Stand Juni 2012
Reinfall mit dem Opa
Stars und Filmcrews kommen besonders gerne nach Bredow. In diesem kleinen idyllischen Ortsteil von Brieselang, der so schön abgelegen ist, brauchen sie nur mal in der Dorfkneipe nachfragen, schon haben sie alles, was sie brauchen, wenn es sein muss, ein ganzes Wohnhaus samt Grundstück!
Dafür sorgt mit viel Freude Klaus-Peter Fitzner. Der 62-Jährige zog 1999 von Falkensee in den kleinen Ortsteil von Brieselang, denn in der „großen Stadt“ war es ihm „zu eng“ geworden. „Wo früher Felder waren, wurde alles immer mehr zugebaut!“
In Bredow fühlte sich Fitzner so wohl, dass er Filmteams betreut, wenn er nicht gerade hinter der Dorfgeschichte her ist. Für die Historie hat er sich mit teurer Technik ausgerüstet und rückt „bewaffnet“ mit Laptop, Flachbett-Scanner und Kamera an, wenn ihm zu Ohren kommt, dass jemand seltene Dokumente bei sich gefunden hat. „Ich sichte derartige Funde, fotografiere Dokumente und Bilder ab, werte alles aus und veröffentliche meine Erkenntnisse dann umgehend im Internet“, beschreibt der selbst-ernannte Chronist von Bredow seine Vorgehensweise. „Ich strebe momentan keine gedruckte Orts-Chronik an, bei mir kann jeder aktuell und kostenlos im Internet alles sehen, was ich erarbeitet habe“, lädt er ein.
Reinfall mit dem Opa
Anlass seiner Chronisten-Tätigkeit war der Reinfall mit der eigenen Geschichte: „Ich wollte eine Familienchronik erstellen. Leider bin ich bereits an meinem Großvater gescheitert. Der war in Schlesien als uneheliches Kind geboren worden. Da das Kirchenbuch im Krieg vernichtet wurde, bekam ich nicht mal heraus, wer sein Vater war.“ Also sagte Fitzner der eigenen Familie „adé“, doch sein Jagdinstinkt war erweckt. Aber wo sollte er beginnen, um die Geschichte „seines Dorfs“ herauszufinden?
Denn im Gegensatz zu vielen anderen Orten war ausgerechnet Bredow weitgehend „geschichtslos“. Denn hier waren weder Kirchen- noch Schulchronik auffindbar, die sonst den Forschern beim Blick zurück helfen.
Wie so oft war es der Zufall, der aus der Patsche half: „Ich stieß 2004 bei meinem Nachbarn auf ein ‚Lagerbuch‘ von Bredow. 1875 hatte man in Preußen die Idee, alles vermessen zu lassen. Die Lagerbücher geben exakt Aufschluss darüber, wem im Dorf welcher Hof und welche Grundstücke gehörten.“  
Archiv als zweite Heimat
Nun konnte Klaus-Peter Fitzner mit seiner Rekonstruktion des Dorfes zur Gründerzeit beginnen. „Ein erhebliches Problem bestand allerdings darin, dass viele Personen nur mit Nachnamen genannt wurden. Damit ist es schwierig festzustellen, welcher Sohn beispielsweise geerbt, welcher auf einen anderen Hof als Knecht gegangen ist oder wer der Glückliche war, der dann bei einem anderen Bauern eingeheiratet hat“, beschreibt Bredows Ortschronist, warum er sich nun erst recht auf die Spurensuche machen musste. „Andererseits gab es dann wieder Nennungen nur mit dem Vornamen. Das machte es ebenfalls nicht einfacher.“
So kam es, dass er zeitweise am Ort selbst eher seltener zu sehen war. Stattdessen wurde ihm das Landesarchiv in Potsdam zu einer vorübergehenden zweiten Heimat.
Leben aus der Zeitung
Dort erwies sich insbesondere das „Osthavelländische Kreisblatt“ als „Goldgrube“. Fitzner durchforstete die Jahrgänge von 1840 bis 1877 nach allen Nachrichten aus seinem Ort. „Dadurch wurden meine Erkenntnisse aus Planzeichnungen und anderen Quellen so richtig mit Leben erfüllt“, freut er sich noch heute über die Erkenntnisse. So fand er heraus, dass schon damals, in der ruhigen Zeit, manche Eile herrschte: „Der Stellmacher Walther aus Seegefeld wollte in Bredow Handwerkszeug einkaufen. Dazu hätte er mit dem Zug nach Nauen fahren müssen, denn Bredow hatte keinen Bahnhof. Um sich das Zurücklaufen zu ersparen, sprang er in Bredow aus dem Zug. Er fiel so unglücklich auf den Hinterkopf, dass er kurz darauf in Nauen verstarb.“
Bürgermeister als Brand-Opfer
Fitzner fand heraus, dass es 1841 mit Friedrich Wulkow in Bredow sogar einen eigenen Tierarzt gab, den ersten und bisher einzigen. „Das wussten nicht mal seine Nachfahren. Die wunderten sich eines Tages, dass sie auf dem Dachboden Medizinfläschchen fanden und erfuhren erst durch mich von ihrem Vorfahren!“
Dass das Lebens eines Bürgermeisters, früher Dorfschulze genannt, richtig gefährlich sein kann, musste Daniel Krüger am eigenen Leib erfahren. Er war das einzige Opfer des großen Brands von 1859, dem die meisten Häuser zum Opfer fielen. Allerdings war es nicht das Feuer selbst, das ihm den Garaus machte. Vielmehr versuchte der als  „allgemein beliebt und von seinen Vorgesetzten wegen seiner Bestimmtheit, Derbheit und Biederkeit hoch geachtet“ beschriebene Bürgermeister einen schweren Koffer zu retten und muss dabei wohl in der Aufregung einen Herzanfall erlitten haben, der ihm schließlich das Leben kostete.
Treffpunkt Kneipe
Seit 2005 gibt die Internetseite von Klaus-Peter Fitzner Auskunft über seine Erkenntnisse, die jeden Tag mehr werden. Er appelliert an alle, die alte Fotos oder Dokumente finden, sich an ihn zu wenden. „Niemand braucht Angst haben, dass ich die wertvollen Erinnerungen mit nehme. Es  bleibt alles vor Ort, ich digitalisiere dort die Funde“, verspricht er.
Viel von dem, was auf seinen Seiten zu lesen ist, hat seinen Ursprung in zufälligen Gesprächen in der Dorfkneipe. Und von dort aus nahm Bredows Einzug in die Filmgeschichte seinen Lauf. Denn eines schönen Tages war da das Erkundungsteam einer Produktionsfirma aufgetaucht, um nach Drehmöglichkeiten zu suchen.
Unterwegs mit Ottfried Fischer
Fitzner erkannte die tolle Chance für seine Wahlheimat und ließ sich sogar breitschlagen, für Episoden von beliebten Serien wie „Pfarrer Braun“ und „Polizeiruf 110“ sein Einfamilienhaus als Filmkulisse zur Verfügung zu stellen. Als „Set-Assi“ kümmerte er sich ums leibliche Wohl der Schauspieler und Dreh-Crew, war behilflich, wenn es umzuräumen, Kabel zu verlegen oder überraschende Probleme aus der Welt zu schaffen galt.
„Pfarrer Braun“ Darsteller ist Ottfried Fischer. Gedreht wurde in Bredow die Folge „Heiliger Birnbaum“. Der Bredower Orts-Chronist bekam die ehrenvolle Aufgabe, während der gesamten Serien-Episode den Star mit dessen Wohnwagen zu den jeweiligen Drehorten zu begleiten. „Vom Polizeiruf wurde bei uns ‚Dettmanns weite Welt’, ‚Totes Gleis‘ und ‚Das Wunder von Wustermark‘ gedreht“, erinnert sich Klaus-Peter Fitzner zurück.
Pferde-Pech
Als wären Historie und Film noch nicht genug, entpuppt sich der gelernte Agro-Techniker und spätere EDV-Referent noch als eingefleischter Pferdefan. Besonders die schweren Arbeitspferde haben es ihm angetan. So engagiert er sich in der „Interessensgemeinschaft Zugpferde“ für Pflege und Erhalt dieser Tiere, die „ebenfalls ein Stück Geschichte auf dem Dorf sind“. Leider ist für den Bredower selbst der Traum von den eigenen Pferden, der mit ein Anlass für den Umzug von Falkensee ins havelländische „Pferdedorf“ war, schnell geplatzt: „Ich hatte mir zwei Tiere zugelegt, die sich allerdings als untauglich erwiesen. Sie waren einfach zu nervös, um zum Ziehen von Pflug oder Kutsche eingesetzt zu werden.“
Für Bredow war dieser Fehlschlag sicher ein Glück, denn dadurch kann Klaus-Peter Fitzner seine volle Energie der Dorfgeschichte widmen oder wieder mal Dreharbeiten in seinem Heimatort begleiten.
Infos:
www.14641-bredow.de 
Tel. 0 33 21/45 13 05
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