn Falken werden weit über 30 Jahre alt. Falkner Dreikant will ja kaum noch als 70-Jähriger mit den königlichen Vögeln auf die Jagd gehen!
Infos: Tel. 01 76/77 09 44 22
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